30. Oktober 2009

Heinrich Ignaz Franz Biber: Missa Salisburgensis (1682)



Salzburg feierte 1682 das 1100jährige Bestehen des Erzstiftes - ein Jubiläum, das im Hochbarock, wo nichts mehr zählte als aus "Anciennität« erwachsener Rang, seinesgleichen suchte: Selbst das "Heilige Römische Reich deutscher Nation« konnte da nur bedingt mithalten! Der "Kirchenstaat« Salzburg beanspruchte absoluten Vorrang vor den Habsburgerkaisern und den untergeordneten Reichsbistümern und sorgte auch innerhalb seiner Grenzen für Zustände, die dem Rang angemessen erschienen.[…]

Das Erzstift Salzburg sah sich als Fokus römischer und venezianischer Traditionen, die es empfing und mit vielfältigen Konnotationen seines eigenen Anspruchs bereichert weitergab. Schon Jahrzehnte vor dem Fest bündelten sich die Aktivitäten: In kurzer Zeit wurde der Dom, die noch unvollendet dastehende Bühne, vollendet, Musiker von Weltrang wurden "gesammelt«, einer gar - Georg Muffat - zur Bildungsreise nach Rom entsandt, um sich hier als Komponist die Art von "historischer Legitimation« zu erarbeiten, die Salzburg zuträglich war.

Daß aber Anspruch und Wirklichkeit bisweilen nur schwerlich zu vereinen sind, mag die "Missa Salisburgensis« beweisen, deren Komponisten wir nur erahnen, nicht aber mit letztendlicher Sicherheit nennen können - möglicherweise deshalb, weil der Komponist (fraglos ein exzellenter) auf der höfischen Treppe noch nicht so hoch gestiegen war, daß man ihn anstelle seines in "Anciennität« überlegenen Kollegen hätte nennen dürfen; im höfischen Kontext zählte Tradition weitaus mehr als Verdienst, Amtsanspruch mehr als Können und Genius oder gar Publikumsgunst. […]

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704)

Heinrich Ignaz Franz Biber (wir gehen stillschweigend davon aus, daß er der Komponist des Werkes ist) muß - wenn man seinen Lebensweg, seinen Werkkatalog, seine geistreich-anspruchsvollen Vorreden zu Drucklegungen, aber auch die schmerzlich-gequälten Vorworte des Rivalen Georg Muffat nach seinem Weggang von Salzburg, einzelne Schriftstücke Schmelzers, aber auch Bibers zweimaliges Ersuchen um einen Adelstitel bei Leopold I. in einen psychologisierenden Zusammenhang bringt - ein Künstler mit nicht nur schnellen Fingern und einem ebensolchen Bogen, sondern auch mit besonders aktiven Ellbogen gewesen sein.

Andreas Hofer, bis 1684 Bibers Vorgänger im Amt des Salzburger Hofkapellmeisters, hätte Grund gehabt, die Nennung seines Namens als die des Komponisten der "Missa« zu erzwingen - Biber hingegen hatte Grund genug, seine Autorschaft zu verleugnen. Da ihm (und nicht Georg Muffat) das höchste Musikamt des Erzstiftes nach dem Tode Hofers zufallen sollte - in mehr als nur gewisser Weise hatte Biber sich seinen Anspruch durch drei überaus eminente, dem Erzbischof Max Gandolph dedizierte Werksammlungen, "Sonatae tam aris quam aulis«, 8 "Sonatae Violino solo« und die "Rosenkranzsonaten«, erschmeichelt -, mußte ihm das kollaborierende »nescio« leichtgefallen sein. Letztlich aber beweist alles das nur, daß »ad majorem dei gloriam«, zur Ehre des Erzstiftes und des heiligen Ruperts alle Beteiligten zum Zurücktreten bereit waren. Auch mit Hilfe der Stilkritik ist der Autor der »Missa Salisburgensis« nicht zweifelsfrei zu ermitteln: Nirgends finden wir Passagen, die eindeutig Bibers »Schreib-Arth« sind, nirgends aber auch etwas so Ungeschicktes, daß es seiner nicht wert wäre. Die monströse Akustik der »Bühne«, des Salzburger Doms, erzwang zudem einen Stil, der keinen Raum fur harmonische Extravaganzen und figurative Raffinements ließ.

Melchior Küsell (1626-1683): Aufführung der Missa Salisburgensis

Rom und Venedig wurden bereits als notwendige Voraussetzungen, als »historische Legitimation« genannt: Bedingungslose Monumentalität als Ausdruck des weltumfassenden Katholizismus ist die Grundlage, vokale und instrumentale Virtuosität venezianischer Prägung die musikalische Organisationsform auf der untergeordneten Stufe. […]

Zwei gigantische zeitgenössische Kupferstiche informieren uns stilisiert über Details des Festes vom 18. Oktober 1682: Der eher unbekannte, von Christoph Lederwasch 1682 gefertigte zeigt die kilometerlange Prozession der kirchlichen und weltlichen Magnaten des Erzstiftes beim Einzug in die Kathedrale, der andere (von Melchior Küsell bereits 1678 angefertigt und im modernen Reprint zugänglich) idealisiert die Aufführungsbedingungen der "Festmesse«: Auf den beiden mit einer Orgel ausgestatteten hinteren Vierungsemporen des Doms stehen die Vokalisten-Streicher-Chöre, ihnen gegenüber die beiden Bläserchöre, und in den Seitenschiffen sitzen die Trompetengruppen.

Quelle: Reinhard Goebel, im Booklet (Seite 12-16, gekürzt)

TRACKLIST

HEINRICH IGNAZ FRANZ BIBER (1644-1704)


MISSA SALISBURGENSIS
+
Motet / Motette "Plaudite tympana"
Mass and Motet in C major in 53 parts
Messe und Motette C-dur für 53 Stimmen
Messe et Motet en ut majeur pour 53 voix
+
Sonata Sancti Polycarpi
+
Sonatae tam aris quam aulis servientes:
Sonata V - Sonata XII


MUSICA ANTIQUA KÖLN, Reinhard Goebel
GABRIELI CONSORT & PLAYERS, Paul Mccreesh
on authentic instruments - auf historischen Instrumenten - sur instruments originaux



 BARTHOLOMÄUS RIEDL (+ 1688)
[01] Ein langer und schöner Aufzug                       [2'39]

 PATER IGNATIUS AUGUSTINER (17'th cent.)
 Ein schöner Aufzug

 HEINRICH IGNAZ FRANZ BIBER
[02] KYRIE                                               [5'51]
[03] GLORIA                                              [9'44]
[04] Sonatae tam aris quam aulis servientes: Sonata XII  [5'21]
[05] CREDO                                              [15'05]
[06] Sonatae tam aris quam aulis servientes: Sonata V    [6'03]
[07] SANCTUS - BENEDICTUS                                [8'05]
[08] AGNUS DEI                                           [8'26]
[09] Sonata Sancti Polycarpi                             [4'34]
[10] Motet "Plaudite tympana"                            [6'02]


Editions / Publishers:

Missa & Motet: King's Music, edited by Clifford Bartlett with Peter Best & Brian Clark
Sonata Sancti Polycarpi & Fanfares: Ed. Peter Downey
Sonatae tam aris quam aulis servientes: Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz-Wien

Recording: Romsey, Hampshire, Abbey Church of SS. Mary & Ethelflaeda, 7/1997
Executive Producer: Dr. Peter Czornyi
Recording Producer: Christopher Alder
(P) & (C): 1998


Wie der Mount Everest die Bergwelt zu seinen Füßen, so überragt die »Missa Salisburgensis« das Reich der mehrchörigen Musik - das Non plus ultra im klanglichräumlichen Ausdruck göttlicher und weltlicher Macht. […]

Beim ersten Hören könnte man bemängeln, daß die Stimmung der Trompeten das harmonische Gefüge zwangsläufig dominiert, aber genaueres Hinhören offenbart viel handwerkliche Raffinesse, großen Figurenreichtum im basso ostinato, oftmals volkstümlich erscheinende Schlichtheit des thematischen Materials und vorausweisende Motivkombinationen im Benedictus und Agnus Dei, und zuweilen auch den Schock harmonischer Wechsel, die innerhalb eines Festes in strahlendem C-dur nur um so prägnanter wirken.

Wahrscheinlich hat die 53, die Anzahl der Stimmen, keine besondere Bedeutung - im 17. Jahrhundert hätte man von 52 Stimmen plus basso continuo gesprochen. (Die beiden Orgelstimmen, die sicher durch tiefe Streicher verdoppelt wurden, sind nämlich zusätzlich zu einem separaten bassus generalis in der Partitur vollständig ausgeschrieben worden, obwohl in Salzburg zweifellos alle vier Domorgeln und die Chorregale spielten.) Zudem stehen im dritten Chor zwei Oboenstimmen, die fast immer die beiden Diskant-Blockflöten verdoppeln. Das deutet darauf hin, daß die Oboen später hinzugefugt wurden und das Werk ursprünglich fur 50 Stimmen gesetzt war.

Die Herausforderung für uns war zu versuchen, die ursprüngliche spektakuläre Wirkung der Musik in einem ganz andersartigen Bauwerk und gänzlich andersartigen Medium wiedererstehen zu lassen. Schlichter, direkter Ausdruck war das Ziel der Interpretation und auch des räumlichen Arrangements der Aufnahme. Das Hauptensemble (Chor 1-6) stand in einem großen Kreis, rechts und links die beiden Vokal- und Streichergruppen, die Bläser hinter dem Dirigenten. Die beiden Trompeten- und Paukenchöre wurden in großer Entfernung am Ende der Kirche plaziert. Ich habe mich besonders bemüht, zwischen dem zarteren clarino-Ton der beiden Trompeten des Hauptensembles und dem volltönenden, militärischen Stil der entfernteren trombe zu unterscheiden, die jeden Abschnitt der Messe mit ihren pompösen Lobgesängen zur Ehre Gottes und der Macht des großen Stadtstaats akzentuieren.

Quelle: Paul McCreesh, im Booklet (Seite 16-17, gekürzt) (Übersetzung: Reinhard Lüthje)


Der freundliche Herr links ist Reinhard Goebel, Gründer und Leiter der (inzwischen nicht mehr bestehenden) Musica Antiqua Köln. Seine Konzerttermine sowie Biographisches sind auf seiner Homepage verfügbar.

Der ernste Herr rechts ist Paul McCreesh (erstaunlicherweise noch ohne Eintrag in der deutschen Wikipedia), Gründer und Leiter der (noch bestehenden) Gabrieli Consort & Players (die sich nach Andrea und Giovanni Gabrieli benannt haben). "progabrieli" ist ein großer Verehrer von Paul McCreesh, dem er die Webpage "McMaestro" widmet.

Da das Booklet mich so großzügig mit Fotos versorgt hat, die alle hier abzubilden ich mich verpflichtet gefühlt habe, kann ich diesmal mein Steckenpferd, ein Werk der Bildenden Kunst vorzustellen, das im zumindest losen Zusammenhang mit der CD steht, nicht reiten. (Weniger Wohlmeinende klassifizieren meine Vorliebe als non sequitur.)

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Musikbeispiel:
Track 2: Missa Salisburgensis, I. Kyrie

27. Oktober 2009

Heinrich Schütz: Italienische Madrigale ("Il Primo libro di Madrigali", Venedig 1611)


Schütz berichtet in seinem großen Memorial vom 14. Januar 1651 an Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, in dem er seinen bisherigen Lebenslauf erzählt, von den Studienjahren in Venedig ab 1609, jener Zeit, als er begann, » ... das Studium Musices alleine mit allem möglichsten grösten fleis zu tractieren, ... da ichs dann mit göttlicher hülffe, sonder ruhm so weit gebracht habe, das nach dreyen Jahren (undt Ein Jahr zu vohr ehe Ich aus Italia wieder zurücke gereist) Ich mein Erstes Musicalisches Werklein in Italianischer sprache, mit sonderbahrem lobe der damahls fürnembsten Musicorum zu Venedig daselbst habe drucken lassen, und von dar aus Herrn Landgraff Moritzen (deme Ichs auch zu unterthäniger Dancksagung Dedicirt) zugeschickt habe ... «.

Schützens Chronologie war in der Erinnerung nach rund 40 Jahren etwas unscharf geworden - 1611 erschien der Madrigaldruck bei Gardano, 1613 erst trat Schütz die Rückreise nach Deutschland an -, aber sein Stolz auf das »Meisterstück« als Abschluß seines Studiums bei Giovanni Gabrieli, dem überragenden Organisten an San Marco und epochemachenden Komponisten und Kompositionslehrer, war immer noch lebendig.

Bekanntlich ließ Gabrieli um 1553/56-1612 alle seine Schüler, die vor allem aus Deutschland und Dänemark gekommen waren, die Lehrzeit durch eine Serie Madrigale, die auch in Druck zu gehen hatten, beenden, obgleich aus seiner eigenen Feder fast keine Madrigale überliefert sind. Hatte die italienische Madrigalpoesie, die schon im 14. Jahrhundert ihre erste Blüte erlebt hatte, im ausgehenden 16. Jahrhundert insofern einen Reduktionsprozeß durchgemacht, als in der Flut der Dichtungen inhaltlich fast ausschließlich Liebesleid - die Klage des enttäuschten oder vergeblich um Erhörung flehenden Liebhabers, Anklage der spröden Geliebten und dergleichen - und Liebesfreud zur Sprache kamen, so verfeinerten sich auf der anderen Seite die spraehlich-poetischen Mittel bis in manieristische Extreme hinein: gesuchte Vergleichsbilder, extravagante Wortformen, konträre Metaphern auf engstem Raum, jähe Ausdrucks- und Stimmungsumschwünge sind die Norm.

Heinrich Schütz (1585-1672)

Diese hochstilisierte Dichtungsart in ihrer relativ freien, sehr variablen Vers- und Reimstruktur avancierte demzufolge rasch zum Probierfeld entsprechender Vertonungen: in dieser Renaissance-Gattung wurde zielstrebig das Affekten-Komponieren, das Imitieren von im Text genannten Bildern und Vorgängen, vor allem aber die Darstellung verschiedener Gemütslagen mit den musikalischen Mitteln der Harmonie, der »sprechenden« Rhythmik und der melodischen Faktur ausgebildet. Schützens Madrigale auf Texte aus dem Hirtendrama »Il pastor fido« des Battista Guarini (1589/90), vor allem des Erzmanieristen Giambattista Marino - von dem es hieß, er komponiere statt mit Tönen in Worten! - und anderer Autoren sind weit überdurchschnittlich gute Hervorbringungen aus der Endphase der musikalisch-renaissancistischen Madrigalperiode. Mit welcher Sicherheit zeichnet Schütz heiterfreundliche Bilder und Affekte und ihren Umschlag ins genaue Gegenteil!

»Ride 10 primavera ...« (»Es lächelt der Frühling ...«, Nr. 7): Heiter-lachende Achtel, helles g-mixolydisch. »Ma tu Clori serbi l'antico verno« (»Doch du, Cloris, suchst den alten Winter ...«): Welcher Simultan-Kontrast, fast bis ins Absurde geführt, in Text und Musik.

»O dolcezze amarissime d'amore« (»0 bitterste Süßigkeiten der Liebe«, Nr. 2): Ein Topos, der sich durch die ganze Madrigalistik seit dem frühen Klassiker Petrarca (14. Jahrhundert) zieht. Und welch eine Dissonanzkühnheit, verbunden mit einem lockeren »amore«-Motiv!

Titelblatt von Guarinis's "Il pastor fido", Venedig 1590, bei Giovanni Bonfadino

»Fuggi, fuggi,o mio core!« (»Fliehe, fliehe mein Herz!«, Nr. 8): Fliehende Achtel kontrastieren mit den langen Werten auf »core« - quasi als »Hand aufs Herz« -, ruhiger Zuspruch ein das unruhige Herz, Bewegung und Ruhe simultan.

Diese wenigen Beispiele stehen für zahllose weitere. Den Schluß bildet die Huldigung an Schützens Mäzen, den Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel, der ihm die höhere Schulbildung in Kassel, das Jurastudium in Marburg und die Lehrzeit bei Gabrieli finanziert hatte: Das achtstimmig-doppelchörige Stück »Vasto mar ...« (»Weites Meer, in dessen Busen einträchtige Winde aus Hoheit und Tugend sanfte Harmonien bilden. Diese demütigen Klänge« - welche Untertreibung! - »bringt Dir meine Muse dar. Du, großer Moritz, mögest ihnen gewogen sein ...«, Nr. 19; Übersetzung: S. Schmalzriedt): Die doppelchörige Anlage, Ausnahme unter den sonst fünfstimmigen generalbaßlosen Stücken, reflektiert deutlich Schützens tiefen Eindruck vom mehrchörigen Musizieren in Venedig unter Giovanni Gabrieli, der ihn sein Leben lang nicht mehr losgelassen hat. »Vasto mar« stellt die Brücke dar zu den wenig später in Dresden entstehenden mehrchörigen »Psalmen Davids« (1619), der ersten großen Schützschen Transposition venezianischen Spätrenaissance-Musizierens in deutsche Kunstübung.

Quelle: Prof. Dr. Wolfram Steude, im Booklet (Seite 5-7)

TRACKLIST

Heinrich Schütz (1585-1672)

ITALIENISCHE MADRIGALE
"Il Primo libro di Madrigali", Venedig, 1611, bei Gardano

[01] Prima parte:
O primavera, gioventù de l'anno     3:08
SWV 1
Text: Battista Guarini, Il pastor fido, Venedig 1589/90
Sopran I, II, Tenor, Bariton, Baß

[02] Seconda parte:
O dolcezze amarissime d'amore       2:28
SWV 2
Text: Battista Guarini, Il pastor fido, Venedig 1589/90
Sopran I, II, Tenor, Bariton, Baß

[03] Selve beate, se sospirando          2:51
SWV 3
Text: Battista Guarini, Il pastor fido, Venedig 1589/90
Sopran I, II, Tenor, Bariton, Baß

[04] Alma afflitta, che fai              2:38
SWV 4
Text: Giambattista Marino
Sopran II, Contra-Alt, Tenor, Bariton, Baß

[05] Così morir debb'io                  2:56
SWV 5
Text: Battista Guarini, Il pastor fido, Venedig 1589/90
Sopran II, Contra-Alt, Tenor, Bariton, Baß

[06] D'orrida selve alpina               2:51
SWV 6
Text: Alessandro Aligieri in »Il gareggiamento poetico« von Carlo Fiamma
Sopran II, Contra-Alt, Tenor, Bariton, Baß

[07] Ride la primavera                   3:11
SWV 7
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Contra-Alt,Tenor, Baß

[08] Fuggi, O mio core                   2:50
SWV 8
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Contra-Alt,Tenor, Baß

[09] Feritevi, viperette mordaci         3:15
SWV 9
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Tenor, Bariton, Baß

[10] Fiamma ch'allaccia                  2:39
SWV 10
Text: Herkunft unbekannt
Sopran I, II, Tenor, Bariton, Baß

[11] Quella dama son io                  2:27
SWV 11
Text: Battista Guarini, Il pastor fido, Venedig 1589/90
Sopran I, II, Tenor, Bariton, Baß

[12] Mi saluta costei                    2:50
SWV 12
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Contra-Alt, Tenor, Baß

[13] Io moro, ecco ch'io moro            3:31
SWV 13
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Contra-Alt, Tenor, Baß

[14] Sospir che dei bel petto            3:18
SWV 14
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Contra-Alt, Tenor, Baß

[15] Dunque addio, care selve            3:48
SWV 15
Text: Battista Guarini, Il pastor fido, Venedig 1589/90
Sopran I, II, Contra-Alt, Tenor, Baß

[16] Tornate o cari baci                 2:12
SWV 16
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Contra-Alt, Tenor, Baß

[17] Di marmo siete voi                  2:21
SWV 17
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Contra-Alt, Tenor, Baß

[18] Giunto è pur, Lidia                 2:15
SWV 18
Text: Giambattista Marino
Sopran I, II, Contra-Alt, Tenor, Baß

[19] Vasto mar                           3:22 
SWV 19
Text: Heinrich Schütz
Chor I: Sopran I, Tenor, Bariton, Baß II
Chor II: Sopran II, Contra-Alt, Tenor II, Baß

TT:                                     55:48

CAPELLA LIPSIENSIS 

Gisela Fetting, Sopran I
Roswitha Trexler, Sopran II
Herwig Saffert, Contra-Alt
Joachim Vogt, Tenor
Detlef Schneider, Tenor II (in SWV 19)
Gothart Stier, Bariton
Hermann Christian Polster, Baß
Karl Heinz Schmieder, Baß II (in SWV 19) 

Ernö Klepoch, Violine I
Dietrich Brauer, Violine II
Friedemann Starke, Gambe I
Doris Linde, Gambe II
Peter Klug, Gambe III
Dieter Zahn, Violone
Günter Angerhöfer, Dulzian
Walter Heinz Bernstein, Orgelpositiv, Cembalo

Leitung: DIETRICH KNOTHE

Recording: Leipzig, Versöhnungskirche, 11/1971
Recording Producer: Reimar Bluth
Balance Engineer: Eberhard Richter
Recording Engineer: Hartmut Kölbach



Wie auch in anderen Fällen ist auch hier der Versuch, Venezianische Musik mit einem passenden Altmeisterwerk zu illustrieren, zeitlich verfehlt worden. (Um circa ein Jahrhundert). Im Erscheinungsjahr des "Primo libro di Madrigali" ist jedoch ein wenig bekanntes Werk von Carlo Saraceni, die Heilige Cäcilia betreffend, entstanden, das ich hiermit meinen geschätzten Lesern präsentieren möchte.

Links: Albrecht Dürer, Portrait einer jungen Venezianerin, 1505, 33 x 25 cm,
Kunsthistorisches Museum, Wien.

Rechts: Carlo Saraceni (1579-1620), Die Heilige Cäcilia und der Engel, um 1610, 172 x 139 cm, Galleria Nazionale d'Arte Antica, Rom. (Quelle: Web Gallery of Art)


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Reposted on June 28, 2014

Musikbeispiele

Track Nr. 7, Ride la primavera


Track Nr. 8, Fuggi, O mio core

9. Oktober 2009

Franz Schubert: Werke für Violine und Klavier

Drei Sonaten für Violine und Klavier (op. post. 137)

Die drei als »Sonatinen« bekannten Werke bezeichnet Schubert selbst natürlich als Sonaten. Zu »Sonatinen« werden sie erst in der lange nach Schuberts Tod bei Anton Diabelli & Co. in Wien erscheinenden Erstausgabe 1836. Mit diesem Titel scheint der einfachen Faktur Rechnung getragen, die diese Kompositionen etwa von den Klaviersonaten - auch den frühen der Jahre 1815 bis 1817 - aber auch von der anspruchsvolleren Violinsonate in A-Dur vom August 1817 (op. post. 162; D 574) unterscheiden. »Sonaten« sind sie jedoch allemal im Sinne der 1778 und 1781 erschienenen Violinsonaten op. 1 und op. 2 von W. A. Mozart I (KV 301-306, 296 und 376-380), mit denen sie formal und bis hin zu Ähnlichkeiten der Themen und deren Behandlung viel verbindet.

Wie einfach diese Sonaten auch seien, als Spielmusiken nehmen sie, vor allem mit ihrer sprechenden Thematik, ganz für sich ein - und so einfach, daß kaum ein renommierter Geiger sie mehr im Konzertsaal zu spielen wagt, sind sie, jedenfalls musikalisch, nun doch nicht!

Sonate für Violine und Klavier in A-Dur (D 574) (op. post. 162)

Die A-Dur-Sonate bekundet in manchem die Differenz - fast einen Sprung - zu den kleineren, als "Sonatinen« bekannten drei Sonaten op. 137 vom Vorjahr. Da wirkt bereits der Anfang als neue Art des Ensemble-Spiels: über einem wiegenden Baßthema, das wie eine Art von Ostinato-Grund vorangestellt ist, schleicht sich die Kantilene der Violine im fünften Takt unauffällig ein, um alsbald weiter und weiter auszugreifen und den andersartigen Klavierpart mit großer Geste zu überspannen. Die Rollen sind so verteilt, daß die Violine sich und »ihren« Part und also ihr instrumental besonderes Vermögen einbringen darf. Das gilt nun in unterschiedlichen Nuancen für die anderen Sätze auch, am wenigsten vielleicht für den letzten, in dem die melodisch-thematischen Partien häufiger zwischen beiden Instrumenten ausgetauscht werden. Im ersten Satz begegnet diese aus den Mozartschen und Beethovenschen Vorbildern geläufige Übung nur in einzelnen Passagen und im Bereich des Seitensatzes, im Andantino bei der ausgezierten Wiederholung des Anfangs und sonst nur im imitatorischen Mittelteil aus As, im Scherzo und Trio aber an keinem einzigen Abschnitt. Wo im letzten Satz die Melodieführung hin und her geht, erinnern Figuren und allgemeine Faktur an die beschaulichere Gangart der kleinen, früheren Sonaten. Mit dem Scherzo ist indes der zweite spezifisch geigerische Zug des Werks ins Licht gebracht: Das kleine Feuerwerk wirbelt mit allerlei explosivem Effekt nach der Art der damals gerade in Mode kommenden Salonstückchen unbekümmert, sorglos der virtuosen Pose gegenüber, weil hübsch und wunderbar abgezirkelt. Darin kommt die Sonate auf den Ton der um diese Jahre häufigen Gelegenheitskompositionen für Solovioline mit kleiner Orchesterbegleitung, zumeist für den ambitioniert geigenden Bruder Ferdinand geschrieben - des »Concerto« (D 345), des Rondo in A-Dur (D 438), schließlich noch der Polonaise in B-Dur (D 580), Anspruchsvoller gleichwohl als diese nimmt die A-Dur-Sonate einen guten Teil dessen voraus, was Jahre später zu der wundervollen Synthese aus instrumentengerechter Virtuosität und gesanglicher Tiefe führen sollte: im November 1824 zur Arpeggione-Sonate, 1826/27 dann erneut zu Violinstücken, dem h-Moll-Rondo (D 895) und der C-Dur-Fantasie (»Sei mir gegrüßt«; D 934).

Rondo für Violine und Klavier in h-Moll (D 895) (op. 70; »Rondeau brillant«)

Von allen Kammermusikwerken Schuberts für Klavier und ein anderes Instrument erscheint nur dieses Rondo zu seinen Lebzeiten im Druck, und zwar 1827 bei dem Wiener Verleger Artaria, in dessen Haus es Anfang dieses Jahres durch den Geiger Josef Slawjk und Karl Maria von Bocklet in Anwesenheit Schuberts wohl zum ersten Mal aufgeführt wird. Ein Jahr später, am 7. Juni 1828, erscheint eine erste ausführliche Rezension des Werkes in der Wiener Mode-Zeitschrift:

"Das großartige Talent des rühmlich bekannten Lieder- und Romanzen-Kompositeurs ist vielseitig und versucht sich in allen Fächern, wie alle Geister von einer wahren, aufwärts strebenden Kraft. Das vorliegende Werk zeigt den kühnen Meister in der Harmonie ... Eine feurige Phantasie belebt dieses Tonstück. ... Obwohl das Ganze brillant ist, so verdankt es doch nicht seine Existenz den bloßen Figuren, die uns aus mancher Komposition in tausendfältigen Verrenkungen angrinsen und die Seele ermüden. Der Geist des Erfinders hat hier oft recht kräftig seinen Fittich geschwungen und uns mit ihm erhoben. Sowohl das Pianoforte als die Geige braucht einen geübten Spieler, der sich auf Perioden [= größere Teile des Ganzen] gefaßt machen muß, die nicht durch unzähligen Gebrauch etwa ihr Bürgerrecht erlangt haben, sondern die eine neue und begeisterte Ideenfolge kund tun. Der Spieler wird sich durch schönen Harmonienwechsel auf eine interessante Art angezogen fühlen.«

Franz Schubert (Maler unbekannt)

Fantasie für Violine und Klavier in C-Dur (D934) (op. post. 159)

Im Zentrum der Komposition steht ein Andantino mit Variationen über eine kurzgefaßte Version des Liedes Sei mir gegrüßt nach Friedrich Rückert (D 741). Schubert hatte dieses schon 1823 im Liederheft op. 20 veröffentlicht und konnte wohl auch mit dessen Bekanntheit rechnen. Es ist in der Fantasie nun zubereitet
für alle geignerischen Entfaltungsmöglichkeiten, für sanft weittragendes Legato-Spiel ebenso wie für virtuose Brillanz der alle Saiten nutzenden Arpeggien und Springbogen-Passagen in den Variationen. Um diesen Variationensatz herum gruppiert Schubert Charaktersätze oder -abschnitte, die durch Verzahnung und späteres Wiederanknüpfen ein weiteres Mal die Möglichkeit für Variantenbildung und Umspielungen geben. Das Werk ist für das Duo Josef Slawjk / Karl Maria von Bocklet geschrieben, das es in Slawjks Privatkonzert am 20. Januar 1828 im Landständischen Saal in Wien zum ersten Mal spielt. Die Rezensenten, von virtuosem Raffinement gewiß längst nicht mehr abzuschrecken, nehmen die Fantasie mit Befremden auf; alle Kritiken sind schlecht. Vielleicht ist das der Grund dafür, daß die Fantasie in der Erstausgabe von 1850 mit vereinfachten Arpeggien und Akkorden herauskommt. Ob die Bearbeitung von Slawjk oder von einem anderen Geiger stammt - vielleicht noch mit Billigung Schuberts -, das weiß man nicht. Jedenfalls ist bis heute diese bearbeitete Fassung die verbreitete und nicht die, allerdings auch vertrackte, Originalfassung.

Quelle: Arnold Feil, in: Walther Dürr/Arnold Feil: Franz Schubert. Musikführer. Reclam Bibliothek Leipzig Nr. 20049, Leipzig 2002, ISBN 3-379-20049-2 , Seite 259-262

TRACKLIST

Franz Schubert (1797-1828)

The Complete Works for Violin and Piano
Werke für Violine und Klavier

- CD 1 - 

Drei Sonaten für Violine und Klaver
[März und April 1816, Wien]

Sonatina in D Major, D. 384 (Op. 137, no. 1)

1. Allegro molto                      4'32
2. Andante                            4'41
3. Allegro vivace                     4'06

Sonatina in A Minor, D. 385 (Op. 137, no. 2)

4. Allegro moderato                   7'03
5. Andante                            7'40
6. Menuetto: Allegro, mit Trio        2'03
7. Allegro                            5'09

Sonatina in G Minor, D. 408 (Op. 137, no. 3)

8. Allegro giusto                     5'10
9. Andante                            5'43
10. Menuetto: Allegro vivace           2'23
11. Allegro moderato                   4'14

Total time:                           53'54

- CD2 - 

Sonate für Violine und Klavier in A-Dur
Sonata ('Duo') in A Major, D. 574 (Op. 162)
[August 1817, Wien]

1. Allegro moderato                   9'33
2. Scherzo: Presto                    4'20
3. Andantino                          4'30
4. Allegro vivace                     5'10

Rondo für Violine und Klaver in h-Moll
Rondo ('Rondo brillant') in B Minor, D. 895 (Op. 70)     
[Oktober 1826]

5. Andante - Allegro                 15'30

Fantasie für Violine und Klavier in C-Dur
Fantasy in C Major, D. 934 (Op. 159)
[November 1827, Wien]

6. Andante molto - Allegretto - Andantino
- Tempo primo - Allegro vivace     26'05

Total time:                           65'57

Jaime Laredo, violin
Stephanie Brown, piano

Recording: September 1989, Troy Savings Bank Music Hall in Troy, NY
Producer: André Gauthier
Engineer: Craig D. Dory


Ernst H. Gombrich (1909-2001), einer der einflußreichsten Kunsthistoriker des vergangenen Jahrhunderts, gibt in seinem Werk "Kunst und Illusion" (ISBN 0-7148-9317-X) Antworten auf eine Frage, mit der sich Kunsthistoriker seit langer Zeit beschäftigen: Woher kommt es, daß verschiedene Zeiten und Völker die sichtbare Welt in so verschiedener Weise dargestellt haben? Professor Sir Ernst Gombrichs Arbeit läßt uns erkennen, wie außerordentlich vielgestaltig die Grundlagen für ein zeitgemäßes Kunstverständnis sind, welche psychologischen Merkmale die Wirkung von Kunstwerken determinieren, welche Bedeutung Licht und Farbe innerhalb unseres Bewertungsspielraums einnehmen und welche objektiven Beurteilungskriterien für Kunst - über Zeiten und Epochen hinweg - Gültigkeit haben.

Unter den vielen von ihm gewählten Beispielen nimmt John Constables Gemälde "Wivenhoe Park, Essex, Wohnsitz des Major-Generals Rebow" (National Gallery of Art, Washington) aus dem Jahre 1816 eine prominente Stelle ein. Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Wivenhoe Hall die Heimat von William Brummell, Bruder des berühmteren Beau Brummell. Wivenhoe Park ist nun Teil der Universität Essex, zuvor über mehrere Jahrhunderte Heimat der Rebow Familie, Nachfahren flämischer Weber aus Colchester. Wivenhoe hat einen ausführlichen Webauftritt.


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CD Info and Scans (Tracklist, Covers, Booklet, Music Samples, Pictures) 28 MB
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Reposted on November 14th, 2015


Musikbeispiel:

CD 2, Track Nr. 2
Schubert: Sonata in A Major, D. 574 (Op. 162), II. Scherzo: Presto
Jaime Laredo, Violin & Stephanie Brown, Piano, September 1989


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