15. März 2010

Gioachino Rossinis sechs Sonaten a quattro

Verschachtelt ist die Überlieferungsgeschichte von Gioachino Rossinis sechs Sonaten »zu vieren«. Es sind die frühesten Werke des Komponisten, die sich erhalten haben - wenn sie uns heute denn überhaupt in der Gestalt vorliegen wie zur Zeit ihrer Entstehung im Jahre 1804. Kurz zuvor hatte sich die Wandermusikerfamilie des jungen Gioachino in Lugo (zwischen Ravenna und Bologna) niedergelassen; hier machte man die Bekanntschaft der Familie Malerbi, in deren Bibliothek der angehende Komponist viele Werke Haydns und Mozarts gefunden und studiert haben dürfte. Zu eigenen Stücken regte ihn wiederum der Amateurmusiker Agostino Triossi an, der Kontrabass spielte und auf seinem Gut gelegentlich musikalische Rencontres im Bekanntenkreis veranstaltete. Für ein solches Hauskonzert entstanden, so erinnerte sich später der alte Rossini zurück, »sechs schreckliche Sonaten, die ich auf dem Landgut (nahe Ravenna) meines Freundes und Maecenas Triossi komponierte, als ich noch im kindlichsten Alter war, ohne je eine Lektion im Begleiten erhalten zu haben; das Ganze komponiert und kopiert in drei Tagen und aufgeführt von Triossi, Kontrabass, Morri, seinem Vetter, erste Violine, dessen Bruder, Cello, die wie Hunde spielten, und mir selbst als zweite Geige, der bei Gott nicht am wenigsten sich wie ein Hund benahm«.

Dass Rossini diese Stücke geschrieben hatte, war bekannt, sie galten aber lange Zeit als verschollen. Was vorlag, waren die fünf Streichquartette, die die Verlage Ricordi und Schott/Paris um 1825 herausgegeben hatten, und die darauf basierenden Bläserquartette für Flöte, Klarinette, Fagott und Horn, die zwei Jahre darauf Friedrich Berr arrangiert hatte, der Soloklarinettist an Rossinis Théatre italien in Paris. Gewissheit über den Ursprung dieser Bearbeitungen brachte erst die Entdeckung, die der Komponist Alfredo Casella in der Library of Congress in Washington machte. Hier fand sich eine Abschrift der Sonate a quattro mit der zitierten Notiz Rossinis, und nun stellte sich heraus, dass schon die »Sreichquartette« aus seiner Jugendzeit Bearbeitungen von fünf dieser Sonaten waren und alle nachfolgenden Varianten von ihr abstammten.

Gioachino Rossini in jungen Jahren (Das Bild entstammt einem Diskussionsbeitrag im Klassikforum Tamino)

Nun könnte es ja sein, dass der Veröffentlichung der »Jugendsünden« auf dem Zenit von Rossinis Ruhm eine mehr oder weniger tiefgreifende Redaktion vorausgegangen war. Schließlich hatte er einen Ruf zu verlieren, war er doch in den 1820er-Jahren der Opernkomponist Europas schlechthin. Wer wollte es ihm verdenken, sein erstes Kind etwas eleganter und erwachsener anzuziehen? Andererseits sind die Kontrabass-Sonaten der Washingtoner Handschrift formal mit ihren Abkömmlingen identisch. Hätte Rossini also an den Kindeskindern gefeilt, so hätte er auch dieses Dokument nachträglich zu ihrem Ahnherren modelliert -also gefälscht. Und das scheint bei einer Abschrift, die er wenigen Freunden gezeigt und nie zur Publikation vorgesehen hat, dann doch recht unwahrscheinlich.

So handelt es sich bei den Sonate a quattro wohl wirklich um ein erstaunliches Zeugnis aus Rossinis Kindheit und »wir haben es hier mit einem grandiosen Genieblitz zu tun, einem schöpferischen Wurf, der nur wenige Parallelen in der Musikgeschichte kennt« (Volker Scherliess). Handwerklich souverän und in den Proportionen überzeugend gestaltet, ist es vor allem die mutige Eigenständigkeit, die an den Sonaten ins Auge fällt: etwa die reizvollen Kontraste, die Rossini aus der vermeintlichen »Unausgewogenheit« - der klanglichen Kluft zwischen Violinen und Cello bzw. Kontrabass - gewinnt. Und – wie Arnold Schönberg es so treffend formuliert hat – »weil man sich an das zu halten hat, was das Kunstwerk geben will, und nicht an das, was sein äußerer Anlass ist«, können wir ruhig dem nachspüren, was Rossini dem Zuhörer geben wollte.

Guiseppe Malerbi (Das Bild entstammt einem Diskussionsbeitrag im Klassikforum Tamino)

Ein Divertimento ganz im Stile Haydns und Mozarts ist die Sonata a quattro Nr. 1 G-Dur. Die originale Besetzung ist recht unorthodox: Zwei Violinen, Violoncello und Kontrabass, anstelle der üblichen zwei Violinen mit Viola und Violoncello. Diese ad-hoc-Besetzung war bei den Triossis anzutreffen – und Rossini hat das Beste daraus gemacht. Die mitunter halsbrecherischen Passagen für den Kontrabass, den er hier im Gegensatz zur gängigen Praxis ganz unabhängig von der Violoncello-Stimme behandelt, zeigen den Einfluss des italienischen Bass-Virtuosen Domenico Dragonetti. Ein dickes Stück vom Kuchen schneidet sich Rossini mit der Gestaltung der zweiten Geigenstimme selbst ab. Ein Nachteil der Originalbesetzung ist vielleicht die weite Spanne zwischen den beteiligten Stimmen, so dass eine Übertragung auf Viola und Violoncello das Satzgefüge zu verdichten vermag. Melodien in Hülle und Fülle müssen sich im Kopf dieses Knaben befunden haben, und die klug gewählte Divertimento-Form des ersten Satzes gibt dem Komponisten ausreichend Raum, seine Gedanken schweifen zu lassen. Den langsamen und einfach gebauten Mittelsatz entwickelt er aus einem ganz an Mozart erinnernden Seufzer-Motiv. Auch lotet er hier die Möglichkeiten seiner Besetzung aus und baut das Ensemble gewissermaßen von den tiefen Instrumenten ausgehend auf. Rossini hat sich offenbar ebenso die kontemplativen Seiten Mozarts wie auch dessen Überschwang erschlossen: Ein furioses Rondo-Allegro schließt die Sonate ab.

Die Sonata a quattro Nr. 2 A-Dur besticht vor allem durch ihr seriös anhebendes Moll-Andante, in dem eine lang gezogene, nahezu schwebende Melodie von vibrierenden Triolen der Mittelstimme durchpulst wird - und damit an Mozarts berühmtes Andante aus dem C-Dur-Klavierkonzert gemahnt. Zwei kadenzierende Akkorde öffnen die Tür zum abschließenden Rondo en miniature, dessen Couplets immer nur wenige Takte umfassen: Der auftaktige Doppelschlag des Themas bestimmt durchgängig und bis zuletzt den fröhlichen Tonfall dieses Stücks.

Quellen: Malte Krastig: Programmheft Nr. 46 zum 22.02.2005 der Berliner Philharmoniker bzw. Heike Fricke: Programmheft Nr. 46 zum 31.01.2007

TRACKLIST

GIOACHINO ROSSINI (1792-1868)

STRING SONATES
6 SONATE A QUATTRO

CD 1 

SONATA No. 1 in G major

1. Moderato                      7'53
2. Andante                       3'58
3. Allegro                       2'20

SONATA No. 2 in A major

4. Allegro                      10'10
5. Andante                       2'44
6. Allegro                       1'59

SONATA No. 3 in C major

7. Allegro                       6'07
8. Andante                       3'56
9. Moderate                      2'43

SONATE No. 4 in B flat major

10. Allegro vivace              10'00
11. Andante                      3'32
12. Allegretto                   2'37

TOTAL TIME                      58'32

CD 2

SONATA No. 5 in E flat major

1. Allegro vivace               10'19
2. Andante                       3'13
3. Allegretto                    3'19

SONATA No. 6 in D major

4. Allegro spiritoso             9'57
5. Andante assai                 2'39
6. Tempesta (allegro)            5'55

PRÉLUDE, THÈME ET VARIATIONS,
for horn and piano

7. Andante maestoso              4'22
8. Allegro moderato              2'31
9. Andante maestoso              3'58


GAETANO DONIZETTI (1797-1848)

LARGHETIO, TEMA E VARIAZIONI
for violin and piano 

10. Larghetto                    2'25
11. Tema (andante)               1'22
12. Var. I                       1'25
13. Var. II (vivo)               1'10
14. Var. III (poco piu lento)    2'02
15. Var. IV (tempo primo)        2'19
16. Var. V (comodo)              1'39
17. Var. VI (molto allegro-
presto scherzando)               3'36

TOTAL TIME                      62'48


Haydn Philharmonia Soloists, Ezio Rojatti
Simone Baroncini, horn
Massimo Belli, violin
Victoria Terekiev, piano


Recording: Chiesa di S. Maria della Fratta,
San Daniele del Friuli, Italy, August 26-September 2 1991
Producer: Alessandro Nava & Danilo Prefumo
Engineer: Michael Seberich

William Turner: Schneesturm - ein Dampfschiff vor einer Hafeneinfahrt gibt Signale in einer Untiefe und bewegt sich nach dem Lot. Der Autor war in diesem Sturm in der Nacht als die Ariel aus Harwich auslief Snow Storm - Steam Boat off a Harbour's Mouth making Signals in shallow Water, and going by the Lead. The Author was in this Storm in the Night the Ariel left Harwich -- 1842 in der Royal Academy ausgestellt, Öl auf Leinwand, 91,4 x 121,9 cm, London, Tate Gallery, Turner Bequest N 00530, BJ 398

Joseph Mallord William Turner (1775-1851)

Dieses Marinebild eines Sturms ist das außergewöhnlichste aus der Gruppe bedeutender Ölgemälde, die Turner 1842 ausstellte. Die lebendige Wiedergabe eines von riesigen Wellen umhergeworfenen Dampfschiffes, das in einem wirbelnden Strudel aus Meer, Schnee und Rauch gefangen wird, als es den Schutz des Hafens verläßt, ist eine neue und radikale Interpretation des Seestücks. Das Motiv des sturmgepeitschten Schiffes gehörte immer schon zum Repertoire der Marinemaler - hier findet Turner seine dynamische zeitgemäße Form. Das Gemälde ist auf dem Gebiet der Marinemalerei das Gegenstück zu dem zwei Jahre später ausgestellten Bild Regen, Dampf und Geschwindigkeit (London, National Gallery; BJ 409), das den Triumph der Eisenbahn feiert.

Der lange biographische Titel betont die Modernität des Bildes, indem er es in einem realen, kurz zuvor gemachten Erlebnis zu verankern scheint. In seinem Exemplar des Katalogs der Royal Academy notierte Ruskin - allerdings ohne weitere Erklärung -, es wäre bezeichnend, daß Turner sich selbst als "Autor" statt als "Künstler" bezeichnete. In der Tat dürfte Turner die Bildgeschichte erfunden haben, gibt es doch keine Aufzeichnungen über einen Dampfer namens Ariel, der von Harwich, einem Hafen der Essex-Küste aus operiert hätte. Turner erzählte auch, daß er vier Stunden lang an den Mast gebunden war, um diesen Sturm zu beobachten, den er nicht zu überleben glaubte. Dies ist im Kontext der von Turner selbst initiierten Legendenbildung um die eigene Person zu verstehen. Wie ihm wohl bekannt war, erzählte man sich spätestens seit dem 17. Jahrhundert ähnliche Geschichten über Marinemaler. In Wahrheit bauschte Turner das Sujet auf und mystifizierte es, um den Realismus des Gemäldes zu betonen und sich selbst und sein zeitgenössisches Publikum in ein glaubhaftes Drama zu verwickeln.

William Turner: Detail aus dem Gemälde "Téméraire"

Turners Anekdoten rücken zudem die zerstörerische Kraft des Sturmes in die richtige Perspektive. Das Gemälde wird oft als krönendes Beispiel für Turners Obsession von den destruktiven, irrationalen Naturkräften und der Machtlosigkeit der Menschheit ihnen gegenüber bezeichnet. Hier jedoch überlebt er, gibt Zeugnis von der Begebenheit ab und malt das Bild. Der Dampfer mag vom Sturm durchgerüttelt werden, doch er ist nicht wirklich in Gefahr, die Mannschaft arbeitet mit dem Echolot, um zu verhindern, daß das Schiff in der rauhen, doch seichten See auf Grund läuft. Das Bild berichtet gleichermaßen von menschlicher Energie und Leistung sowie von den Vorteilen des technischen Fortschritts und von der Kraft des Sturms. Dieser Aspekt entging Ruskin, der Dampfschiffe und -lokomotiven ablehnte, obgleich er ironisch über das Bild schrieb: "Natürlich wurde es nicht verstanden, seine besten Werke werden nie verstanden. Er interpretierte es lieber als "eine der größten Darstellungen von Meeresbewegungen, von Nebel und Licht, die je auf eine Leinwand gebracht wurde, selbst von Turner." Ruskin notierte auch Turners Zorn, als dieser das Bild als "Seifenlauge und Tünche" beschrieben hörte.

Ein anderer Kritiker formulierte: "Dieser Herr hat bei früheren Gelegenheiten mit Sahne oder Schokolade, Eigelb oder Johannisbeergelee zu malen beliebt - hier bietet er sein ganzes Arsenal an Küchengerät auf. Wo das Dampfboot ist - wo der Hafen beginnt oder endet - was die Signale sind und welches der Autor auf der Ariel ist ... dies alles ist leider nicht herauszufinden." Der heutige Betrachter ist durch Werke der Kunst von den Impressionisten bis zur Abstraktion bereits geschult, er ist daher imstande, in dem annähernd schwarzen Fleck rechts von der Bildmitte den Bug des Dampfers auszumachen, erkennt das Schaufelrad und einen Mast mit Wimpel. Daß der sehr helle Fleck darüber das weißglänzende Magnesiumlicht einer Signalrakete ist, leuchtet nach gegebener Erklärung ebenfalls ein. Man erkennt die aufgewühlten Wogen, erhält eine Vorstellung von dem tobenden Schneesturm und den zerfetzten Wolken am tief herab hängenden Himmel.

Obwohl es die Zeitgenossen nicht erkennen konnten, ist der scheinbar alles in sich auflösende, zentrifugale Wirbel sehr wohl einem ordnenden Prinzip unterworfen. Im Dampfschiff materialisiert sich das Zentrum der Komposition, deren Kreisbewegung im vorderen Teil der Ariel ihren Ruhepunkt findet. Der scheinbar formlose Rest wird durch Helligkeitsabstufungen strukturiert. Im exakten Bildmittelpunkt, etwas über dem Schaufelrad, ruht ein hellgrauer Fleck. Die Komposition funktioniert, wenn auch nach Prinzipien, die außer Turner nur wenigen Zeitgenossen deutlich geworden sein dürften.

Die Neuartigkeit dieser Naturdarstellung muß kaum hervorgehoben werden. Sie hat eine lange Vorgeschichte.

William Turner: The Fighting "Téméraire" tugged to her last berth to be broken up, 1838, Clore Gallery of the Tate Gallery, London

Die letzte Fahrt der Téméraire

Nur wenige Gemälde können so intensiv als Epochensymbol erlebt werden wie Turners "Das Kriegsschiff Téméraire wird zu seinem letzten Anlegeplatz geschleppt, um abgewrackt zu werden" (London, National Gallery; BJ 377). Der Maler war zufällig Augenzeuge, als das Schiff, das bei Abukir und Trafalgar ruhmvoll gekämpft hatte, nach Rotherhithe geschleppt wurde. Der französische Name des "tollkühnen" Schiffes erklärt sich aus der Kaperung und Einreihung eines französischen Kriegsschiffes in der Bai von Lagos während des Siebenjährigen Krieges (1759). 1798 folgte ein Neubau als Linienschiff Ersten Ranges mit 98 Geschützen. Als Abgesang auf eine große Epoche der britischen Seekriegsgeschichte stellte Turner das Bild unter das Motto aus Campbells Gedicht "Ye Mariners of England":

"Die Flagge, die der Schlacht und jedem Wind getrotzt,
Besitzt sie nicht mehr."


Während ein professioneller Marinemaler die mangelnde Präzision rügte - "ein durchsichtiges Gespenst aus Nebel und Mondstrahlen mit einer Takelage aus Spinnengewebe" -, empfand der Romancier Thackeray die Téméraire wie "eine herrliche Nationalhymne oder ein Musikstück". Tatsächlich ließ Turner das Kriegsschiff, das ebenso wie die Victory in der "Nelson Fashion" gestaltet war (der dunkle Schiffsrumpf war von hellen Streifen entlang der Geschützpforten markiert), in silbrigem Schimmer "barocker" als in Wirklichkeit erscheinen. Es ging nicht um ein Marine-, sondern um ein Sinnbild, das am Beginn einer neuen Ära stand, die mit der Thronbesteigung der jungen Königin Victoria (1837) erhofft wurde. Mit wenigen Andeutungen resümiert Turner die gesamte Schiffahrtsgeschichte: Der Nachen im Vordergrund läßt seine beiden Insassen noch als Personen erkennen, während die kompakt gedrängte Mannschaft des bulligen Schaufelraddampfers, von der Glut des Kesselfeuers beschienen, zu einem Teil der Maschine geworden ist. Ein Kutter, ein Vollschiff unter Leesegeln in der Ferne, ein am Horizont verdämmernder Wald von Masten bilden das Geleit des Totenzuges. Eine dunkle Boje in der vom Abendrot wie Blut gefärbten See steht gleich einem Grabstein am Ende.

William Turner: Staffa, Fingal's Cave, 1832, Yale Center for British Art, New Haven

Merkwürdig genug hat eines der frühesten Projekte eines Dampfschiffs Turners Téméraire antizipiert: Jonathan Hulls nahm 1736 ein Patent auf ein mit einer Newcomen-Maschine ausgestattetes Boot - auf seiner nie verwirklichten Ankündigung ließ er einen Dreidecker durch dieses Schiffchen abschleppen.

Noch vor Téméraire hatte Turner dem Phänomen des Dampfschiffes seine Aufmerksamkeit geschenkt. In dem um 1825/30 entstandenen "Dampfschiff und Lichtschiff" (London, Tate Gallery; BJ 279) griff er das Motiv erstmals auf und stellte es mit "Staffa, Fingals Höhle" (New Haven, Yale Center für British Art; BJ 347) von 1832 in bewußten Kontrast zur romantischen Stimmungslandschaft. Das Bild wurde mit Versen Walter Scotts vorgestellt; Turner hatte eine Ausflugsfahrt zu der sagenumwobenen Basaltsäulengrotte Fingals unternommen. Da Sturm aufkam, unterließ der Kapitän die Weiterfahrt nach Iona, "stampfte aber", wie sich Turner noch 1845 erinnerte, "um die Enttäuschten aufzuheitern, als letztes dreimal um die Insel".

Quelle: David B. Brown und Klaus Albrecht Schröder (Hrsgr): Joseph Mallord William Turner, Katalog der Ausstellung im Bank Austria Kunstforum Wien, 5. März bis 1. Juni 1997, München/New York Prestel, 1997 ISBN 3-7913-1821-7. Die Autoren der Textauszüge sind: (Seite 308, David B. Brown) (Seite 95/96, Andrea Winklbauer) (Seiten 78 bis 80, Wolfgang Häusler)

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Reposted on November 14th, 2015


Hörbeispiel:
Track 4: Sonata a quatto No 2 in A major - I Allegro



Jonathan Hulls, Entwurf eines Dampfschiffs mit Schaufelrad, 1737

10. März 2010

Carl Maria von Weber: Kammermusik mit Klarinette

Wohlauf denn Ihr Geigen! Trompeten und Pfeiffen!
Heut müßt ihr euch einmal ganz extra angreiffen.
Zu preisen und loben den heutigen Tag
Der Heinrich den Bärmann zu nennen vermag. …

Die Wünsche, die stürzen in mir übereinander
wie Fenchel, wie Kümmel und Koriander,
Ich weiß nicht, was ich sagen soll,
Ich bin so zu sagen vor Rührung ganz toll.

Vor allem wünsch ich ihm 'ne höllische Lunge,
Womit sich verbind' unermüdliche Zunge.
Die Lippen so dauernd wie Elendsleder,
Die Finger so springend wie eine Uhrfeder ...

Zum 15. Juli 1811 schrieb Carl Maria von Weber ein langes, knorrig-humorvolles Namenstagsgedicht, aus dem wir hier nur drei "Segenswünsche" zitieren. Empfänger der ergreifenden Verse war Heinrich Josef Bärmann (1784-1847), der kurz vor seinem Ehrentag Webers erstes Klarinettenkonzert uraufgeführt hatte: Höllische Lunge, unermüdliche Zunge, ledernde Lippen und federnde Finger waren dem exzellenten Musiker tatsächlich vonnöten, wollte er die technischen Anforderungen meistern, die er der Inspiration seines Freundes verdankte.

Heinrich Bärmann war für Carl Maria von Weber eine Muse ganz besonderer Art und doch kein musikgeschichtlicher Einzelfall. Schon Wolfgang Amadeus Mozart hatte in den Brüdern Stadler den Quell großer Klarinettenmusik gefunden. Und soeben war Louis Spohr Bärmanns Kollegen Johann Simon Hermstedt begegnet, für den er im Laufe der Zeit vier Konzerte sowie eine Reihe gefälliger Kammermusikwerke schreiben sollte. Die eigenartigen Qualitäten des Instruments, das beinahe menschlich klingt; die unerhört virtuosen Möglichkeiten; der außerordentliche Tonumfang mit seinen klar voneinander unterschiedenen Registern: All diese Qualitäten kamen den künstlerischen Ideen der Frühromantiker entgegen. Und wer dann, wie Weber und Spohr, das Glück hatte, einen Meister des Faches kennenzulernen - der konnte eigentlich gar nicht anders als zu Tinte, Feder und Papier zu greifen. (Selbst der alternde Johannes Brahms ließ sich durch den jungen Richard Mühlfeld aus seinem Vorruhestand locken und schuf mit den beiden Klarinettensonaten, dem Klarinettentrio und dem Klarinettenquintett vier Juwelen der Kammermusik.)

Carl Maria von Weber (1786-1826)

Wie begeistert Carl Maria von Weber von Bärmanns künstlerischen Leistungen gewesen sein muß, erhellt die Tatsache, daß er innerhalb eines Jahres (1811) gleich zwei große Konzerte und ein Concertino mit Orchester sowie die Variationen op. 33 komponierte. Im letztgenannten Werk bediente sich Weber eines Themas aus seiner 1810 in Frankfurt am Main uraufgeführten Oper Silvana, und er gibt beiden beteiligten Instrumenten genügend Raum, sich in aller Brillanz vorzustellen.

Dasselbe virtuose Wechselspiel hören wir in dem fünf Jahre jüngeren Grand Duo concertant op. 48. Hinter dem Titel verbirgt sich eine dreisätzige Sonate für Klarinette und Klavier, die zunächst recht herzhaft im modischen Jargon des frühen 19. Jahrhunderts schwelgt, ehe sie im langsamen Satz mit einer leidenschaftlichen Klage und auch im Finale mit expressiver Deklamation beeindruckt.

Aus dem Jahre 1815 stammt das Quintett für Klarinette und Streicher B-dur op. 34, das allgemein zu Webers bedeutendsten Kammermusikwerken gerechnet wird. Vor allem hervorzuheben ist der zweite Satz mit der Uberschrift Fantasia, der eine der schönsten melodischen Eingebungen des Komponisten enthält. Die verinnerlichte Haltung des Mozartschen Quintetts wird man freilich vergebens suchen: Schließlich ging es Weber hauptsächlich darum, den spielfreudigen Freund mit Eskapaden und Capricen zu versorgen. Der dankte es ihm, wie wir aus zeitgenössischen Dokumenten wissen, mit hervorragenden Aufführungen. Weber rühmte die vollkommene Gleicheit des Tones von oben bis unten und den himmlisch geschmackvollen Vortrag. Der Komponist und Wissenschaftler François Joseph Fétis beispielsweise schrieb, es gäbe in Frankreich niemanden, der es auf dem Gebiet des Klarinettenspiels mit diesem Künstler aufnehmen könne. Und Felix Mendelssohn komponierte 1833 für Heinrich Joseph Bärmann und dessen Sohn zwei Konzertstücke für Klarinette, Bassetthorn und Klavier, deren erstes die Widmung trägt: Die Schlacht bei Prag, großes Duett für Dampfnudel und Rahmstrudel …

Nach Carl Maria von Webers frühem Tod im Jahre 1826 erschienen Introduktion, Thema und Variationen op. posth. für Klarinette und Streichquartett, die nun weder mit dem Verfasser der vorigen Werke noch Dampfnudel oder Rahmstrudel zu tun haben: Die Komposition stammt vielmehr von dem fleißigen Joseph Küffner (1777-1856), der 1800 als Hofmusiker in Würzburg angestellt wurde und seit 1802 mit der Reorganisation der bayerischen Militärmusik betraut war. Küffner schrieb unter anderem Symphonien, mehrere Bühnenwerke und Musik für Bläser (Harmoniemusik), die auch über die deutschen Grenzen hinaus Anklang fanden.

Quelle: Cris Posslac, im Booklet © 1995

John Hayter: Carl Maria von Weber at Covent Garden Theatre leading his celebrated opera of Der Freischütz (London: J. Dickinson, 1826) Lithograph, printed by G. Hullmandel Quelle: CPH Centre for Performance History

Carl Maria von Weber arrived in London on 5 March 1826, after four days travel from Paris. He had been commissioned to compose a new opera, Oberon, for Covent Garden, but was already seriously ill with the consumption that would kill him a few months later. Despite this he immediately threw himself into a demanding series of rehearsals and concerts. He was impressed with the opera house, the main soloists and the Covent Garden chorus, less so with the orchestra. The first event, shown in this lithograph, was a concert of selections from Der Freischütz, on 8 March.

Weber was one of the first specialist conductors. Most orchestral performances were led by one of the players - a pianist or the leader of the orchestra (or, as in the case of the London Philharmonic Society concerts, both) - but Weber abandoned the keyboard and stood with a roll of manuscript paper as a primitive baton. This lithograph gives a glimpse of his technique at his first London concert. There seems to be some conversation in the audience, but also a serious approach, with the ladies apparently following the music from cumbersome folio editions. The widespread introduction of more convenient miniature scores had to wait until the 1880s and 1890s.

The Centre for Performance History's copy of this lithograph by John Hayter (1800-95[?]) is a proof copy. The process of lithography had been invented by Alois Senefelder (1771-1834) in the mid 1790s and Weber and his father, who had met him in Munich in 1799, became interested in the process. Carl Maria was an apprentice to Senefelder, and he and his father briefly set up as lithographers in Freiberg, until 'the extensiveness and the mechanical, soul-destroying nature of the business' convinced the younger Weber to return to composition.

Hörbeispiel:

Track 5: Introduktion, Thema und Variationen fur Klarinette und Streichquartett



TRACKLIST


Carl Maria von Weber (1786-1826)

Carinet Works


Clarinet Quintet in B Flat Major, Op. 34 (J. 182) 

[1] Allegro                                               (10:16) 
[2] Fantasia: Adagio ma non troppo                         (5:49)
[3] Menuetto: Capriccio presto                             (4:56)
[4] Rondo: Allegro giocoso                                 (5:34)


[5] Introduction, Theme and Variations for Clarinet and
  String Quartet, Op. posth.                             (8:18)

Grand Duo Concertant
in E Flat Major for Clarinet and Piano, Op. 48 (J. 204)

[6] Allegro con fuoco                                      (9:23)
[7] Andante con moto                                       (6:00)
[8] Rondo: Allegro                                         (6:45)


[9] Seven Variations on a Theme from Silvana for Clarinet
  and Piano in B Flat Major, Op. 33 (J. 128)             (9:34)


Playing Time:                                              67'18"


Kálmán Berkes, Clarinet
Jenö Jandó, Piano
Auer Quartet


Recorded at the Scottish Church, Budapest, from 23rd to 27th August 1994.
Music Notes: Keith Anderson - Producer: Ibolya Tóth - Engineer: János Bohus
Cover Painting: The Solar Eclipse over the Marchfeld Plain by Leander Russ
(P) & (C) 1995

Das Original zum Coverbild, "Die Sonnenfinsternis vom 8. Juli 1842" (Aquarell, 1842), von Leander Russ, ist zur Zeit in der Wiener Albertina ausgestellt:

"In der Ausstellung "Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers“ (10.02.2010 bis 24.05.2010) präsentiert die Albertina 120 Meisterwerke aus der Blütezeit der österreichischen Aquarellmalerei. Im Auftrag von Kaiser Ferdinand I. entstanden zwischen 1830 und 1849 annähernd 300 Stadt- und Landschaftsansichten, die die Schönheiten des Österreichischen Kaiserreiches und der angrenzenden Länder dokumentieren sollten. Die Werke stammen von der Hand der besten Aquarellisten der Zeit: Jakob und Rudolf von Alt, Eduard Gurk und Leander Russ. Mit dieser Ausstellung werden die großformatigen und bildhaften Aquarelle, von denen über 170 von Jakob und Rudolf von Alt stammen, erstmals umfassend präsentiert."

Caspar David Friedrich: Riesengebirge, 1835, Eremitage, St. Petersburg

Caspar David Friedrich (1774-1840)

Friedrich, der aus Greifswald, einer kleinen, damals eher verschlafenen Universitätsstadt an der Ostsee stammte, blieb Heimat und Herkunft zeit seines Lebens verbunden. Hierher kehrte er regelmäßig zurück, sei es, um seine Verwandten zu besuchen, sei es, um auf Wanderungen skizzierend die weitere Umgebung zu durchstreifen, und hier liegen auch die Wurzeln seines Werks. Vor allem die Greifswald vorgelagerte Insel Rügen bot dem Maler stets eine Fülle schöpferischer Anregungen. Der kinderreichen Familie eines Seifensieders entstammend, erhielt Friedrich ersten Unterricht beim Universitätszeichenlehrer Quistorp. Eine im Pietismus verankerte Frömmigkeit, gefördert durch den frühen Tod der Mutter 1781 sowie eines Bruders, der vor den Augen des Malers im Eis versank, prägte das bürgerliche Elternhaus. Von Büchern mit Illustrationen Chodowieckis sowie von dem in Greifswald wirkenden Theologen Kosegarten scheint Friedrich Anregungen empfangen zu haben. An der Akademie in Kopenhagen, bei Jens Juel und Nicolai Abildgaard, vervollständigte er seine Ausbildung, bevor er sich 1798 in Dresden niederließ. Dort fanden die entscheidenden Begegnungen statt, die dem Künstler den Durchbruch zur Romantik eröffneten. Er lernte 1801 Philipp Otto Runge kennen, dessen Kunstanschauungen er vieles verdankte, verkehrte im Kreis um Tieck, der ihm das Werk des 1801 verstorbenen Novalis nahebrachte, und wurde vertraut mit Friedrich Wilhelm Schelling, mit dem Religionsphilosophen Schleiermacher, den Brüdern Schlegel, mit Heinrich von Kleist und anderen.

In diesem von intensiven geistigen Auseinandersetzungen geprägten Klima des von den Franzosen besetzten Dresden gelang Friedrich zwischen etwa 1805 und 1810 die Ausformung seiner unverwechselbaren Landschaftskunst, die dieser philosophischen und literarischen Hochblüte adäquat war. Sein Werk kann in seiner Tiefe nur vor diesem Hintergrund erschlossen werden. Drei Bilder begründeten Friedrichs frühen Ruhm als einer der führenden romantischen Maler Deutschlands: der »Tetschener Altar« (Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister), der in der Kunstpresse einen Skandal hervorrief, sowie die 1810 vom preußischen König angekauften Gegenstücke »Mönch am Meer« und »Abtei im Eichenwald« (Berlin, Nationalgalerie). Abgesehen von wiederholten Studienreisen, vor allem auch ins Riesengebirge, blieb Friedrich bis zu seinem Tod in Dresden. Sein späteres Werk, das die romantische Auffassung nie verleugnete, geriet indessen in der Zeit des aufkommenden Realismus zusehends in Vergessenheit.

Caspar David Friedrich: Mönch am Meer, 1808/1809, Alte Nationalgalerie, Berlin

Zielstrebig arbeitete der verschlossene, tief religiöse Künstler an der Realisierung seines Kosmos. Zeitweise melancholisch und sich wie Novalis Todessehnsucht hingebend, die er künstlerisch verarbeitete, hat er in seinen verstreuten Schriften zwar nicht direkt in die philosophisch-ästhetischen Diskussionen eingegriffen, aber wiederholt zu seiner eigenen Kunstauffassung sich geäußert, die eine genaue Kenntnis des romantischen Gedankenguts offenbart. Seine Position gegenüber anderen Strömungen definierend, grenzt er sich ab gegen den Klassizismus mit seinen starren, doktrinären Kunstregeln, die den idealen Menschen und nicht das Absolute als Maß nehmen, wendet sich gegen die Nazarener mit ihrer unzeitgemäßen, reaktionären Nachäfferei sowie gegen den »ungeistigen« Realismus, der nicht »von innen heraus« fühlt. So schreibt er etwa, mit einer deutlichen Spitze gegen die Nazarener: »Ist es nicht [ ... ] etwas Widriges, ja oft Ekelhaftes, vertrocknete Marien mit einem verhungerten Jesuskind im Arme zu sehen, und mit papierenen Gewändern bekleidet. Oft auch wohl mit Absicht verzeichnet [ ... ]. Alle Fehler jener Zeit äfft man täuschend nach, aber das Gute jener Bildwerke, das tiefe, fromme, kindliche Gemüt, was diese Bilder so eigentlich beseelt, läßt sich freilich nicht mit den Fingern nachahmen, und es wird den Heuchlern nie gelingen, selbst dann noch nicht, wenn man mit der Verstellung so weit gegangen und katholisch geworden. Was unsere Vorfahren in kindlicher Einfalt taten, das dürfen wir bei besserer Erkenntnis nicht mehr tun.«

Caspar David Friedrich: Abtei im Eichwald (Mönchsbegräbnis im Eichenhain), 1810, Alte Nationalgalerie, Berlin

Drei Faktoren machen für Friedrich den begnadeten Künstler aus: Gefühl, Denken und technisches Können. Die Kunstregeln, die nicht von außen aufgezwungen werden dürfen, soll jeder Maler, individuell verschieden, in sich spüren. Schleiermachers Gefühlsinstanz und Schellings Identitätsphilosophie verpflichtet, bleibt Friedrich mit »reiner Empfindung« und ungebrochenem Drang nach Wahrheit stets der progressive, liberale Romantiker, der seine Kunst in den Dienst der Erkenntnis und Verbreitung des Göttlichen stellt, aber nicht für Philister, sondern nur für einen ausgewählten Kreis von Gleichgesinnten. Er leidet unter der Entfremdung von den als bedrückend empfundenen Verhältnissen der Gegenwart, die er als ein Auseinanderklaffen von den religiösen, nationalen, sittlichen, freiheitlichen Idealen wahrnimmt. Diese waren in einer Vorzeit einmal vorhanden und müssen, auf einer höheren Stufe, wiederhergestellt werden. Aus dem Bewußtsein der Getrenntheit resultiert die Sehnsucht nach einem Epochenwechsel, nach einer neuen Zeit, nach einer Einheit mit der Natur. In seinem von einer historischen Dynamik bestimmten Werk, das sich für die Vermittlung seiner Inhalte einer ausgeprägten Symbolik bedient, bilden Religion, Natur und Geschichte die bestimmenden Faktoren.

Bereits die Zeitgenossen erkannten das Neue dieser Kunst. So Tieck, den »diese wahrhaft wunderbare Natur [ ... ] heftig ergriffen« hat, wenn ihm auch »vieles in seinem Wesen dunkel geblieben« ist: »Friedrich strebt [ ... ] ein bestimmtes Gefühl, eine wirkliche Anschauung und in dieser festgestellte Gedanken und Begriffe zu erzeugen, die mit jener Wehmut und Feierlichkeit aufgehen und eins werden. So versucht er also, in Licht und Schatten belebte und erstorbene Natur, Schnee und Wasser und ebenso in der Staffage Allegorie und Symbolik einzuführen, ja gewissermaßen die Landschaft, die uns immer als ein so unbestimmter Vorwurf, als Traum und Willkür erschien, über Geschichte und Legende durch die bestimmte Deutlichkeit der Begriffe und der Absichtlichkeit in der Phantasie zu erheben.«

Quelle: Peter Wegmann: Museum Stiftung Oskar Reinhart Winterthur. Deutsche, österreichische und schweizerische Malerei aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert, Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig 1993, Seite 68-70

Caspar David Friedrich: Klosterruine Oybin (Der Träumer), 1820-1840, Eremitage, St.Petersburg

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5. März 2010

Georges Onslow (1784-1853): Sextett und Septett

Zu einer Zeit, als sich Frankreich für die Oper begeisterte und Komponisten wie Auber, Halévy, Boïeldieu und Meyerbeer feierte, widmete sich Georges Onslow der Kammermusik. Der in der Auvergne beheimatete Musiker englischer Abstammung schuf ein Monumentalwerk, das hauptsächlich aus 70 Streichquartetten und -quintetten, sowie 27 Werken für Klavier und Ensembles der verschiedensten Besetzungen besteht.

Die zwei hier vorliegenden Stücke gehören zu der letzten Schaffensperiode des Komponisten. Von 1846 bis zu seinem Tode wandte sich Onslow in der Tat erneut dem Klavier zu, das er fast zwanzig Jahre lang vernachlässigt hatte. So entstanden nacheinander zwei Quintette op.70 und 76, ein Sextett op.77a, ein Septett op.79, alle mit Klavier, sowie verschiedene Streichquintette und das Opus 81 für Bläser.

Das Sextett op.77a schrieb er im Jahre 1848. Es ist in Wirklichkeit die Transkription des großen Nonetts op.77 für Streicher und fünf Blasinstrumente, das Onslow ein Jahr zuvor veröffentlicht und dem englischen Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg gewidmet hatte. Dieser hatte ihm die gedruckte und mit einer Widmung versehene Sammlung seiner eigenen Werke zugesandt. Onslow, der sich sehr geschmeichelt fühlte, hatte auf die ihm zuteil gewordenen Ehre mit der Übersendung seines Nonetts geantwortet, das er für eines seiner gelungensten Werke hielt. Im Vergleich zu einem Nonett bleibt für ein Sextett die musikalische Ausdrucksweise praktisch unverändert: die Streicherparte finden sich im Klavier wieder und die Bläserparte werden lediglich wegen der fehlenden Oboe umgeschrieben. Bei genauerer Betrachtung entdecken wir ein Werk von großzügiger Inspiration, dessen klassische, ausgeglichene Form durch eine fein ziselierte Instrumentierung gekennzeichnet ist.

Georges Onslow (1784-1853)

Das im Schloss Bellerive im Jahre 1849 entstandene Septett op.79 ist ein äußerst bezauberndes Werk von großem Schwung und bemerkenswerter Frische. Wie Moscheles in seinem Opus 88 gibt Onslow dem Klavier eine dominierende Rolle, die hier das Septett bereits in den Grenzbereich zum Klavierkonzert versetzt. Doch ist die Komposition so aufgelockert, dass auch die anderen Instrumente sich mit Solopassagen hervortun können.

Die klassizistische Form dieser beiden um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Werke mag überraschen. Fest steht, dass Onslow bis an sein Lebensende dem Erbe von Haydn und Mozart treu und in Hinsicht auf die Strukturen akademisch geblieben ist. Doch lässt er sich auch von der Romantik beeinflussen, wie aus den harmonischen und melodischen Chromatismen, aus dem weniger dramatischen als lyrischen Charakter der Formen und schließlich aus einem gewissen Pathos ersichtlich ist. Dies versetzt ihn in die Nähe der deutschen Frühromantiker wie Schubert, Weber, Spohr oder Mendelssohn.

Georges Onslow arbeitete den größten Teil des Jahres in dem herrlichen Rahmen seiner Güter in der Auvergne. Während der vier Wintermonate hielt er sich in Paris auf und stellte dem Publikum seine jüngsten Werke vor. Sein Freund, der Klavierlehrer am Pariser Konservatorium, Antoine Marmontel, schreibt dazu: »Onslows Ruf verbreitete sich mehr und mehr, wozu vortreffliche Interpreten massgeblich beitrugen. Baillot, Tilman, Urhan, Kreutze, Vidal, Norblin sen., Alard, Sauzay, Cuvillon, Dancla, Franchomme und Gouffé wurden jeweils zu Beginn des Winters herbestellt …«.

Die "Modernen dramatischen Komponisten" aus der "Gazette Musicale" (von A. Maurin, 1844): Hintergrund: Berlioz, Donizetti, Onslow, Auber, Mendelssohn, Berton - Vordergrund: Halévy, Meyerbeer, Spontini, Rossini

In der Tat wurden die letzten Werke, die meist nur im Manuskript vorlagen, in den Künstlersalons vom Blatt gespielt. Viele dieser Künstler waren mit dem Komponisten befreundet. Die begeisterte Aufnahme, die dem Opus 77a zuteil wurde, bestätigte den außerordentlichen Erfolg, den der Komponist bereits mit dem im Jahre 1825 geschriebenen ersten Sextett op.30 errungen hatte. An zahllosen Soreen wurde der eine oder andere Satz dieses Sextetts gegeben, das Onslow auch für zwei Violinen, Bratsche, Cello, Kontrabass und Klavier eingerichtet hatte. Bei der Uraufführung des Septetts op.79 sass Charlotte de Malléville am Klavier, der das Werk gewidmet ist. Einige Monate darauf interpretierte sie es ebenfalls in einer vom Komponisten selbst besorgten Fassung für Klavier und Streichquintett (mit Kontrabassl.

Will man den damaligen schriftlichen Zeugnissen Glauben schenken, so hat der bekannte Klaviervirtuose Sigismond Thalberg mit eben diesem Werk seine Berühmtheit in Paris erworben.

Wenn wir diese Musik hören, können wir uns nur wundern, dass ein damals so berühmter Komponist heutzutage so wenig gespielt wird. Onslow war vielleicht nicht eines der Genies des Jahrhunderts, doch ist er ohne Zweifel der brillanteste Vertreter der französichen Kammermusik seiner Zeit. Er hat uns eine höchst ansprechende Musik hinterlassen, die es wohl verdient, wiederentdeckt zu werden.

Quelle: Booklet

TRACKLIST

Georges Onslow
1784-1853


Grand Sextuor Op.77a (alias 77bis) (1848)
for piano, flute, clarinette, bassoon, horn and double bass
pour piano, flûte, clarinette, bassoon, cor et contrebasse
für Klavier, Flöte, Klarinette, Fagott, Horn und Kontrabass

1 Allegro spirituoso           10'04
2 Minuetto                      5'00
3 Thema con variazioni         10'36
4 Finale                        7'18 

Grand Septuor Op.79 (1849)
for piano, flute, oboe, clarinette, horn, bassoon and double bass
pour piano, flûte, hautbois, clarinette, cor, bassoonn et centrebasse
für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Kontrabass

5 Allegro                      13'45
6 Scherzo                       6'19
7 Andante                       7'55
8 Finale                        8'58


Total timing                   70'01

Nielsen Quintet
Marc Marder, double bass
Jean Hubeau, piano


Recorded at Maison de Radio France, Paris, from 29-31 October 1991
Recording supervision: Philippe Pelissier. Sound engineer: Agnès Warnier
Assistant engineer and editing; Françoise Prud'Hom
(P) 1992 (C) 2003 - DDD


Ferdinand Georg Waldmüller: Die Erwartete, 1860, Neue Pinakothek, München

Ferdinand Georg Waldmüller
1793-1865


Auch Ferdinand Georg Waldmüller hat es endlich soweit gebracht und wird mißverständlich zitiert. Ein Maler, der eine Professur an einer Wiener Hochschule nicht erhält, tröstet sich ungefähr wie ein glückloser Operndirektor in Wien mit der Bemerkung, es sei ja »selbst ein Waldmüller« aus der Hochschule einst entfernt worden. Als sei es ein besonderes Anzeichen von negativer Qualität für die Hochschule gewesen, den Lieblingsmaler aller gegenwärtig Konservativen abgelehnt zu haben. Daß Waldmüller zu seiner Zeit selbst derart wild gewesen sein könnte, daß es ihn in keiner hohen Schule gelitten hätte, und daß man dies als ein sehr positives Charakteristikum für den allseits beliebten Maler zu zitieren hätte, kommt einem offenbar viel seltener in den Sinn.

Tatsächlich hat sich folgendes abgespielt: Waldmüller war mit seinen Werken durchaus anerkannt und an der Akademie mit einer eigenen Klasse fest eingesessen, als er 1837 beschloß, sowohl gegen seine Vorgesetzten wie auch seine Kollegen eine Streitschrift zu veröffentlichen. Eine Reihe von »Ideen zu einem Entwurf einer berichtigend-umfassenden Anleitung in der bildenden Kunst« sollte darlegen, was seiner Ansicht nach zu reformieren war am Unterricht. Allein der Versuch, solche Ideen im Vormärz herauszugeben, war tapfer, wurde jedoch nicht belohnt. Die Kollegenschaft tat ihn als Maler gefälliger Bilder ab oder reizte ihn bis aufs Blut, und nur Fürst Metternich -- in künstlerischen Dingen immer wieder willens, seine eigene Zensur nicht ernst zu nehmen -- verfügte, daß Waldmüllers Anschauungen gedruckt zu werden hätten. Metternich befand ausdrücklich, Reformvorschläge, auch weitgehende, seien keineswegs eine »Beleidigung der Akademie«, man müsse künstlerische Diskussionen abhalten.

Ferdinand Georg Waldmüller: Der Dachstein vom Sophienplatze aus, 1835, Österreichische Galerie, Wien

Waldmüller ist im Januar 1793 in Wien geboren und hat eine grundsolide Ausbildung mitgemacht. »Schon als Knabe war Zeichnen seine liebste Beschäftigung. Ein ziemlich unbekannter Maler namens Zintler unterrichtete ihn darin. Allein Zintlers Kräfte waren zu gering, und der und der junge Waldmüller besuchte daher die im Beginn des jetzigen Jahrhunderts sehr geschätzte Elementarschule des Professors Hubert Maurer, wo eine ziemliche Zahl talentvoller Schüler versammelt war.« So eine zeitgenössische Schilderung, der zu entnehmen ist, daß er Preise gewann, bei Lampi vor allem Miniaturen zu malen lernte, sich als Kopist in der »Galerie des k. k. Belvedere« nicht nur weiterbildete, sondern auch gleich seinen Lebensunterhalt verdiente und dabei »jenen sicheren, sorgfältigen Pinsel« bewies, dessentwegen ihn die Wiener Kunstfreunde bald zu schätzen wußten.

Ein Wiener Maler also, der im angehenden 19. Jahrhundert genügend Aufträge zu erhalten weiß und in der Wiener Kunstszene daheim ist: wie seine Kollegen war auch er ein Freund der Musik und des Theaters, wie alle guten Künstler hielt er es mit der »Wechselwirkung« und profitierte davon - die berühmteste Szene aus Raimunds »Der Alpenkönig und der Menschenfeind« soll Vorbild für sein Gemälde »Die Pfändung« gewesen sein. Waldmüller wiederum versuchte sich auch als Theaterdekorateur und gab so der Bühne zurück, was sie ihm an Anregungen geschenkt haben mag.

Ferdinand Georg Waldmüller: Alte Bäume im Prater, um 1831 Dieses Gemälde wurde im Mai/Juni 2005 im Dorotheum versteigert, der Rufpreis betrug 50.000 Euro.
Sehr im Gegensatz etwa zur Gegenwart war die Beziehung zwischen Künstlern und Auftraggebern zu Waldmüllers Zeiten heikel und gefährlich: Die Porträtisten hatten auch das Amt des Schmeichlers auszuhalten und ihre Werke, die sie als Broterwerb zu liefern hatten, müssen sich heute gegen die durchsetzen, die ohne zu beleidigenden Auftraggeber geschaffen wurden.

Waldmüller, auch noch in den kursorischsten Anmerkungen als der bedeutendste Biedermeiermaler bezeichnet, hatte so viel Sinn für die kleine Dramatik im Bild, daß seine Porträts und seine Genreszenen immer wieder zu Schilderungen gerieten, zu Handlungen, die man auch heute noch nacherzählen kann.

Als Dreißigjähriger an der Akademie schon Lehrkraft, war er bei seinen Schülern sehr beliebt und zog sich alle abfälligen Bemerkungen seitens der Kollegen ausschließlich zu, weil er den Studienbetrieb reformieren wollte. Daß man ihn schon bei Lebzeiten fleißig, aber maniriert nannte, ist ebenso bezeichnend wie das Abschätzige in der Beurteilung, er liefere »so viele gefällige Bilder«, das man aus einem Gutachten des angesehenen Anton Ritter von Oerger herauslesen kann - er war als eine Instanz in den sich über zehn Jahre erstreckenden Zwistigkeiten angerufen.

Waldmüller, um dieses Kapitel nicht unvollständig zu lassen, wurde 1857 schließlich doch noch wegen antiakademischer Schriften entlassen, erhielt also bei Lebzeiten das Gütesiegel eines Rebellen, so daß man ihn jetzt rechtens als einen von der staatlichen Schule Geschädigten bezeichnen kann.

Ferdinand Georg Waldmüller: Die Pfändung, 1847, Historisches Museum der Stadt Wien

Das aber kann nicht alles gewesen sein. Als man ihn entließ, war er längst ein hochgeachteter und gesuchter Maler und hatte seine berühmtesten Bilder schon »untergebracht«. Freilich, weder er noch seine Zeitgenossen ahnten, was der Lauf der Welt sein würde. Daß der Freund Raimunds dereinst mit allen seinen Bildern der beliebteste und teuerste Maler einer Epoche und Richtung sein würde, daß seine »Handschrift« sogar in der Gegenwart als die sicherste und gesuchteste zählen würde, das war nicht abzusehen. Daß der im Leben vor allem als fleißig und wohlgelaunt und jeder Autorität gegenüber lachend mißtrauische Mann dereinst ein »Anlagewert« sein würde, war selbstverständlich außerhalb jeden zeitgenössischen Denkens. Waldmüller, der sich nicht als Genie, sondern als besonders sicheren Handwerker voll Poesie und Musikalität sah, wäre so schockiert wie irritiert angesichts seines Stellenwertes 100 Jahre nach seinem Tode.

Quelle: Franz Endler: Ferdinand Georg Waldmüller, in: Thomas Chorherr (Hrgr): Grosse Österreicher, Carl Ueberreuter Wien/Heidelberg, 1985, ISBN 3-8000-3212-0, Seite 82-83
Georges Onslow im Internet:

Eine gute Einführung in Leben und Werk gibt "Le site de George ONSLOW" bzw. "The George ONSLOW website", der ich auch die hier veröffentlichten Bilder entnommen habe.
Ein Werksverzeichnis seiner Kammermusik findet sich hier, aber auch beim "Kammermusik Verlag Kassel".

Das Highlight der "Site de l'Association George Onslow" ist dagegen eine Aufsatzsammlung von Werkkritiken (auch in Englisch und Deutsch), in der ich wiederum auf die Spur von Bert Hagels gestoßen bin ("Zur Rezeption Onslows in Deutschland bis 1830").

Hörbeispiel:

Track 4: Georges Onslow: Grand Sextuor op 77bis - IV Finale



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2. März 2010

Der 100ste Post mit 100-jährigen Aufnahmen: Josef Hofmann - Recordings 1903-1918:

Auch wenn eine Reise über tausend Meilen mit dem Wagnis des ersten Schritts vor die eigene Haustür beginnt, folgen danach noch scheinbar unendlich viele weitere Schritte: Wohin sie im einzelnen führen werden, ist dem Reisenden unbekannt. Als ich vor empfundener „langer Zeit“, real erst am 10. Juni 2008, meinen ersten Post in der Kammermusikkammer veröffentlichte (es war J. S. Bachs Musicalisches Opfer), geschah dies als Experiment, ohne große Erwartungen an die Zukunft.

Inzwischen ist mein Blog, dessen vielsagenden Namen gefunden zu haben ich noch immer ein wenig stolz bin, mit 1 und ¾ Jahren noch im Säuglingsalter, was aber angesichts der hohen Sterblichkeit seiner Zeitgenossen doch etwas darstellt. Während dieser recht kurzen Zeit habe ich etliche musikalische Pflanzen aufkeimen und wieder verdorren gesehen. Mit Wehmut erinnere ich z.B. an Scoredaddy’s, Leverkühn, Chamaeleos "2Cs and 2Fs" … Auch Avaxhome bekommt schon seit einigen Wochen gelbe Blätter, zamorna hat seine einzigartigen Beiträge zurückgezogen.

Dieser Post ist Post Nummer 100 in der Kammermusikkammer. Während von der (wenigstens für mich) unvermeidlichen Statistik an anderer Stelle die Rede sein wird, feiere ich hier mit zwei Glanzlichtern: Die heute präsentierten Historischen Aufnahmen sind (ebenfalls!) 100, nämlich Jahre alt (exakt zwischen 1903 und 1918 entstanden). Josef Hofmann (1876-1957), der polnischstämmige Pianist und Komponist (und Erfinder, wie die Wikipedia weiß), amerikanischer Staatsbürger seit 1926, gilt als einer der besten Pianisten aller Zeiten.

Schon früh zeigte sich Josef Hofmanns außerordentliches Talent, sodass er bereits mit 8 Jahren in Warschau konzertierte. Er debütierte mit 10 Jahren in den USA und gab in den 70 Tagen danach 52 Konzerte. Nachdem sich die New Yorker „Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeiten an Kindern“ einschaltete, spendete der Mäzen Alfred Corning Clark, Sohn des Mitgründers der Singer Nähmaschinenfabrik Edward Clark, 50.000 US$ unter der Bedingung, dass Hofmann vor seinem 18. Geburtstag nicht mehr aufträte.

Der elfjährige Josef Hofmann, 1887

Von 1894 bis 1926 bereiste Hofmann als Pianist die ganze Welt. Seine Technik war unbegrenzt, sein Geschmack absolut stilsicher. Sergei Rachmaninow, der Hofmanns pianistisches Können höher einschätzte als sein eigenes, widmete ihm 1909 sein 3. Klavierkonzert, Hofmann spielte es allerdings nie, da es ihm formlos erschien. Hofmann spielte mit einigen romantischen Freiheiten, aber dennoch weit nüchterner als die Generation der Liszt- und Thalberg-Schüler vor ihm. Aus heutiger Sicht besonders ungewohnt erscheint das improvisierte Modulieren vor dem Beginn eines Werkes im Konzert. Tonaufnahmen waren allerdings nie Hofmanns Sache, wie auch bei vielen seiner Zeitgenossen. Ohne Publikum wurde er nüchtern und ungeduldig. Außerdem missbilligte er, dass nur eine Version eines Werkes erfasst wird, er aber nie ein Werk zweimal in derselben Weise spielte.

Hofmann komponierte eine Reihe von Werken, neben einer Symphonie zwei Klavierkonzerte, von denen er das erste gar nicht herausgab, zahlreiche Klavierstücke und als wohl bekanntestes dank der Mitschnitte mit dem Komponisten am Klavier Cromaticon für Klavier und Orchester. Er schrieb viele Artikel über das richtige Klavierspiel und beschäftigte sich mit der Optimierung der Mechanik von Klavieren, u.a. ließ er sich von Steinway & Sons ein Klavier mit schmaleren Tasten für seine kleinen Hände bauen. Daneben war er interessiert an allgemeinen technischen Dingen und meldete über 70 Patente wie etwa eine Gasdruckfeder für Autos und Flugzeuge an, die ihm Anfang des 20. Jahrhunderts einige Einkünfte bescherten.

Quelle: Wikipedia

TRACKLIST

The Piano Library

JOSEF HOFMANN   Vol 1.

The G&T and the Columbia Recordings

FRANZ SCHUBERT

1. Marche Militaire No. I in D         04'25
Recording: 1903

FRANZ LISZT

2. Der Erlkönig                        05'00
Recording: 1903

FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY

3. Jägerlied Op. 19 No. 3              02'10
Recording: 1903

4. Frühlingslied Op. 62 No. 6          02'40
Recording: 1903

FREDERIC CHOPIN

5. Polonaise in A Op. 40 No. 1         03'05
Recording: 1903

6. Nocturne in E flat Op. 9 No. 1
Larghetto                              04'50
Recording: April 4, 1912

7. Valse in E Minor Op. posth.         02'10
Recording: April 8, 1912

FRANZ LISZT

8. Liebestraum No. 3 in A flat         03'40
Recording: April 8, 1912

ROBERT SCHUMANN

9. Fantasiestücke Op. 12 No. 3         02'35
Recording: April 8, 1912

ANTON RUBINSTEIN

10. Valse caprice in E flat            05'00
Recording: April 6, 1912

11. Miscellaneous Pieces               01'30
Recording: November 8, 1915

FREDERIC CHOPIN

12. Valse Op. 64 No. 2                 03'20
Recording: November 2, 1916

13. Impromptu No. 1 Op. 29             03'40
Recording: November 3, 1916

CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK

14. Cavotte                            04'00
Recording: October 13, 1916

LUDWIG VAN BEETHOVEN

15. Adagio sostenuto from Sonata
for Piano No. 14 Op. 27                05'00
Recording: October 13, 1916

EDVARD GRIEG

16. Papillon, Op. 43 No. 1             01'50
Recording: October 13, 1916

FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY

17. Spinnerlied Op. 67 No. 4           01'45
Recording: October 13, 1916

FREDERIC CHOPIN

18. Grande Valse Brillante             03'45
Recording: February 3, 1918

19. Fantaisie-Impromptu                04'10
Recording: March 6, 1918

20. Berceuse in D flat Op. 57          03'10
Recording: March 27, 1918

FRANZ LISZT

21. Murmures de la foret               03'20
Recording: March 26, 1918


Total Time:                            70'48

Josef Hofmann, piano
Recordings 1903-1918


Production Coordinator: Maria Cristina Nava
Transfer: Filippo Carone
Audio Restoraton: Aldo Borrelli
Mono - Cedar Restoration
(P) 1999

Wie meine Leserinnen und Leser bestens wissen, haben meine Posts auch einen zweiten Teil, der sich den visuellen Künsten widmet. Wenn das CD-Cover keinen Anküpfpunkt für eine kunsthistorische Betrachtung hergibt (weil es eben ohne künstlerischen Anspruch gestaltet wurde), greife ich in den Fundus meiner privaten Vorlieben, und präsentiere ein Gemälde non sequitur. Zum feierlichen Anlaß des 100. Posts veröffentliche ich hier einen Lieblingskünstler meiner Kindheit, Wilhelm Busch (1832-1908).

Ende der Fünzigerjahre des letzten Jahrhunderts erschien im Bertelsmann Lesering eine zweibändige Auswahlausgabe seiner Bildgeschichten. Die von Rolf Hochhuth herausgegebenen Bänden hießen „Und die Moral von der Geschicht“ bzw. „Was beliebt ist auch erlaubt“, standen in der Bibliothek meiner Eltern, und wurden von mir intensiv, mit zwischen Faszination und Grauen changierender Emotion, studiert. Rolf Hochhuths Edition (ganz recht, es handelt sich um diesen Rolf Hochhuth, der von 1955 bis 1963 als Lektor bei Bertelsmann beschäftigt war) ist noch immer in Neuauflage erhältlich.

Aus dem Band „Und die Moral von der Geschicht", Seiten 286-291, entnehme ich die Bildgeschichte „Der Virtuos. Ein Neujahrskonzert“, die unter folgendem Motto steht:

Zum neuen Jahr begrüßt euch hier
Ein Virtuos auf dem Klavier;
Er führ’ euch mit Genuß und Gunst
Durch alle Wunder seiner Kunst.


Ich bitte um Aufmerksamkeit:

















Hörbeispiel:

Track 2: Franz Liszt, Der Erlkönig.
Josef Hofmann, piano. Recorded 1903



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