Posts mit dem Label Blacher Boris werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Blacher Boris werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

10. Juni 2013

Boris Blacher: Die Lieder


Das Lied - die Rede ist vom sogenannten "Kunstlied" - ist in unserer Zeit unmodern geworden.

Als Boris Blacher seine Lieder komponierte, war das Zwiegespräch zwischen Text und Ton im Medium Lied noch begeisternd im Gange. Er, der im Ausdruck stets Sparsame, hätte in seiner zurückhaltenden, nie Dominanz anstrebenden Assistenz des Wortes vermutlich Goethes höchste Wertschätzung errungen, aus dessen Sicht Herr Zelter "nützlicher" sein mußte als etwa L.v.B.

Da Blachers Sparsamkeit niemals zur Spärlichkeit geriet, haben wir es bei seinen Klangbeiträgen mit Resultaten zu tun, die in ihrer Feinsinnigkeit jeden Text inhaltlich transparenter erscheinen lassen.

Blachers Beschäftigung mit dem Lied erstreckt sich über vier Jahrzehnte, beginnend mit den Jazz-Koloraturen von 1929 und endend mit Ungereimtes (1967). Die Zusammenstellung auf dieser CD ist vollständig (Blachers Fünf Negro Spirituals blieben, von ihm selbst als Bearbeitung bezeichnet, unberücksichtigt).

Die eröffnenden Drei Chansons entstammen Blachers Romeo und Julia, Kammeroper frei nach Shakespeare, entstanden in den Kriegsjahren 1943/44. Mit ihnen kehrt der Komponist dem Weltgeschehen den Rücken. Die konzertante Uraufführung konnte erst nach Kriegsende im Stadtteil Zehlendorf, Berlins damaligem »Ersatz«-Kulturzentrum, unter der Leitung des Komponisten stattfinden. Joseph Krips nahm sich dann 1950 der Bühnen-Uraufführung bei den Salzburger Festspielen an. - Die Drei Chansons sind lässig frech, und Weills Dreigroschen-Oper ist nicht weit.

Aus Ungereimtes, nach Kinderreimen komponiert (1967), spricht Blachers Liebe zu Kindern. In der Schule wird fleißig gelernt, der Lehrer auch mal "zum Fenster rausgeschmissen", und mit dem Vater wird französischdeutsches Kauderwelsch produziert. Urkomisch sind die selbstgebastelten Wörter wie "Quunk, quai quenni monni denni", deren kompositorisch-ernste Behandlung die eigentliche Groteske ausmacht (Lied V); auch Lied VI steht ihm mit "Anzkiis kwanzkiis kurschpiis kluus" in nichts nach. Nr. VII faßt dann mit kindlicher Sicherheit die Bereiche Natur und Weltgeschehen kurz und bündig zusammen.

In den Vier Liedern (1947) sind Friedrich Wolfs Texte ebenso schön wie unendlich wahr. Durch Blachers musikalische Deutung ist ein gemeinsames, als kongenial zu bezeichnendes Kunstwerk entstanden, das an die Taten unserer größten Liedkomponisten anschließt. Harmonisch noch in der Tradition, gelangen wir mit diesem kleinen Zyklus in eine neue, in unsere Zeit.

Blachers Lied Nebel gehört zu einer kleinen Sammlung, die unter dem Titel Liederheft für Margot und HHS 1952 bei Bote & Bock erschien. Sieben bekannte, in Berlin lebende Komponisten schrieben damals zu Ehren von Hans Heinz Stuckenschmidt (= HHS), dem für das Musikleben hochverdienten Förderer neuer Musik und fundierten Berichterstatter in europäischen Journalen, jeweils ein Lied. Sämtlich für Sopran und Klavier notiert, schließen sie Stuckenschmidts Frau Margot, die eine Sopranistin war, in den Jubel zu seinem fünfzigsten Geburtstag 1951 mit ein.

Die Thirteen Ways of Looking at a Blackbird (Dreizehn Arten, eine Amsel zu sehen) gehören in Blachers klanglich eher karge, intellekt-betonte, still-nachdenkliche Zeit. Die Urfassung von 1957 - ein Auftragswerk der Deutschen Grammophon Gesellschaft - beschäftigt neben dem hohen Sopran ein Streichquartett, das flirrend und punktuell agierend die Stimme klanglich minimal stützt, sie hier und da linear einbindet, um alsbald den Text zu illustrieren wie etwa Eisblumen zu zeichnen, Vögel vorbeifliegen zu lassen, versponnen zu sein wie die Texte Wallace Stevens'. Eine vom Komponisten 1964 verfaßte Version mit Klavier anstelle des Streichquartetts darf als mißlungen bezeichnet werden, da die Partitur durch keinen noch so geschickten Pianisten in ihrer Zerbrechlichkeit darstellbar ist.

Boris Blacher
Fünf Sinnsprüche Omars des Zeltmachers von 1931 sind echter früher Blacher, der wie selbstverständlich bereits über die Floskeln seiner späteren Handschrift verfügt (die sich dann nie änderte, zu der sich "nur" neues, gänzlich anderes gesellte). Es sind nach Sekunden zählende Aphorismen - die Fünf Sprüche dauern insgesamt weniger als drei Minuten -, und es sind kleine Perlen von großer Ausdruckskraft, die hier mit geringen Mitteln auf zeitlich kürzestem Raum erzielt wird.

Blachers Drei Psalmen sind gewichtig. Ihr kompositorischer Anlaß ist nicht bekannt, das Entstehungsjahr 1943 mag zur Deutung dienen. Stimmliche Diktion und Klaviersatz sind im Psalm 142 klerikal streng. Das abschließende, flehendliehe piano espressivo berechtigte bereits, Blacher in die Reihe großer Komponisten einzuordnen. Der Psalm 141 weist in seinem Mittelteil eindringlich kirchliche Deklamatorik auf, während Anfangs- und Endteil von gleicher, musikalisch-drängender Sprache voller zwingender Dramatik sind. Der Psalm 121 beginnt in ruhig fließendem Charakter, Worte und Musik steigern sich lobpreisend. Der sehr zarte Mittelteil ist von ähnlicher Diktion wie im Psalm 141, doch ausgeprägter im parlando-Stil, er endet mit einer Kette von 44 Sechzehntelnoten auf dem Vokal E(wigkeit) und gibt dem Klavier einen kurzen Epilog in sanftem Licht.

(Anmerkung: Die Druckfehler in den Takten 13 und 14 von Psalm 121 sind in der vorliegenden Produktion nach dem Autograph korrigiert)

Das Aprèslude (1958) nach Gedichten von Gottfried Benn ist in seiner fünfminütigen Konzentriertheit ein (oder der) Höhepunkt in Blachers Liedschaffen. Benns Texte in ihrer diskreten Klugheit vereinen sich hier in vier Liedern mit musikalischer Intelligenz und Sensibilität, wie sie wohl auch für Boris Blacher kaum zu überbieten ist. Wenn etwa im zweiten Lied die Musik die Worte »Allein, du mit den Worten« begleitet, wird die Einsamkeit greifbar; und wenn im dritten Lied die fleißige Etüde erklingt, ist ihre Dümmlichkeit allgegenwärtig. Sparsamste Verwendung jeglicher Mittel verweisen die Liedgruppe Aprèslude an die Spitze früher minimalistischer Kunstäußerungen.

Francesca da Rimini, Fragment aus Dantes Göttliche Komödie (1954), ist ein Duett besonderer Art. Sopran und Solovioline begegnen sich auf dem glatten Parkett streng variabler Metrik, in deren Welt Blacher damals intensiv lebte. Die Zahlenreihe ist für das ganze achtminütige Stück stets gleich: 9 8 9 8 7 8 9 8 7 6 7 8 9 usw. hinunter bis 3 und alsdann wieder hinauf. Dieses Taktgerüst ist mit musikalisch-logischem Material gefüllt, wofür innerhalb der ersten 70 Takte die Violine allein zuständig ist. Danach begleitet sie die einsetzende Stimme durch teils knappe, meist dramaturgisch wichtige Zutaten. Unter einem nicht enden wollenden »Ah« des Soprans beginnt sie ihre solistische Aktivität erneut, um schließlich mit der Sängerin zu erlebtem Duettieren zu finden.

Blachers frühestes Werk für eine Stimme mit Instrumenten, die Jazz-Koloraturen für Sopran, Altsaxophon und Fagott (1929), bilden den Abschluß dieser CD. Blacher, der sich zeit seines Lebens die Liebe zum Jazz bewahrte - er verdiente sich in den zwanziger Jahren sein Studiengeld als Barpianist -, führt hier in zwei Teilen (Slowfox und Charleston) einen Koloratursopran in akrobatischer Weise und erreicht mit ihm schwindelnde Höhen. Leicht daran ist für die Sängerin lediglich die Lernbarkeit des Textes (»Ah«). Fagott und besonders das Saxophon animieren und helfen, den Absturz der Artistin zu verhindern.

Boris Blachers Leben war bewegt. So auch seine Lieder.

Quelle: Horst Göbel, im Booklet

Track 16: Thirteen Ways of Looking at a Blackbird



Thirteen Ways of looking at a Blackbird (1957)

nach Gedichten von Wallace Stevens
für hohe Stimme und Streichquartett

1. Among twenty snowy mountains,
the only moving thing was the eye of the blackbird.

2. I was of three minds like a tree
in which there are three blackbirds.

3. The blackbird whirled in the autumn winds.
It was a small part of the pantomime.

4. A man and a woman are one.
A man and a woman and a blackbird are one.

5. I do not know which to prefer,
the beauty of inflections
or the beauty of innuendos
the blackbird wistling or just after.

6. Icicles filled the long window with barbarie glass.
The shadow of the blackbird crossed it to and fro.
The mood traced in the shadow and indecipherable cause.

7. O thin men of Haddam,
why do you imagine golden birds?
Do you not see how the blackbird walks around the feet
of the woman about you?

8. I know noble accents and lucid, inescapable rythms;
but I know, too, that the blackbird is involved in what I know.

9. When the blackbird flew out of sight,
it marked the edge of one of many circles.

10. At the sight of blackbirds flying in a green light,
even the bawds of euphony would cry out sharply.

11. He rode over Connecticut in a glass coach.
Once, a fear pierced him, in that the mistook
the shadow of his equipage for blackbirds.

12. The River is moving. The blackbird must be flying.

13. It was evening all afternoon. It was snowing and it was going to snow.
The blackbird sat in the cedar limbs.


TRACKLIST


BORIS BLACHER (1903-1975) 
DIE LIEDER     


     Drei Chansons (1943/44)     
     aus Shakespeares Romeo und Julia für Gesang und Klavier     
[ 1] Moderato                                           1:29   
[ 2] Slow                                               1:41   
[ 3] Moderato                                           0:48   
     
     Ungereimtes (1967)     
     nach Kinderreimen komponiert für mittlere Stimme und Klavier     
[ 4] Allegretto                                         1:25   
[ 5] Tempo menuetto                                     0:53   
[ 6] Moderato                                           0:59   
[ 7] Allegretto                                         0:54   
[ 8] Allegro                                            1:28   
[ 9] Allegretto                                         1:04   
[10] Vivace                                             2:30   
     
     Vier Lieder (1947)     
     nach Texten von Friedrich Wolf für hohe Stimme und Klavier     
[11] Kirschkerne                                        1:25   
[12] Das Zirkuspferdchen                                3:01   
[13] Herzensverstand                                    1:22   
[14] Die Hexe                                           1:53   

[15] Nebel (1951)                                       1:01   
     aus Liederheft für Margot und HHS     
     nach Gedichten von Carl Sandburg     

[16] Thirteen Ways of Looking at a Blackbird (1957)     5:58   
     Dreizehn Arten, eine Amsel zu sehen nach Gedichten     
     von Wallace Stevens für hohe Stimme und Streichquartett     
     (Auftragswerk der Deutschen Grammophon Gesellschaft)     

[17] Fünf Sinnsprüche Omars des Zeltmachers (1931)      3:09
     aus dem Persischen (Friedrich Rosen) 
     für mittlere Stimme und Klavier 
[17.1] Sostenuto 
[17.2] Moderato 
[17.3] Allegro 
[17.4] Lento 
[17.5] Allegretto 

     Drei Psalmen (1943) für Bariton und Klavier 
[18] Psalm 142: Moderato - Presto - Tempo I             2:52
[19] Psalm 141: Allegro molto - Andante - Tempo I       3:18
[20] Psalm 121: Moderato - Tranquillo - Animato         2:02

     Aprèslude (1957) 
     Vier Lieder nach Gedichten von Gottfried Benn 
     für mittlere Stimme und Klavier 
[21] 1. Gedicht                                         1:44
[22] 2. Worte                                           1:21
[23] 3. Eure Etüden                                     1:21
[24] 4. Letzter Frühling                                0:51

     Francesca da Rimini (1954) 
     Fragment aus Dantes Göttliche Komödie 
     für Sopran und Solo-Violine 
[25] Presto - Moderato                                  7:50

     Jazz-Koloraturen (1929) 
     für Sopran, Altsaxophon und Fagott 
[26] Slowfox                                            1:12
[27] Charleston                                         1:37

                                          Gesamtzeit: [56:29]

Markus Köhler, Bariton [1] bis [10], [17] bis [24] 
Cornelia Wosnitza, Sopran [11] bis [16] 
Katharina Richter, Koloratursopran [25] bis [27] 
Horst Göbel, Klavier 

Streichquartett [16]
Piotr Prysiasnik, Violine [25]
Chatschatur Kanajan, Violine
Fred Günther, Viola 
Ithay Khen, Violoncello

Christian Peters, Saxophon [26] bis [27]
Markus Weidmann, Fagott [26] bis [27]

DDD
Recording: 12/1994,3/5/1995, Curt-Sachs-Saal im Musikinstrumenten-Museum Berlin 
Producer: Horst Göbel 
Balance Engineer / Digital Editing: Liu Xiao Ming / Horst Göbel 
(P) 1996 


Track 17: Fünf Sinnsprüche Omars des Zeltmachers



Fünf Sinnsprüche Omars des Zeltmachers (1931)

aus dem Persischen für mittlere Stimme und Klavier

I
Des Lebens Karawane zieht mit Macht dahin,
und jeder Tag, den Du verbracht'st ohne Genuß,
ist ewiger Verlust.
Schenk ein Saki! Es schwindet schon die Nacht.

II
Von diesem Kreis, in dem wir hier uns dreh'n,
kann ich nicht Anfangspunkt, nicht Endpunkt seh'n.
Noch keiner sagt mir, wo wir kamen her,
und keiner weiß, wohin von hier wir geh'n.

III
Heut', wo noch Rosendüfte mich umschweben,
laß froh mich trinken von dem Saft der Reben,
und schilt ihn nur nicht, daß er bitter schmeckt.
Er muß ja bitter sein, sonst wär er nicht mein Leben.

IV
In jener Nacht, wo keine Sterne blinken,
wo keines Auswegs Hoffnungsstrahlen winken,
schrick nicht zurück, wenn deine Reihe kommt!
Der Becher kreist und jeder muß ihn trinken.

V
Omar, der Zeltmacher hat von früh bis spät
an manchem Zelt der Philosophie genäht.
Bis Schicksals Schere sein Lebensseil ihm kappt
und Trödler Tod ihn um ein Nichts ersteht.
Lexikon der imaginären philosophischen Werke


(Fortsetzung des letzten Blog-Posts)

Über die Fülle (De plenitudine liber unus), ethisch-ontologischer (?) Traktat des italienischen Dominikaners THOMAS VON AQUIN (1225-1274), Erstausgabe 1477 in Mainz, kritisch im Band 64 der Editio Leonina, Rom 1896. Die Abhandlung ist nur als zweiseitiges Fragment überliefert, wobei nicht einmal der Titel gesichert ist: Die Gelehrten streiten sich, ob die Lesart De poenitentia beim ältesten bekannten Textzeugen auf einen Kopistenfehler zurückgeht. Der Inhalt der zwei Seiten bestärkt allerdings die Vermutung, dass der Titel De plenitudine sehr wohl zutrifft, obwohl Thomas sichtlich andere Erkenntnisinteressen verfolgte als der griechische Arzt GALENOS VON PERGAMON, der im 2. Jahrhundert mit seiner Schrift gleichen Titels therapeutische Absichten hegte, nämlich dem plethos, der Vollheit mit Aderlass und Abführmittel abzuhelfen. Thomas, dessen Sitzbank im Refektorium seines Klosters eine Armlehne abgesägt wurde, damit sein umfangreicher Leib darauf Platz fand, argumentiert in analogia entis, dass möglichst viel Mensch am besten sei: Je mehr Leib da ist, desto mehr Sein, und dies freut Gott. Alles, was prinzipiell möglich ist, soll auch wirklich werden, leitet Thomas aus ARISTOTELES (Physik III 4) ab. Dicksein (perpastum esse) sei der Schöpfungsordnung gemäß, denn im Perpastum zeigt sich das Pulchrum (Schöne); es nähert sich damit der Fülle des Seins in Gott an.

Aus Thomas' De plenitudine hat dann der Ideenhistoriker ARTHUR LOVEJOY das principle of plenitude entwickelt, wonach alles, was geschehen kann, auch geschehen wird (The Great Chain of Being, Harvard, MA 1936, S. 99-143). Wichtiger als die ideengeschichtliche Erörterung und wichtiger als das Selbstverständnis zölibatärer Priester, die sich mit kulinarischer Kompensation für andere entgangene Freuden schadlos halten, ist jedoch der Einfluss, den Thomas' De plenitudine auf die neue Fat-Pride-Bewegung genommen hat: Dicksein soll uns stolz machen, lautet deren selbstbewusste Losung, für die sie direkt den Aquinaten bemühen: Crassum est bonum (»Dick ist gut«).



Richard Rorty
Moralaskese und Moralindustrie (Moral Asceticism and Moral Industry), Spätwerk des amerikanischen Philosophen RICHARD RORTY (1931-2007), Erstausgabe Cambridge 2006. In Contingency, Irony, and Solidarity von 1989 hatte Rorty den traditionellen Anspruch der Philosophie, für die moralische Besserung der Menschheit zu sorgen, verabschiedet und sie vielmehr als Helferin in Sachen Selbsterschaffung betrachtet. Mit wachsender Sorge hat Rorty in den darauffolgenden Jahren die Moralisierung all jener Lebensbereiche registriert, die bis dahin ohne moralische Zutaten funktioniert haben. Er nennt die Ökonomie ebenso wie die Politik, das Bildungswesen ebenso wie die Medizin: Die Überforderung durch Moral, die beispielsweise PETER SINGER forciert habe (Famine, Affluence, and Morality in: Philosophy and Public Affairs, Bd. I/I, Spring 1972, S. 229-243), greife jetzt auf alle Lebensbereiche über. Aus diesen Beobachtungen macht Rorty in Moralaskese und Moralindustrie ein Buch, das zunächst mit dem sentimentalischen Moralismus abrechnet, dem er selbst 1989 noch angehangen habe, um dann die »Moralisierung« und »Manichäisierung« der Gesellschaft zu geißeln. Die triviale Metapher, die ihm die Gefährlichkeit einer alle zivilisierten Lebensformen krebsartig überwuchernden Moralisierung schlagartig bewusst gemacht habe, ist nicht etwa die politische Einteilung der Welt in Gute (wir) und Böse (die andern), sondern die Unterscheidung zwischen guten und bösen Cholesterinen. Rorty analysiert, wie sich in der Gegenwart Macht durch Moral konstituiert, das heißt, moralische Überlegenheit zum Hauptmittel ökonomischer, sozialer und politischer Usurpation aufgestiegen ist. Moderne Gesellschaften sind nach Rortys Diagnose ihrer eigenen Freiheit noch nicht gewachsen, weshalb sie überall moralische Schranken errichten: Du sollst nicht rauchen! Du sollst nichts Fettes essen! Du sollst kein CO2 ausstoßen! Du sollst keine Manager-Boni kassieren! Die Moralmaschine, so Rorty, funktioniert mit erschütternder Präzision - sie sei häufig die einzige Waffe der sonst Machtlosen. Gewinne sie die Oberhand, zersetze sich mit konkurrierenden und unversöhnlichen moralischen Ansprüchen das gesellschaftliche Gleichgewicht. Daher sei das moralisch-immoralische Gebot der Stunde die Moralaskese, ohne dass diese sich zu völliger Moralabstinenz ausweiten müsse.

Rorty verbindet sein Plädoyer für Entmoralisierung mit dem Wunsch nach einer großen Ausnüchterung. Ausnüchtern lassen möchte er vor allem die Philosophie selbst, die sich von den großen Trunkenheiten des 20. Jahrhunderts - der Existenzphilosophie und der Postmoderne, gleichermaßen der frühen Analytischen Philosophie mit ihrem Idealsprachenwahn - dauerhaft erholen müsse. Bei diesen Trunkenheiten habe es sich ihrerseits um Reaktionen auf die Ausnüchterung gehandelt, mit der man seit DENIS DIDEROT, DAVID HUME und IMMANUEL KANT der Metaphysik ans Leder gegangen sei. Man müsse, so Rorty, den bateau ivre der Philosophie im Hafen des Pragmatismus festmachen.

Rortys Moralaskese und Moralindustrie ist heftig befehdet worden, zuletzt von MARTHA NUSSBAUMS In Favor of Indignation Moralism. Aber auch politisch ist das Werk nicht folgenlos geblieben: Will jemand die unkontrollierte politische Einflussnahme durch NGOs an den Pranger stellen, ist Rortys Wort von der moralischen Usurpation nicht weit. WLADIMIR WLADIMIROWITSCH PUTIN hat sich ausdrücklich auf Rorty berufen, als er die in Westeuropa heimische »Moralindustrie« geißelte.

Literatur: Marcel van Ackeren: Geht Ethik zu weit? Moral Demandingness Objection und Richard Rortys Moral Asceticism and Moral Industry, Freiburg im Breisgau 2015.


Jacques Derrida
Polyorganologie und Dekonzentration (Polyorganologie et déconcentration /déconcantration), Nachlasswerk des französischen Philosophen JACQUES DERRIDA (1930-2004), Erstausgabe Paris 2019, deutsch mit einer kritischen Einleitung herausgegeben von ULRICH JOHANNES SCHNEIDER, Frankfurt am Main 2020. OSWALD SPENGLERS Beunruhigung von 1932 »um-schreibend«, scheint das Werk zunächst eine »Ökonomie der Dekonzentration« sein zu wollen. Polyorganologie meint, in einen nicht-dekonstruktiven Jargon übersetzt, nichts weiter als die Lehre vom Multitasking. Modernes Multitasking ist für Derrida die lebenspraktische Konsequenz aus dem notwendigen Abschied von Metaphysik und Logozentrismus, von der Einheits-Fokussierung des Denkens, Glaubens und Handelns. Wir sind der Konzentration, dem Einen nicht gewachsen, so sehr manche Nostalgiker nach dem »Unitasking«, der schrittweisen Reduktion des Lebensvollzugs auf ein Einziges rufen. Daher müssen wir Vieles gleichzeitig denken, glauben und tun. Derrida meint, MARTIN HEIDEGGERS Hand hätte eigentlich schon eine Polyorganologie schreiben müssen - und deswegen führt er ihm jetzt die Hand. Das Sein ist Vieles, so dass wir im Vieles-Tun die Seinsvergessenheit aufheben.

Nur wer sich vom alten Götzen der Einheit nicht lösen könne, beklage den Mangel an Konzentration, Fokussierungskraft, Folgerichtigkeit, systemischer Geschlossenheit. Derrida hingegen zeigt, dass die De-Konzentration die Voraussetzung für alle Innovation, für alles Neue sei. Konzentration verheere alles Menschliche, weil sie zur unfruchtbaren Linearität des Denkens zwinge. Das Humanum hingegen liege in der Assoziativität, in der Fähigkeit, die Konsequenz zu durchbrechen. Jedes Tier kann fokussieren, ebenso jede Maschine. »Die Größe des Menschen ist der Durchbruch« (S. 142), der Durchbruch zur Dekonzentration.

Kritiker bemängeln, dass Polyorganologie und Dekonzentration eher das Werk findiger Nachlassverwalter und Nachlassgestalter gewesen sei als eine Originalschrift Derridas. Tatsächlich ist nicht klar, wie viel Text tatsächlich von Derrida herrührt und aus welcher Schaffensphase Derridas Textbestandteile stammen. Manche munkeln, Derrida habe zwar ein Dekonzentrationsbuch schreiben wollen, es dann aber vergessen, so dass versehentlich aus Dekonzentration oder vielmehr déconcantration die Dekonstruktion wurde. Eben nicht jeder könne ein Kolumbus des Denkens sein. Die Kritiker monieren schließlich auch, dass es dem Geist der Dekonzentration widerspräche, würde man bedauern, dass Derrida zu zerstreut war, um zu bemerken, dass seine Dekonstruktion eigentlich eine Dekonzentration war.


David Ricardo
Spekulation und Wert (Speculation and Value), metaphysisch-ökonomische Abhandlung des englischen Volkswirtschaftlers DAVID RICARDO (1772-1823), Erstausgabe als Nachschrift zu den Principles of Political Economy and Taxation, London 1818. Das Werk summiert die Erfahrungen seines Verfassers; es markiert die Emanzipation der Nationalökonomie aus den Zwängen der Philosophie und den Abschied von einer simplen Arbeitswerttheorie, wie sie Ricardo in den Principles of Political Economy noch vertreten hatte. Insofern ist Spekulation und Wert mehr als ein bloßer Appendix zu den Principles. Dies freilich bewahrte das Werk nicht vor dem Vergessenwerden, was unmittelbar daran hing, dass KARL MARX und FRIEDRICH ENGELS (entgegen der empirischen und historischen Evidenz) Ricardos Arbeitswerttheorie zum ökonomischen Dogma erhoben. Sie besagte laut den Principles, »daß der Wert einer Ware abhängt von der zu ihrer Herstellung nötigen Arbeitsmenge, nicht aber von der für diese Arbeit gezahlten höheren oder niedrigeren Vergütung«.

In Spekulation und Wert besann sich Ricardo hingegen auf seine eigenen jugendlichen Erfahrungen, nämlich darauf, dass er zu seinem privaten Vermögen nicht etwa durch die richtige Einschätzung der in eine Ware investierten Quantität von Arbeit gekommen war, sondern vielmehr durch Spekulation, d.h. die Annahme, dass eine Ware einen ganz anderen Wert haben könnte, als es zunächst scheint. Ricardo, dem es sein Geschick als Spekulant ermöglichte, ungestört seinen intellektuellen Neigungen zu frönen, verfolgt im ersten Abschnitt seines Werkes die Geschichte der Spekulation bis hinauf zu PLATON und ARlSTOTELES: Damals habe Spekulation oder theoria bedeutet, den wahren Gehalt der Dinge, die höheren Seinsformen hinter dem sinnlich Sichtbaren intuitiv zu erkennen, eben zu schauen. Erst die Spekulation habe für Platon das Wesen der Dinge erschlossen. Den zweiten Abschnitt leitet eine mit britischem understatement gewürzte, autobiographische Reflexion ein, derzufolge es ihm, Ricardo, trotz aller Anstrengung nie gelungen sei, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren eine spekulative Erkenntnis der platonischen Ideen oder anderer übersinnlicher Wesenheiten zu erlangen. Dennoch habe er der vita contemplativa nicht entsagen wollen und sei in die Fußstapfen seines Vaters getreten, obwohl er von diesem enterbt worden sei, als er auf der Suche nach höherer spekulativer Erkenntnis sich vom orthodoxen Judentum abgewandt habe: Wie sein Vater sei er Börsenmakler geworden, um auf diese Weise wenigstens hinter die sinnlich wahrnehmbaren Dinge zu sehen, nämlich ihren Wert zu eruieren. Der dritte Abschnitt von Speculation and Value stellt dar, was Spekulation für jene bedeuten kann, denen die platonische Schau idealer Wesenheiten nicht vergönnt ist, nämlich uns allen: Spekulation in einem, wie wir heute sagen würden, postmetaphysischen Sinn geht davon aus, dass die Dinge nicht so sind, wie sie erscheinen - namentlich nicht in ökonomischer Hinsicht, das heißt, so billig oder so teuer. Der der Spekulation zugrundeliegende Gedanke sei, ganz gleich, ob man den Begriff metaphysisch oder ökonomisch fasst, das mögliche Andersseinkönnen der Dinge. Der Spekulant, ganz gleich, ob in der Akademie oder an der Börse, wolle die Dinge so sehen, wie die anderen sie nicht sehen können. Daraus ziehe er seinen Gewinn, finanzieller oder spiritueller Art. Hinter der Spekulation, so führt Ricardo im vierten und letzten Abschnitt aus, stehe also entweder eine idealistische Ontologie, die im Unsichtbaren das Wahre sehe, oder aber ein skeptischer Ontologieverzicht, der nicht auszuschließen vermöge, dass hinter dem Anschein der eigentlich unerkennbaren Dinge ein ganz anderes Wesen lauere, als wir wahrzunehmen meinten. Ricardo hegt sichtlich Sympathie für diese Position, insofern er zu einem spielerischen Umgang mit den Dingen rät, da wir nie genau wüssten, was sie wert seien - und ob sie etwas wert seien. Wert sei immer nur das Produkt einer Spekulation.

Karl Marx
Auf Ricardos faktische Abkehr von der Arbeitswerttheorie wusste der orthodoxe Marxismus nur mit Totschweigen oder Aggression zu antworten. In den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 nimmt Marx zumindest kein Blatt vor den Mund: »Die Nationen sind nur Ateliers der Speculation, der Mensch ist eine Maschine zum Konsumieren und Speculiren; das menschliche Leben ein Kapital; die ökonomischen Gesetze regieren blind die Welt. Für Ricardo sind die Menschen nichts, die Speculation alles.« Der zuckersüße Neuhumanismus, den Engels und Marx als Sozialismus verkaufen wollen, kann sich nicht mit der ungeschönten Wirklichkeit abfinden, dass der Warenwert nichts mit der in diese Ware investierten Arbeit zu tun hat, umso mehr aber mit den Erwartungen, Hoffnungen und Wünschen, die die jeweiligen Konsumenten mit der Ware verbinden. Die dichte, fast undurchdringliche Decke des Schweigens, die seit zwei Jahrhunderten über Speculation and Value liegt, hat handfeste Gründe: Es erschien den Erneuerern von metaphysischer Ontologie und metaphysischer Ethik inakzeptabel, dass es feste Werte, objektive Werte nicht geben solle, sondern Werte, wie Ricardo meinte, stets Verhandlungs- und Ansichtssache seien. Dem unparteiischen Beobachter fällt freilich auf, dass sogar die moderne »Werthethik« und »Philosophie der Normen« in ihrem Gestus letztlich noch immer von Ricardos Spekulationismus bestimmt wird: Denn letztlich schließt jede »Wertethik« Wetten auf den Wert von Werten ab und versucht, den eigenen Kurs bestimmter Werte zum Referenzkurs zu machen. Was dann zu den »Blue Chips« der Werte gehört - z. B. Menschenwürde -, und wie hoch diese »Blue Chips« einzuschätzen sind, ist Sache der täglichen Spekulation, die von ökonomischen und politischen Konjunkturen gleichermaßen abhängt.

Literatur: Josef Ratzinger: Speculatio quaerens intellectum - speculatio quaerens fidem. Das spekulative Dasein bei Thomas von Aquin und David Ricardo in fundamentaltheologischer Perspektive, Regensburg 1975


Ludwig Wittgenstein
Standardsituationen, kurze Notiz des österreichisch-britischen Philosophen LUDWIG WITTGENSTEIN (1889-1951), die nach seinem Tod in der rechten Außentasche seines Lieblingssakkos gefunden und erstmals im deutschen Original und in englischer Übersetzung publiziert wurde von GERTRUDE ELIZABETH MARGARET ANSCOMBE, Cambridge 1958. Obwohl kurz, ist die Notiz das größte Rätsel der an Rätseln nicht armen Wittgenstein-Forschung. Sie lautet: »Standardsituationen / Eckball, Freistoß, Elfmeter.« Die Deutungen gehen weit auseinander. Die einen tendieren dazu, dem spätesten Wittgenstein einen Übergang von der Sprachspiel- zu einer Standardsituationenphilosophie zu attestieren, die anderen hingegen ziehen es vor, in dem Zettel das einzig geglückte Beispiel einer opaken Privatsprache zu sehen.



Wo ist Wahrheit? Alethologische Topologie, akademische Qualifikationsschrift des deutsch-mexikanisch-schweizerischen Informatikers und Philosophen MIGUEL D. SKIRL (* 1965), bislang unpubliziert. Pflegte man in der Philosophie bisher zu fragen, was die Wahrheit sei oder wie die Wahrheit sei, allenfalls noch, warum die Wahrheit sei, fragt Skirl, wo die Wahrheit ist. In Sätzen, wie das Mittelalter glaubte, das deswegen immer nur einzelne Sätze, nie ganze Theorien oder Ketzergehirne verurteilte? In Systemen oder Gesamtgefügen von Sätzen, »mental languages«, Argumentationsketten? Oder, typisch modern-dekadenter Vorschlag (den HEINRICH WÖLFFLIN in Kunst und die Abstumpfung der Nerven schon barsch zurückwies), in der Kunst? Skirl stellt fest, dass sich der Ort der Wahrheit in der Geschichte der Philosophie unentwegt verändert hat: Lag dieser Ort für PARMENIDES noch im Sein oder für HERAKLIT im Werden, für THOMAS VON AQUIN in Gott und für JOHANNES BURIDANUS in der Mitte zwischen zwei Heuhaufen, für IMMANUEL KANT im Apriori und für KARL MARX im Kapital, hat die Wahrheit ihren (übrigens wenig komfortablen) Aufenthaltsort gemäß der Analytischen Sprachphilosophie wieder scholastisch im Satz gefunden, während MARTIN HEIDEGGER sie mit der ihm eigenen Beharrlichkeit auf die Lichtung führen wollte. Was zeigt Skirls Topologie der Wahrheit? Dass es eine Einheit der Philosophie nicht geben kann, wenn ihre Wahrheit so viele Orte hat. Vielleicht zeigt Skirls Topologie auch, dass es eine solche Einheit gar nicht geben soll. Skirl versteht den Menschen als ein »Versteckwesen«, als Dissimulationskünster, der sich durch Ver- und Entstecken konstituiere. Wir seien, indem wir verstecken - uns und den Ort der Wahrheit. Wahrheit zu behaupten, heißt nichts weiter, als Relevanz zu behaupten, als Örtlichkeit zu beanspruchen. Ein Reiseführer, der als Topographie der Denkorte funktioniert und den Interessierten beispielsweise an jene Straßenecke führt, an der KANT unsanft aus dem dogmatischen Schlummer gefallen ist, wäre ohnehin ein Desiderat.

Quelle: Andreas Urs Sommer: Lexikon der imaginären philosophischen Werke. Die Andere Bibliothek, Band 326. Berlin 2012, ISBN 978-3-8218-6241-5


CD Info and Scans (Tracklist, Covers, Booklet, Music Samples, Pictures) 64 MB
rapidgator --- embedupload --- Filepost --- Depositfile --- uploadable

Unpack x175.rar and read the file "Download Links.txt" for links to the Flac+Cue+Log Files [56:29] 3 parts 205 MB

Reposted on January 30, 2015

3. Juni 2013

Boris Blacher (1903-1975): Die Streichquartette



An seinem Grab wurde Quartettmusik gespielt. Noch kurz vor seinem Tod hatte Boris Blacher daran gearbeitet. Das Stück ist Fragment geblieben, und mit Sicherheit war es nicht für den Aufführungsort bestimmt. Hätte Blacher, der immer einen spöttisch-humorvollen Spruch auf der Zunge hatte, seine eigene Grablegung kommentieren dürfen, vermutlich hätte er gesagt: »Muß es denn unbedingt Streichquartett sein, meine Jazz-Poems würden es doch auch tun.«

Das Würdevolle und Tragische war seine Sache nicht. Wann immer der große schlaksige Wahl-Berliner mit dem schmalen Gesicht, der lieber in ausgebeulten Hosen und Pullovern herumlief als in schwarzen Anzügen, zum Notenpapier griff, ist Musik der leichtfüßigen und heiteren Art entstanden. Aus knappen Formulierungen konnte er Funken sprühen lassen. Seine Handschrift ist unverwechselbar: musikalische Eleganz gleich vom ersten Takt an.

Kammermusik, vornehmlich in ihrer nobelsten Form, dem Streichquartett, ist für viele Komponisten noch immer ein Prüfstein, eine Art Hygiene des Komponierens. Der vierstimmige Satz soll anspornen zur Konzentration, zur Durchsichtigkeit und Ökonomie der Mittel. Blacher allerdings hat sich diese Übung zur Selbstbeschränkung nie in besonderer Weise auferlegen müssen. Sein gesamtes Werk, vom Orchesterstück bis zur abendfüllenden Oper, atmet kammermusikalischen Geist. Trotzdem sind es gerade die Streichquartette, die seine Originalität in lupenreiner Klarheit vor Augen führen.

Blacher schrieb sein 1. Streichquartett im Jahre 1930. Es steht am Ende eines turbulenten Jahrzehnts, das ihn für sein Leben prägte. Als 19jähriger kam er 1922 nach Berlin, im Kopf alle guten Vorsätze, die ihm sein Vater, ein russischer Bankdirektor, mit auf den Weg gegeben hatte. Blacher studierte zunächst Architektur und Mathematik, versuchte seinem Leben eine solide Grundlage zu geben. Der Vater nahm es mit Genugtuung zur Kenntnis und honorierte es mit einem monatlichen Wechsel. Aber schon bald erlag Blacher den künstlerischen Verlockungen der Großstadt. Er verschlang alles, was das Berlin der zwanziger Jahre zu bieten hatte: Kino, Jazz, Tanz, Oper, Kabarett. Den musikalisch-frechen Ton dieser Jahre lernte er weniger am Konservatorium, das er nun ab und an besuchte, sondern vielmehr in den Bars, Tanzpalästen und Kinos der Stadt. Er arrangierte Tanz- und Unterhaltungsmusik, instrumentierte fremde Kompositionen und begleitete Stummfilme auf dem Harmonium: eine phänomenale Schule des Alltags, wie Blacher Jahre später bekannte.

Boris Blacher
Die Musik dieser Jahre hatte endlich ihr weihevolles Refugium verlassen und sich in den Dienst neuer Formen der städtischen Kultur gestellt. Gebrauchsmusik statt Weltanschauungsmusik, das war auch Blachers Devise. Und selbst die Kammermusik, diese ehrwürdig-esoterische Gattung absoluter Musik, wurde sachlich und rasend schnell im Rhythmus der Maschinen. Von dem frischen Wind, den Komponisten wie Hindemith oder Weill in die Konzert- und Opernhallen brachten, ließ sich auch Blacher anwehen. Dieser Zeitgeschmack kam ihm, der auch in der Musik kühles Understatement pflegte und ein beträchtliches Maß an ironischer Distanz entwickeln konnte, gerade recht. In seiner mit Jazz- und Tangorhythmen gespickten Kammeroper Habemeajaja (1928) oder in den frechen Jazz-Koloraturen (1929) ist der musikalische Zeitgeschmack dieser Jahre ebenso eingefangen wie in dem gleichwohl noch traditionellen 1. Streichquartett. Es sind typische Produkte der Zwanziger, entstanden vor dem Hintergrund eines Hexenkessels aus frivolem Amüsement, stempelnden Arbeitslosen, fallenden Aktienkursen und steigender Inflation.

Um ein Haar wäre das Stück dann auch in den Wirren der Zeit untergegangen. Es galt fast vier Jahrzehnte als verschollen, bis sich Anfang der 70er Jahre im Nachlass eines Notenschreibers Blachers eigene Handschrift der Stimmen fand. Der Kopist hatte zu Beginn der 30er Jahre vom Berliner Verleger Benno Balan, bei dem das Werk ursprünglich erscheinen sollte, den Auftrag bekommen, nach dem Autograph Vorlagen für die Druckausgabe herzustellen. Als er die Arbeit beendet hatte, war Benno Balan nicht mehr da; er war Jude, hatte die Zeichen der Zeit erkannt und war emigriert. Offensichtlich wusste der Mann nicht, was er mit den fertigen Stimmen anfangen sollte, und so blieb das Konvolut - vermutlich längst vergessen - bis zum Tod in seinem Besitz. (Eine veränderte, viersätzige Fassung, die 1939 in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde, ging während des Krieges offenbar verloren).

Blacher leitet sein 1. Quartett sehr selbstbewußt ein mit einem forschen Triolen-Motiv, aus dem sich zweite Violine und Bratsche mit jeweils ausdrucksvollen Melodiebögen lösen. Tremolierende Effekte, Chromatik, starke Temposchwankungen, jazztypische Episoden: Das etwa zwölfminütige Stück trumpft bei aller akademischen Konstruktion und Traditionalität bereits mit frechen Gesten auf.

Boris Blacher
Zehn Jahre später komponiert Blacher das 2. Streichquartett. Noch immer ist Berlin der inspiratorische Quell seines Schaffens. Aber die Zeiten haben sich gründlich geändert. Die Bedrückung ist allerorten spürbar, Schwulst und Pathos bestimmen die künstlerischen Maßstäbe. Zuweilen aber herrscht im Konzertsaal noch ein untrügliches Gespür für Qualität. Blacher erfährt dies, als 1937 seine Concertante Musik vom Berliner Philharmonischen Orchester uraufgeführt wird. Die verfemten Jazz-Synkopen lassen aufhorchen, und die Begeisterung ist derartig, dass das Stück sogleich wiederholt werden muss. Hellhörig ob so viel spielerischer Eleganz werden allerdings auch die Wachhunde einer nationalsozialistischen Musikästhetik, die Blacher und seiner Musik »rassefremde Merkmale« ankreiden.

Blacher ist zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt, kommt aber einigermaßen glimpflich davon. Das lag wohl auch daran, dass er erst relativ spät als sogenannter »Vierteljude« eingestuft wurde. In der ersten Ausgabe des »Lexikon der Juden in der Musik« von 1941 ist Blacher noch unerwähnt. Erst in der zweiten, 1943 erschienenen Auflage heißt es dann: »Unter den lebenden Vierteljuden, die versehentlich des öfteren auch bei Veranstaltungen von Parteigliederungen aufgeführt wurden, sind Boris Blacher und Heinz Kaminski die wichtigsten.« Die vielen kleinen Goebbels und Rosenbergs hatten ganze Arbeit geleistet; sie hatten sogar das Taufregister der Blachers im fernen Estland studiert.

Blacher schrieb sein 2. Streichquartett 1940, ein Kompositionsauftrag für die Biennale in Venedig, wo es ein Jahr später auch uraufgeführt wurde. Das Quartett gibt sich kompromisslos modern, verspottet und sabotiert geradezu auf freche Art den neu verordneten Ton in der deutschen Musik. Der gefühlvoll eingeleitete Andante-Satz mit seinen kammermusikalisch typischen Motiv-Gängen durch alle Instrumente entwickelt sich unter ständigem Taktwechsel und abrupten Dynamikänderungen zu einem fulminanten Feuerwerk mit einem harten Fortissimo-Schlag, der dann schnell wieder abkühlt und in die Pianissimo-Ausgangslage zurückkehrt. Der anschließende Sostenuto-Satz ist gekennzeichnet durch ein federndes Klangfeld repetierender Töne, auf dem die erste Geige in schwindelnde Höhen treibt.

Boris Blacher
1944, im zerbombten Berlin, entsteht das 3. Streichquartett. Den erdrückenden Umständen weiß der staatenlose Blacher durch kompositorische Arbeit zu trotzen, aber auch durch privates Glück: Er lernt die junge Pianistin Gerty Herzog kennen, die er ein Jahr später heiratet und für die er fortan drei Klavierkonzerte und etliche Klavierstücke schreibt. Gemeinsam lauscht man in jenen Tagen der BBC und Radio Moskau, um zu hören, wie lange man noch ausharren muss; man trinkt billigen Fusel in kalten Bombennächten und schmiedet Pläne für »die Zeit danach«. Mit seinem Schüler, dem Österreicher Gottfried von Einem, ist Blacher sich einig: mit der großen Oper und dem Konzert würde es in den Trümmerwüsten wohl ein für allemal vorbei sein. Also gelte es, Kammermusik und Kammeropern zu schreiben.

Das 3. Streichquartett verdankt sich auch solchen spekulativen Überlegungen. Zunächst für die Schublade geschrieben, wurde es 1947 im Haus am Waldsee in Berlin uraufgeführt. Das Quartett wird eröffnet mit einem Presto im 5/4-Takt. Virtuose Passagen werden immer wieder in den rhythmisch-ostinaten Gleichlauf der Instrumente geführt. Das folgende Andantino besticht durch cantable Linienführung der Geigen, bevor im folgenden Allegro wiederum einmal der Jazz-Enthusiast Blacher auf den Plan tritt. Gleich zu Beginn legt der boogie-ähnliche »Walking-Bass« mit seinen Achtelgängen unzweideutig das Idiom fest, in dem sich dieser Satz nun bewegt. Irritierende Taktwechsel, zeitweilig sich überlagernde, unterschiedliche Rhythmen in den einzelnen Instrumenten, dann wieder - nach synkopisch orientierten Episoden - die plötzliche Akzentuierung der Takteins - das alles weist Blacher als einen stilsicheren Wanderer zwischen musikalischen Welten aus, der es versteht, mitreißend-klangliche Höhepunkte zu setzen. Erst nachdem sich dieser 3. Satz mit seinen dynamisch gesteigerten Schlägen verabschiedet, lässt ein kurzes Larghetto mit einem zart verhauchenden »morendo« das 3. Streichquartett auspendeln.

1945: keine »Stunde Null« der Musik, für Blacher aber doch eine Zäsur, der Beginn seiner eigentlichen Kariere. In den musikalischen Kreisen Berlins wird er schnell zur Integrationsfigur, zum Grenzgänger zwischen Ost und West ohne ideologische Scheuklappen. Das Berührungsverbot, das ihm die Stadtoberen hier und da gerne auferlegt hätten, nimmt er erst gar nicht ernst. So zählen im Ostteil wirkende Musiker wie Rudolf Wagner-Regeny, den er schon seit den zwanziger Jahren kennt, oder Paul Dessau ganz selbstverständlich zu seinen Freunden. Brecht besucht ihn in seiner Zehlendorfer Wohnung, sie diskutieren über die Zukunft der Oper und mögliche Formen der Zusammenarbeit. Zu einem gemeinsamen Opernprojekt mit Brecht ist es nie gekommen. Mit verschiedenen Liedvertonungen und Bearbeitungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit erweist Blacher aber dem im Ostteil der Stadt lebenden Brecht seine Reverenz.

Blacher wird die zentrale Musikerpersönlichkeit im Nachkriegsberlin. Die Geschichte der Neuen Musik im Westteil der Stadt schreibt er zeitweilig ganz allein. Daneben bestimmt er maßgeblich die Musikausbildung: als Direktor der Hochschule für Musik (1953-1970), als Präsident der Berliner Akademie der Künste (1968-1971). Die Liste seiner Schüler enthält klangvolle Namen: Claude Ballif, Gottfried von Einem, Maki Ishii, Rudolf Kelterborn, Giselher Klebe, Günter Kochan, Isang Yun, Aribert Reimann, um nur die wichtigsten zu nennen.

Boris Blacher
Weder bei seinen alltäglichen Verpflichtungen noch in der Musik ist Blacher ein Mann der vielen Worte. Keine sechs Minuten dauert das 4. Streichquartett aus dem Jahre 1951. Seine Teile, Adagio - Allegro molto - Moderato, fließen unmittelbar ineinander. Das Werk trägt die Überschrift Epitaph und ist komponiert zum Gedächtnis von Franz Kafka. Kleingliedrige Motivik, ostinate Wendungen, espressive, mit wildem Bogenstrich vorgetragene Gedankensplitter: nicht pietätvoll, eher provozierend gibt sich diese musikalische Grabschrift. Das Stück steht am Anfang eines Jahrzehnts, das Kafka zunehmend in das Zentrum künstlerischer Auseinandersetzungen rückte. Die Verstrickungen in undurchschaubare Machtstrukturen fühlten Menschen in Ost und West. Ein Jahr später übrigens beschäftigte sich Blacher erneut mit Kafka, diesmal als Librettist und Bearbeiter des Romans Der Prozeß für die Oper seines ehemaligen Kompositionsschülers Gottfried von Einem.

Das 5. Streichquartett aus dem Jahre 1967 trägt die Bezeichnung Variationen über einen divergierenden c-moll-Dreiklang. Ein eigenartiger Titel, fast schon ein wenig maniriert und dennoch ein echter Blacher. Denn Blacher schätzte musikalisch-handwerkliche Arbeit im Sinne der Variationskunst. Seine berühmt gewordenen Paganini-Variationen, seine Clementi- oder Tschaikowski-Zyklen weisen ihn als einen musikalischen Jongleur und Verwandlungskünstler aus, der fremdes Material auf schöpferische Art neu zu gestalten wusste.

Diesmal ist es kein Thema aus fremder Komponistenhand, sondern kompositorisches Rohmaterial: der c-moll-Dreiklang. Blachers handwerkliche Meisterschaft zeigt sich einmal mehr darin, wie er diesen Akkord nach allen Regeln der Kunst seziert und daraus wieder ein fesselndes Stück Musik entstehen lässt. Bereits der Anfang, reines c-moll, wird instrumentaltechnisch verfremdet. Die Streicher spielen »sul ponticello«, streichen die Saiten sehr nahe am Steg. In den folgenden vierzehn Variationen divergiert der Akkord, strebt auseinander, bleibt aber in allen Verkleidungen kenntlich. Die Entscheidung am Anfang, so sagte Blacher einmal, ist immer die schwerste, der Rest sei vollkommen mechanisch. Technisch greift Blacher auf die Variationskunst zurück: er umspielt, fügt hinzu, imitiert, forciert. Mikrokosmisch tönen ganze Welten konzentrierten Ausdrucks. Rasende Unisonoführungen, Flageolett- und Glissandoeffekte sowie breites Legato-Spiel über ostinaten Notenketten fügen dem etwa siebzehnminütigen Werk instrumentaltechnische Tupfer hinzu, bevor am Ende das c-moll in erweiterter Form wiederkehrt: ein fulminantes und einzigartiges Werk der Quartettliteratur, das höchste Anforderungen an die Instrumentalisten stellt und voller Überraschungen für den Hörer ist.

Boris Blacher
Das 5. Streichquartett gibt aber noch etwas preis: den Komponisten der »variablen Metren«. Blacher hat dieses Verfahren der Vergrößerung und Verkleinerung von Taktinhalten nach vorher festgelegten Zahlenkombinationen Anfang der fünfziger Jahre entwickelt. Er nimmt damit teil an den vielfältigen Bemühungen von Komponisten dieser Jahre, Musik gleichermaßen nach mathematischen Gesichtspunkten zu ordnen. Aber er operiert - anders als beispielsweise die seriellen Komponisten - nicht mit starren Ordnungsprinzipien, sondern sucht für jede Komposition nach jeweils eigenen Modellen. Den ersten Takt seines 5. Streichquartetts füllt Blacher mit einer einzigen Note des Violoncellos: das Allegretto gezündet, sein innerer Motor läuft; dann langsame Forcierung des Tempos: drei, fünf, sieben Noten, der Satz setzt sich in Bewegung. Nochmalige Zurücknahme, schließlich rasante Beschleunigung auf 16 Noten pro Takt. Der Geschwindigkeitsverlauf der Musik lässt sich exakt in Zahlenreihen übertragen. Aber es ist gut zu wissen, dass sich Blachers Musik gänzlich auch ohne Kenntnis davon unmittelbar dem Ohr mitteilt. Aus der Zahlenspielerei ist bei Blacher immer noch sinnlich-lebendige Musik geworden.

Quelle: Martin Willenbrink, im Booklet

Track 11: Epitaph zum Gedächtnis von Franz Kafka



TRACKLIST


Boris Blacher (1903-1975) 
Streichquartette - String Quartets 

   1. Streichquartett (1930) 
01 Allegro                                            4:23 
02 Adagio                                             5:01 
03 Presto                                             2:57 

   2. Streichquartett (1940) 
04 Andante - Allegro                                  3:51 
05 Sostenuto                                          4:13 
06 Vivace                                             3:00 

   3. Streichquartett (1944) 
07 Presto                                             3:19 
08 Andantino                                          4:47 
09 Allegro molto                                      2:29 
10 Larghetto                                          3:02 

   Epitaph - Zum Gedächtnis von Franz Kafka (1951) 
11 4. Streichquartett                                 5:27 

   Variationen über einen divergierenden c-moll-Dreiklang (1967) 
12 5. Streichquartett                                17:11 

Gesamtzeit - Total time                              60:01 

Petersen Quartett 
  Conrad Muck, 1.Violine
  Gernot Süßmuth, 2.Violine
  Friedemann Weigle, Viola
  Hans-Jakob Eschenburg, Violoncello

Aufnahme/Recording: September/November 1993 Berlin, Siemensvilla 
(C) und (P) 1994 

Lexikon der imaginären philosophischen Werke


Kurze Vorrede einer langen Dämmerung

Viele bedeutende philosophische Bücher sind nie geschrieben worden. Vielleicht hätten sie geschrieben werden sollen. Fingerzeige, wie dies jetzt oder in Zukunft geschehen könnte, gibt das vorliegende Lexikon der imaginären philosophischen Werke. Es enthält die Konstruktionspläne und die kritische Würdigung dieser imaginären philosophischen Werke. Nirgendwerke - auch Ukerga oder Anerga genannt - erweitern den Denkhorizont der Menschheit. Dieses Buch präsentiert die ungeschrieben gebliebenen Schlüsselwerke der Geistesgeschichte aus zweieinhalb Jahrtausenden. Rückhaltlos der Redlichkeit verpflichtet, stellt es diese verschollenen Schlüsselwerke in ihren Gründen und Abgründen dar, analysiert sie kritisch und bespricht ihre Wirkungsgeschichte.

Dieses Buch ist eine Geistesgeschichte des Ungedachten. Die große Herausforderung der Philosophie in der Moderne ist nicht etwa die Sprache oder das Unbewusste, sondern die Geschichte. Professionelle Philosophiehistoriker pflegen den Anschein zu erwecken, die Geschichte des Denkens wäre »alternativlos« (ANGELA MERKEL). Aber in irdischen Dingen, zu denen das Denken gehört, ist nichts alternativlos. Das Lexikon der imaginären philosophischen Werke erzählt eine alternative Geschichte der Philosophie und vermehrt die Vielfalt, anstatt die Vielfalt auf fade Einfalt einzudampfen. Es behandelt Werke, die es nirgendwo zu lesen gibt; es behandelt Gedanken, die nirgendwo gedacht worden sind.

Philosophisches Denken heißt, in Alternativen zu denken. Nicht so sehr konsequentes, sondern anderes Denken macht Philosophie aus. Daher will das Lexikon der imaginären philosophischen Werke Alternativen des Denkens ausreizen und Gewichte in der Geschichte des Denkens neu verteilen. Es ist das Resümee der letzten 2500 Jahre Philosophiegeschichte - und das vorweggenommene Kondensat der nächsten 2500 Jahre Philosophiegeschichte. […]

Andreas Urs Sommer
Zepelin in Mecklenburg, Sommer 2011


Georg Christoph Lichtenberg
Ausführliche Erklärung der Piranesischen Kupferstiche, »physiognostisch«-ästhetisch-anthropologisches Hauptwerk des Göttinger Physikers GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG (1742-1799), Erstausgabe herausgegeben u. a. von seinen Söhnen in 17 Heften, Göttingen 1802-1831. Schon in seiner Auseinandersetzung mit der physiognomischen Theorie JOHANN CASPAR LAVATERS hatte Lichtenberg sich mit Bild-Medien, namentlich Kupferstichen auseinandergesetzt und daran seine »Pathognomik« entwickelt, als »Semiotik der Affekte« oder als »Kenntniß der natürlichen Zeichen der Gemüthsbewegungen nach allen ihren Gradationen und Mischungen« (Über Physiognomik wider die Physiognomen, 1778). Bei dem von Lichtenberg betreuten Göttinger Taschen Calender stand die regelmäßige Erläuterung von Frontispiz-Kupferstichen an. Allmählich wurde diese Pflichtaufgabe zur Kür; die lebensprallen und karikaturesken Werke des englischen Malers WILLIAM HOGARTH fanden bald Lichtenbergs Zuneigung: Bildbeschreibung und Bildkommentierung gaben Lichtenberg weitreichende satirische Vollmachten, die er ausschöpfte und sich dafür schadlos hielt, dass er den jahrelang geplanten, gesellschaftskritischen Roman nie fertigstellte. Am Detail entzündeten sich seine Imagination und sein Aberwitz.

Der Lichtenbergs geistiger Statur ebenbürtige Künstler war jedoch nicht Hogarth, sondern der italienische Architekt und Kupferstecher GIOVANNI BATTISTA PIRANESI, dessen römische Veduten Lichtenberg schon früh geläufig waren. Die ersten Ausführlichen Erklärungen der Piranesischen Kupferstiche gelten den Arbeiten zur antiken Hinterlassenschaft Roms, beispielsweise den Blättern mit der Cestius-Pyramide, den Caracalla-Thermen, der Innen- und der Außenansicht der Villa Maecenas. Schon in den ersten Abschnitten verdampft die Antikensehnsucht und der Klassizismus, die sich in der deutschen Literatur damals ausbreiteten: Von JOHANN JOACHIM WINCKELMANNS »edler Einfalt und stiller Größe« verflüchtigen sich alle Spuren, denn Lichtenberg weist anhand der Stiche Piranesis (und unter Rückgriff auf VITRUVS De architectura et hominibus libri duodecim) unerbittlich nach, dass die antike Architektur und damit die antike Kultur als Ganze dem Menschen nicht angemessen sei. Hauptbeleg dieses Nachweises sind die seltsam verkümmerten, gebückten, gebeutelten und gebuckelten Menschengestalten, die sich in Mauernischen drücken oder über Ruinenfelder balancieren: Die griechisch-römische Architektur habe, so zeige Piranesi, kein menschliches Maß, weswegen Menschen in ihrem Umfeld wie Kretins wirkten und wirken müssten. Kein Wunder, dass selbst JOHANN WOLFGANG GOETHE sich in seiner Italiänischen Reise verschreckt zeige: »Die Pyramide des Cestius ward für diesmal mit den Augen von außen begrüßt, und die Trümmer der Antoninischen oder Caracallischen Bäder, von denen uns Piranesi so manches Effektreiche vorgefabelt, konnten auch dem malerisch gewöhnten Auge in der Gegenwart kaum einige Zufriedenheit geben.« Gewiss, sagt Lichtenberg, »Zufriedenheit«, nämlich das Menschliche in der Kultur, sei unmöglich, wenn man sich auf antike Vorbilder einlasse, die es nachzuahmen gelte. Die Alternative, die Goethe freilich nicht habe sehen wollen, laute glasklar: entweder Antike oder Menschlichkeit. »At the end of the 18th century, the German writer and academic G. C. Lichtenberg discovered Piranesi as the most eminent advocate of Humanity against Antiquity.« (ARTHUR M. HIND: Piranesi, London 1922, S. 643).

Giovanni Battista Piranesi
In den folgenden Heften der Ausführlichen Erklärungen geht Lichtenberg über die Kritik an der menschenfeindlich-starren Klassik weit hinaus. Nun setzt die Beschäftigung mit Piranesis Schlüsselwerken, nämlich den Carceri ein, jenen albtraumhaften Kerker- und Maschinenvisionen, die aller biederen Dreidimensionalität hohnsprechen. Lichtenberg gelingt es, diese Carceri so anschaulich zu machen, dass noch seine englischen Bewunderer daraus eine vollständige Kenntnis von Piranesis Hauptwerken gewinnen konnten. So liest man in THOMAs DE QUINCEYS Confessions of an English Opium-Eater (1821): »Dr Lichtenberg described a set of plates by Piranesi, called his Dreams, and which record the scenery of his own visions during the delirium of a fever. Some of them (I describe only from memory of Dr Lichtenberg's account) represented vast Gothic halls: on the floor of which stood all sorts of engines and machinery, wheels, cables, pulleys, levers, catapults, etc. etc. expressive of enormous power put forth, and resistance overcome. Creeping along the sides of the walls, you perceived a staircase; and upon it, groping his way upwards, was Piranesi himself: follow the stairs a little further, and you perceive it come to a sudden abrupt termination, without any had reached the extremity, except into the depths below. Whatever is to become of poor Piranesi, you suppose, at least, that his labours must in some way terminate here. But raise your eyes, and behold a second flight of stairs still higher: on which again Piranesi is perceived, but this time standing on the very brink of the abyss. Again elevate your eye, and a still more aerial flight of stairs is beheld: and again is poor Piranesi busy on his aspiring labours: and so on, until the unfinished stairs and Piranesi both are lost in the upper gloom of the hall.«

In entsetzlicher Deutlichkeit macht Lichtenberg seinen Lesern klar, dass die Carceri nur das zeigen, was unser aller Lebensrealität ist - und dass bislang es nur niemand gewagt hat, dies ins Bild zu setzen, auszusprechen oder aufzuschreiben.

Das Leben ist ein Kerker mit unzähligen Treppenfluchten, die ins Nirgendwo führen, gespickt mit Maschinen, die unterschiedlichste Formen der Pein bereiten - ein Gedanke übrigens, den PHILIPP MAINLÄNDER in seiner Philosophie des Schmerzes von Lichtenberg übernehmen wird, ohne wie dieser den eigenen missgebildeten Leib schon als ein Gefängnis empfinden zu müssen. Wahrscheinlich sollte man froh darüber sein, dass das Piranesi gewidmete Sudelheft Lichtenbergs (das sagenhafte Heft XiZ) als verschollen gilt. Die vor dem Klassizismus gerettete Menschheit wäre den dort mit Feuer, Eisen und Blut geschmiedeten Erkenntnissen schwerlich gewachsen.

Literatur: Ulrich Joost/Wolfgang Promies: Experimentalarchitektur und Experimentalphysik. Piranesi, Lichtenberg und das Experiment des anti-antiken Humanismus, Göttingen 1996.


Antoine Roquetin

Die Entdeckung (La découverte), philosophisch-autobiographischer Roman des französischen Historikers ANTOINE ROQUETIN (1905-1980), Bouville 1938 (in späteren Ausgaben unter dem Titel L'esquive - Das Ausweichen). »Le public aime les romans faux: ce roman est un roman vrai«, heißt das EDMOND und JULES DE GONCOURTS Germinie Lacerteux entnommene Motto des Werkes. In Tagebuchform berichtet ein namenloser Ich-Erzähler - nur einmal ritzt er seine Initialen »JPS« in eine riesige Baumwurzel - aus seiner zunächst auswechselbar-melancholischen Existenz, die plötzlich durch eine Art Erweckungserlebnis, eben »die Entdeckung«, strahlend erhellt wird. Die Entdeckung widerfährt ihm, als er sich in einer belebten Einkaufsstraße eine Crêpe kaufen will: Schlagartig wird ihm bewusst, dass die meisten Menschen ihn nichts angehen - dass sie ihm fundamental gleichgültig sind und auch sein dürfen. Was immer Metaphysiker und Theologen vom unendlichen Wert des Menschen und seiner unveräußerlichen Würde salbadern mögen: Der Ich-Erzähler folgert aus seiner Entdeckung, dass die meisten Menschen für ihn ohne Interesse sind - gerade, weil sie Menschen, nur Menschen sind. Der Ich-Erzähler wird von seiner Entdeckung verwandelt; der Ekel, der ihn bis dahin angesichts alles Menschlichen beschlichen hat, ist wie weggeblasen. Die neue, programmatische Gleichgültigkeit gegenüber dem Anderen ist ein unendlicher Trost, gerade gegen die Jahrtausende alten Versuche von Religion und Moral, diese eigentlich ganz natürliche Gleichgültigkeit hinwegzureden und zu behaupten, der Andere würde mich unbedingt etwas angehen. Der Ich-Erzähler entdeckt, dass der Andere dies in den allermeisten Fällen gerade nicht tut.

Über das individuelle Erlebnis hinaus, auf das sich Roquetin in seiner Darstellung konzentriert, ergeben sich aus der Entdeckung gravierende Folgen für die Ethik. Sie pflegt sowohl in ihrer theologischen wie in ihrer philosophischen Ausprägung den Eindruck zu erwecken, die Tatsache, dass uns die meisten Menschen die meiste Zeit über gleichgültig sind, müsse unser Gewissen beschweren, weil diese Menschen uns »eigentlich« nicht gleichgültig sein sollten und dürften. Ethik in ihrer landläufigen Form lebt von diesem schlechten Gewissen - und sie lebt gut davon, sich gegen die Faktizität der Gleichgültigkeit aufzulehnen und so zu tun, als sei diese Faktizität das Böse schlechthin. Vielleicht wäre es tunlicher, in der Ethik die von Roquetin gemachte Entdeckung ernst- und wahrzunehmen und zu versuchen, Ethik auf der Tatsache der Gleichgültigkeit zu begründen - statt auf einem imaginären, kontrafaktischen Sollen, wonach wir uns doch alle liebhaben sollten. Das Bestürzende ist ja, dass menschliches Zusammenleben, das man exemplarisch in einem vollgepferchten Eisenbahnwagen studieren kann, gerade funktioniert, weil wir uns gegenseitig gleichgültig sind und sein müssen. Man stelle sich einmal vor, was passierte, wenn wir uns im Eisenbahnwagen alle unendlich wertvoll und liebenswürdig erschienen.

Das Fundament aller Moral - das heißt, das Prinzip unseres Zusammenlebenkönnens - ist die Gleichgültigkeit. Man hat unter Philosophen - mit der rühmlichen Ausnahme von RICHARD RORTYS Moralaskese und Moralindustrie Roquetins Entdeckung totgeschwiegen, weil sie gegen einen Leitkonsens der so wehleidigen Moderne verstößt (und im Übrigen der Ethik in ihrer bisherigen Form die Geschäftsgrundlage entzieht). MARTHA NUSSBAUM ist wenigstens ehrlich genug, ihren Entrüstungsmoralismus gegen Roquetin direkt in Stellung zu bringen. Jener Leitkonsens des unendlichen Wertes und der unendlichen Achtungs- und Liebeswürdigkeit des Anderen ist aber vielleicht nicht mehr als ein ideologisches Deckmäntelchen für die real praktizierte Menschenverachtung. Menschenverachtung wiederum verkörpert das ganze Gegenteil der Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist langmütig und freundlich, sie eifert nicht, treibt keinen Mutwillen und bläht sich nicht.

Stéphane Hessel
Man kann es nicht genug bedauern, dass Roquetin der Menschheit das in seinem (übrigens einzigen) Roman versprochene Manifest des Relativismus vorenthalten hat, denn im Relativieren-Können liegt die Zukunft der Menschheit. Dass dem so ist, beweist schon die Gehässigkeit der außerphilosophischen Attacken auf Roquetins philosophischen Indifferentismus. Diese Attacken verschwistern sich mit der absonderlichen Idee, Empörung sei an sich ein Gut, womöglich der Güter höchstes (»Ich wünsche euch allen, jedem Einzelnen von euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar.« - STÉPHANE HESSEL: Empört euch! Aus dem Französischen von Michael Kögen, Berlin 2010, S. 10). Liest man dagegen Die Entdeckung mit einiger Aufmerksamkeit, wird man sich Roquetins Erkenntnis nicht auf Dauer entziehen können, dass das Unglück der Menschheit wesentlich daher rührt, dass sich stets irgendjemand über irgendetwas empört - und wiederum ein anderer sich gegen diese Empörung empört. Die Spirale der Empörung ist, so Roquetin, die Spirale der Selbstvernichtung unserer Spezies.

Nicht genug bedauern kann es der lesende Entdecker der Entdeckung, dass Roquetin die Geschichte der Indifferenz nie geschrieben hat, die sein Roman-Ich ebenfalls angekündigt hat. Diese Geschichte hätte nicht einfach eine Geschichte des Atheismus oder der Abschaffung des Theismus sein sollen, sondern die Kulturgeschichte des allmählichen Indifferentwerdens gegenüber den Zumutungen der Religionen und der Moralen, die den abendländischen Seelenhaushalt ein paar Jahrtausende heimgesucht haben. Es wird also an jemand anderem liegen, diese Geschichte der Indifferenz als Geschichte einer Befreiung, eines Triumphes zu Papier zu bringen. Roquetin war, wie sein Nachlass (in der Bibliothèque Municipale de Bouville) dokumentiert, ein Meister der Anfänge, leider aber nicht der Fortsetzungen. Er wollte schließlich auch ein Buch nur aus Buchanfängen schreiben. Mit jedem Buch fange, so Roquetin, die Welt neu an. Manche dieser Welten seien die besten, manche die schlechtesten aller möglichen Welten. In einem Buch nur aus Buchanfängen würde die Welt tausend Mal neu anfangen. Aber Roquetins Gesammelte Anfänge blieben unvollendet. Die Indifferenz auch gegenüber den neu anfangenden Welten hat am Ende überwogen.

Literatur: Jean-Paul Sartre: Der Indifferentismus ist ein Humanismus, übersetzt von Vincent von Wroblewsky, Reinbek bei Hamburg 1968.


Martin Heidegger
Entwesungsdenken, Gemeinschaftswerk des deutschen Philosophen MARTIN HEIDEGGER (1889-1976) und des deutschen Entomologen und Schriftstellers ERNST JÜNGER (1895-1998), Erstausgabe Pfullingen 1963. Anlass zu dieser einzigen gemeinsamen literarischen Unternehmung von Heidegger und Jünger bot die Interpretation eines Gedichtes von GEORG TRAKL, die Jünger in Heideggers Unterwegs zur Sprache (1959) gefunden hatte. Dort hatte es geheißen: »Elis ist kein Toter, der im Späten des Abgelebten verwest. Elis ist der Tote, der in die Frühe entwest. Dieser Fremdling entfaltet das Menschenwesen voraus in den Anbeginn dessen, was noch nicht zum Tragen kam.« Heidegger wollte Trakls »Verwesung« im Sinne von »Entwesung« nämlich als Wesensverlust verstanden wissen. Daraus folgt die Notwendigkeit, das Wesen der Entwesung zu bedenken - eine Notwendigkeit, die Jünger, wenngleich aus anderem Antrieb, ebenfalls verspürte. Seltsamerweise haben weder die Vor- und die Publikations-, noch die Rezeptionsgeschichte der gemeinsamen Veröffentlichung in dem von GÜNTER FIGAL 2008 edierten Briefwechsel Heideggers und Jüngers ihren Niederschlag gefunden, so dass wir über die Entstehungsumstände des Werkes nur unzureichend unterrichtet sind.

Heidegger beginnt den schriftlichen Dialog mit einigen etymologischen Erörterungen zum Begriff des Entwesens in der Bedeutung »entbehren, ohne etwas sein«, carere, in der mittelalterlichen Epik, zitiert aus den Nibelungen (»sît daz es mîn unsælde niht langer wolt entwesen«) und fragt dann, ob EDMUND HUSSERLS Phänomenologie ihrer ursprünglichen Intention nach nicht eine Theorie der Entwesung gewesen sei. Sie habe doch versucht, das Wesen der Dinge zu isolieren, und habe sie damit ihres Wesens beraubt. Entwesungsdiagnosen stellten auch FRIEDRICH HEINRICH JACOBI (»enteinzeln, entwesen und entwirklichen«) und GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL (»Entäußerung und Entwesung des Selbstbewußtseyns«). Solche und ähnliche Belege (namentlich aus dem mystischen Sprachgebrauch) führen Heidegger zur Vermutung, die Geschichte der abendländischen Metaphysik stelle sich insgesamt als eine Geschichte der Entwesung dar: Das Sein sei entwest worden.

Viel pragmatischer geht Jünger das Problem an. Zunächst zitiert er aus der erweiterten Auflage von HORST FEYS Wörterbuch der Ungeziefer-, Schädlings- und Pflanzenkrankheitsbekämpfung aus dem Jahr 1939 und will Entwesung als Vernichtung pflanzlicher und tierischer Schädlinge verstanden wissen. Namentlich den Anthrenus museorum, den Kabinettkäfer hat er im Visier. Dieses Tierchen droht mit seiner Gefräßigkeit Jüngers Insektensammlung zu verheeren. Jünger wirft sich zur Rettung seiner Sammlung als »Entwesungsbesorger« ins Zeug; der Krieg gegen den Anthrenus museorum ist Ausdruck eines »heroischen Nihilismus«. Der alte Kämpe schwelgt angesichts der Käferplage in Erinnerungen und reaktiviert die Reserve unsterblicher Sentenzen (»Seine Majestät der Kaiser hat Ihnen den Orden Pour le mérite verliehen«).

Ernst Jünger
»Entwesungsbesorger« und »Zeug« sind die Stichworte, die Heidegger in seiner Replik aufgreift und die seine Vorliebe fürs Handwerkliche, genauer: für die Holzverarbeitung nähren, nachdem er freundlich zu verstehen gegeben hat, dass das Gespräch mit Jünger für ihn ein Fest sei (ein »innerer Reichsparteitag«). Nach Heidegger versorgt ein Entwesungsbesorger die Sorge; er trage die Sorge für das Vorlaufen zum Tode. Am Ende endeten wir alle im »Entwesungskasten«, der ein »Entsorgungskasten« sei vulgo: im Sarg. Der Entwesungsbesorger ist also nicht wie bei Jünger ein simpler Kammerjäger, sondern ein Sargschreiner, vielleicht auch ein Bestatter. Entwesung als Seinsbestattung gilt Heidegger als Signatur des abendländischen Denkens. Da müssten Denk-Male des Geistes gesetzt werden.

Das Entwesungsdenken reift trotz seines Anspruchs nie zum ernsthaften Dialog zwischen den beiden Denkpartnern aus. Zu unterschiedlich sind die Prämissen. In den sehr verhaltenen zeitgenössischen Reaktionen auf das Buch haben einige Leser bemängelt, dass die politisch-monströse Dimension der »Entwesung« von Heidegger und Jünger systematisch ausgeblendet werde. Nicht zufällig sei Zyklon B als »Entwesungsmittel« im Gebrauch gewesen. Aber die Herren Jünger und Heidegger hätten sich zwischen 1939 und 1945 ja in der inneren Emigration befunden und also davon nichts mitbekommen können. Es war ihnen auf ihren Marmorklippen nicht zu Handen.

Literatur: Friedrich-Wilhelm von Herrmann: Wege in die Entwesung. Martin Heidegger und Ernst Jünger, Freiburg im Breisgau 1979


Das Lexikon der imaginären philosophischen Werke wird im nächsten Blog-Post fortgesetzt.

Quelle: Andreas Urs Sommer: Lexikon der imaginären philosophischen Werke. Die Andere Bibliothek, Band 326. Berlin 2012, ISBN 978-3-8218-6241-5

CD Info and Scans (Tracklist, Covers, Booklet, Music Samples, Pictures) 49 MB
embedupload ---- MEGA ---- Depositfile --- uploadable

Unpack x174.rar and read the file "Download Links.txt" for links to the Flac+Cue+Log Files [60:01] 3 parts 265 MB

Reposted on February, 20th, 2016

20. August 2012

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker: Funck, Klengel, Blacher, Françaix

Sie sind einmalig. Jedes Symphonie-Orchester hat zwar seine Cellogruppe, aber daß sich die tiefen, großen Streicher als eigenständige Formation, als Orchester im Orchester zusammengetan und von einem Erfolg zum andern gespielt haben, das gibt es weltweit nur dieses eine Mal. Deshalb weiß jeder Musikkenner, wohin die Zwölf Cellisten gehören, selbst wenn der Name ihres Orchesters nicht fällt. Sie sind eine Institution. Seit 1972 musizieren sie nun zusammen und treten als Ensemble auf, manchmal in Berlin, öfter auswärts, ganz oft in weiter Ferne. Selbst die Premiere mit einem abendfüllenden Programm fand nicht in Berlin, sondern in Tokio statt; in die japanische Hauptstadt führen bis heute die besten Verbindungen.

Pablo Casals soll von einem Orchester geträumt haben, das nur aus Violoncelli besteht - eine ungewöhnliche Idee, aber auch wieder nicht ganz so neu. Sie beweist ein gutes historisches Gedächtnis. Denn zur Zeit der Musik, die man heute die »Alte« nennt, also vor drei- bis vierhundert Jahren, gab es sogenannte Gambenkonsorts, kleine Ensembles, die nur mit den zarter klingenden Cousinen des Violoncello besetzt wurden, den Viole da gamba, den Violen, die man zwischen den Beinen und nicht mit dem Arm hielt. Gut: Man baute diese Mehrsaiter mit dem leicht nasalen Klang und den Bünden am Griffbrett damals in verschiedenen Größen und in diversen Tonlagen. Ein Gambenkonsort verfügte also über hohe und tiefe Stimmgruppen. Das unterscheidet sie von einem reinen Celloensemble. Doch die Klangfarbe war in ihrer Grundform ähnlich einheitlich.

Jubiläumskonzert im großen Saal der Berliner Philharmonie zum 30-jährigen Bestehen der 12 Cellisten, 5.Oktober 2002

Pablo Casals unternahm einige Vorstöße, um seinen Traum vom reinen Kniegeigen-Ensemble Wirklichkeit werden zu lassen. Der große spanische Cellist kannte sein Instrument und dessen Möglichkeiten genau, und er wußte wohl: nur mit der tiefen Abteilung der Streicher würde sich ein monoinstrumentales Orchester erfolgreich verwirklichen lassen. Ernsthafte Konkurrenz ist nicht zu befürchten. Stellen Sie sich eine Bühne voller Violinisten vor, kein einziges anderes Instrument wäre dabei. Die Musiker könnten vieles bieten, ihre Geige könnte jubilieren und brillieren, sie könnten ihre Virtuosität bis in die höchsten Höhen an den Rand der Hörbarkeit führen oder sich zu zart gewobenen Klangteppichen beruhigen - sie könnten durch Zupfen, Schlagen, Klopfen, Dämpfen und Forcieren ihrem Teufelsgerät ein wahres Kaleidoskop an Klangbildern entlocken - irgendwann würde man bei diesem Treiben das Fundament vermissen, es würde nur noch Sehnsucht wecken: den dringenden Wunsch nach der musikalischen Tragkraft der Tiefe. Den aber könnten selbst die Bratschen nicht erfüllen - allenfalls die Kontrabässe noch, aber denen fehlte dann in der Höhe die nötige Durchsetzungskraft, das kleine Quentchen Schärfe, das die Celli immer noch besitzen, auch wenn sie sich in den Klangbezirken der Flöten und Geigen bewegen. Unsere Umgangssprache hat zwar für ihre Bilderwelt bisher nur die scharfen, hohen und lauten Instrumente entdeckt. Den Himmel läßt sie voller Geigen hängen, doch dieses operettige Sphärenerlebnis wurde für Menschen ausgedacht, die mit beiden Füßen auf dem festen Boden der Tatsachen stehen.

Für die Erdung des Kunstgenusses selbst aber ist hauptsächlich das Violoncello zuständig, denn es steht sogar mit drei Beinen auf solidem Grund: mit einem eigenen und zwei menschlichen, die es stützen. Kein Zweifel: Das Violoncello ist das eigentlich universale unter den Orchesterinstrumenten. Es ist in allen Bereichen des weiten Klang- und Hörspektrums von den sonoren Tiefen bis in die schrillen Höhen zu Hause. Seine Kantilenen zeichnen sich durch einen eigenen Reiz aus, wenn sie im großen Orchester ansetzen, wird man immer Zeuge eines besonderen Ereignisses. Im Drama einer musikalischen Partitur setzen die Celli nicht selten die Ausrufezeichen. Vom schönen Klang bis zum dumpfen Schlag, vom edlen Gesang bis zu irritierenden Geräuschnebeln ist alles möglich, und ein wohlgeformter Körper sorgt bei der Riesenvielfalt musikalischer Aktionen immer für gute Resonanz. Pablo Casals war sich über die verborgenen Talente des Violoncellos völlig im Klaren. Er förderte sie mit einer eigenen Komposition, sinnigerweise einem Tanzstück, einer »Sardana«, deren Heimat Katalanien ist. Er setzte sie für ein Cello-Orchester, das über mindestens 32 Leute verfügen muß. Das war 1927.

Venedig, San Marco, 28. November 2009, mit Markus Stockhausen

Ein anderer Meister seines Fachs hatte sieben Jahre zuvor schon kammermusikalische Vorarbeit geleistet. Julius Klengel, Cellovirtuose, -pädagoge und -komponist, schrieb 1920 einen »Hymnus für zwölf Violoncelli«; zusammen mit elf auserwählten Studenten soll er ihn seinem Freund Arthur Nikisch (1895-1922 Chefdirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters) als Ständchen zum 65. Geburtstag dargebracht haben. Zwei Jahre später erlebte das Werk seine für lange Zeit letzte Aufführung: das getragene Stück mit dem tonal mutigen Anfang wurde Ende Januar 1922 zu Nikischs Begräbnis gespielt.

Fünfzig Jahre danach aber sorgte die Kuriosität des Leipziger Virtuosen und Komponisten für ein historisches Ereignis. Mit Klengels Werk begann die Geschichte der Zwölf Cellisten. Das kam so: Kenntnisreiche und findige Salzburger Redakteure hatten die musikgeschichtliche Einmaligkeit in Archiven aufgespürt. Sie fragten beim wichtigsten Festivalorchester ihrer Stadt, den Berliner Philharmonikern, an, ob deren Cellogruppe zu einer öffentlichen Rundfunkaufnahme des hymnischen Widmungsstücks bereit wäre. Die Musiker bejahten. Das Unternehmen wurde ein durchschlagender Erfolg. Er verlangte nach Fortsetzung. Dazu aber mußten zwei wichtige Voraussetzungen geschaffen werden: Stücke für ein Repertoire und ein Management für Auftritte.

Für das erste sorgte unter anderem jene Art von Zufall, der gern mit den Erfolgreichen und Tatkräftigen ist. Wer die Geschichte der Zwölf Cellisten ein wenig mitverfolgt hat, kennt gewiß die wahre Anekdote von der fünfzehnjährigen Komponistentochter, die sich bei Regenwetter per Autostopp durch Berlin bewegte und von einem, der die Adresse und die dahinter wohnende Prominenz gut kannte, bis vor die Haustüre gebracht wurde. Zum Dank brachte sie ihren Vater dazu, eine Komposition für die Cellogruppe des Philharmonischen Orchesters zu schreiben: So entstand in drei Lieferungen eines der Werke, die zum festen Repertoire der Zwölf und zu den beliebtesten Arbeiten ihres »Erfinders« wurde: »Blues, Espanola und Rumba philharmonica für zwölf Violoncelli soli« von Boris Blacher, eine dreiteilige Tanzsuite, die drei Zentren des leidenschaftlichen Tanzes einen avantgardistischen Besuch abstattet: den Afro-Amerikanem in den USA, Spanien und Südamerika.

Die Erweiterung des Repertoires kam durch Aufträge zustande. Berlin machte den Anfang. Die Festspiele GmbH orderte bei Jean Françaix, dem originellen, eigenwilligen Neoklassizisten, der ästhetische Schulen und Stilzwänge ablehnt. Zu seinem viertelstündigen »Morgenständchen« ließ er sich durch Reisebriefe der George Sand inspirieren. Er versprach viel: »Das Finale meiner Aubade läßt die Instrumente dröhnen - wie die Automobile beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, meiner Geburtsstadt, so laut, daß selbst taube Zuhörer klatschen werden, angefeuert noch durch die blitzschnellen Striche der Cellobögen und die dämonischen Gesichter der zwölf Virtuosen.« Theater gehört eben zur Musik. Uraufführung der freundlich temperamentvollen Serenade: 30. September 1975, Neue Nationalgalerie Berlin - das erste abendfüllende Konzert vor heimischem Publikum.

Bonn verpflichtete Iannis Xenakis, den rationalistischen Klangzauberer, der, griechischer Abstammung, in Rumänien geboren, Paris zu seiner Wahlheimat machte. Der Architekt, Mathematiker und Komponist verlangt in seinem »8-Minuten-Thriller« (Wolfgang Stresemann) so ziemlich alles, was Cellisten tonlich und im Zusammenspiel geben können. Virtuosität ist auf allen Ebenen gefordert: technisch, im Erfassen des Ganzen, im Hören und Reagieren. Die Uraufführung fand am 20. November 1976 in Gegenwart des damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel in Bonn statt.

Die 12 Cellisten unterwegs

Weitere Werke kamen hinzu. Michael Braunfels, der Kölner Komponist, schrieb 1975 ein »Symposium« für die Zwölf, Marcel Rubin komponierte 1976 im Auftrag der Wiener Festwochen ein »Concertino«, Helmut Eder für Salzburg seine »Melodia-Ritmica«. Die Schwetzinger Schloßfestspiele gaben bei Günter Bialas die »Assonanzen« in Auftrag, für die Luzerner Festwochen entwickelte Rudolf Kelterborn eine »Scene für 12 Cellisten«, Wolfgang Fortner griff 1983 auf das alte Genre des Madrigals zurück, mit Udo Zimmermanns »Canticum Marianum« verband sich der erste Auftritt der Zwölf in der DDR, bei den Dresdener Musikfestspielen. Jedes Jubiläum der Zwölf aber bringt eine Neuheit. 1992 schenkte Wolfgang Rihm sich zum Vierzigsten und den Cellisten zum Zwanzigsten einen »Augenblick«. 1997 kam der Glückwunsch in Partitur von Brett Dean mit dem Stück: »Twelve angry men«.

Die Zwölf ist eine mythische Zahl, sie steht für Vollkommenheit. Zwölf Monate machen ein Jahr komplett und zwölf (Halb-)Töne eine Oktav, in zwei Mal zwölf Stunden haben Tag und Nacht je einmal ihre Runde gemacht. Zwölf Stämme bildeten das alte Volk Israel, zwölf Vertraute begleiteten den Gründer der hier landläufigen Religion und trugen seine Lehre durch die Lande, zwölf Tore führen in das himmlische Jerusalem, die erträumte Stadt einer freien Menschheit.

Zwölf Cellisten beschäftigen die Berliner Philharmoniker - die Zahl birgt Hintersinn, die bloße, mythenfreie Tatsache aber wirft mancherlei praktische Schwierigkeiten auf. Sie fordert Findigkeit und Witz heraus. Denn wenn die Zwölf in eigener Sache unterwegs sind, kann der Rest des Orchesters einpacken, es wäre denn Blasmusik angesagt, und das ist selten der Fall. Es gibt zwar symphonische Literatur ohne Geigen, aber (fast) keine ohne Celli. Ihnen kommt eben im Orchester doch eine Schlüsselfunktion zu, man mag es drehen und wenden, wie man will: Sie sind unverzichtbar.

Ihre Auftritte können demnach nur in der dienstfreien Zeit liegen, dann, wenn weder Konzerte, noch Aufnahmen, noch Proben auf dem Terminplan stehen. Konzerttage liegen zwar weit im Voraus fest, auch die Produktionstermine für Platten und andere Medien; Probenpläne aber können sich kurzfristig ändern, und so müssen die Zwölf in ihre Verträge immer eine Sonderklausel einbauen, die sonst nur für den Fall höherer Gewalt gilt: Sie sind nur unter gesamtphilharmonischem Vorbehalt zu haben, denn Orchesterdienst geht vor Nebentätigkeit, wie exklusiv und imagebildend diese auch immer sein möge.

Quelle (auch der Bilder): Der Internetauftritt der 12 Cellisten

Track 2: Julius Klengel: Hymnus für 12 Violoncelli, op. 57


TRACKLIST

Die 12 Cellisten Der Berliner Philharmoniker 
The 12 Cellists Of The Berlin Philharmonic 


David Funck (1629-1690) 

(1) Suite D-Dur / in D Major                                        13:59 

Julius Klengel (1859-1933) 

(2) Hymnus für 12 Violoncelli, Op. 57 / for 12 violoncellos, Op.57   6:24 

Boris Blacher (1903-1973) 

(3) Blues - Espagnola - Rumba Philharmonica 
für 12 Violoncelli soli / for 12 solo violoncellos              12:31 

Jean Françaix (1912-1997) 

(4) Aubade für 12 Violoncelli soli / for 12 solo violoncellos       14:42 


                                                    Total Time: 47:41 


Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker:
Eberhard Finke, Ottomar Borwitzky, Wolfgang Böttcher, Peter Steiner,
Heinrich Majowski, Gerhard Woschny, Rudolf Weinsheimer, Christoph Kapler, 
Alexander Wedow, Klaus Häussler, Jörg Baumann, Götz-Wolfgang Teutsch 

® 1976  © 2004

Jorge Luis Borges

Jorge Luis Borges: Autobiographischer Essay

Eines der wichtigsten Ereignisse dieser Jahre - und meines Lebens überhaupt - war der Beginn meiner Freundschaft mit Adolfo Bioy-Casares. Wir begegneten uns 1930 oder 1931, als er etwa siebzehn Jahre alt war und ich gerade dreißig überschritten hatte. Es ist in solchen Fällen die Regel, daß der Ältere der Lehrer, der Jüngere der Schüler ist. Dies mag anfangs so gewesen sein, aber als wir ein paar Jahre darauf gemeinsam zu arbeiten begannen, war wirklich und insgeheim Bioy der Lehrer. Er und ich unternahmen viele literarische Abenteuer. Wir stellten Anthologien argentinischer Dichtung zusammen, phantastischer Erzählungen und Kriminalgeschichten; wir schrieben Artikel und Vorwörter; wir kommentierten Sir Thomas Browne und Gracián; wir übersetzten Kurzgeschichten von Schriftstellern wie Beerbohm, Kipling, Wells und Lord Dunsany; wir gründeten eine Zeitschrift, Destiempo, die drei Nummern erreichte; wir schrieben Filmscripts, die ausnahmslos zurückgewiesen wurden. Im Gegensatz zu meinem Geschmack für das Pathetische, Gefühlvolle, Barocke, überzeugte mich Bioy davon, daß Beherrschtheit und Mäßigung erstrebenswerter seien. Wenn ich es verallgemeinert formulieren darf: so brachte mich Bioy allmählich zum Klassizismus.

Irgendwann in den frühen vierziger Jahren begannen wir zusammen zu schreiben - ein Kunststück, das ich bis dahin für undurchführbar gehalten hatte. Ich hatte mir, wie wir fanden, eine recht gute Handlung für eine Kriminalerzählung ausgedacht. An einem regnerischen Morgen meinte Bioy, wir sollten es versuchen. Zögernd stimmte ich ein, und etwas später an diesem selben Vormittag passierte es. Ein Dritter, Honorio Bustos Domecq, trat auf den Plan und übernahm die Führung. Allmählich und zu unserem Vergnügen herrschte er über uns mit eisernem Stab, aber später wurde er zu unserem Mißbehagen ganz anders als wir selbst, mit eigenen Einfällen, eigenen Wortspielen und einem eigenen auserlesenem Stil. Domecq war der Name eines Urgroßvaters von Bioy, und Bustos der Name eines meiner Urgroßväter aus Córdoba. Bustos Domecqs erstes Buch hieß: Sechs Aufgaben für Don Isidro Parodi (1942), und während es geschrieben wurde, entglitt er nie unserer Kontrolle. Max Carrados hatte einen blinden Detektiv erfunden; Bioy und ich gingen noch einen Schritt weiter und sperrten unseren Detektiv in eine Gefängniszelle. Das Buch wurde gleichzeitig eine Satire auf Argentinien. Jahrelang kam Bustos Domecqs doppelte Identität nicht ans Licht. Als es dann doch geschah, meinten die Leute, da Bustos ein Scherz war, seien auch seine Schriften nicht ernst zu nehmen.

Unsere nächste Zusammenarbeit ergab einen weiteren Detektiv-Roman, Ein Muster für den Tod. Er geriet so persönlich und voller privater Späße, daß wir ihn in einer nicht für den Handel bestimmten Ausgabe veröffentlichten. Den Autor dieses Buches nannten wir B. Suárez Lynch. Das »B.« bedeutete glaube ich Bioy und Borges, »Suárez« war mein anderer Urgroßvater und »Lynch« ein weiterer Urgroßvater von Bioy. Bustos Domecq meldete sich 1946 wieder, in einem diesmal zwei Erzählungen enthaltenden Privatdruck, betitelt Zwei denkwürdige Phantasien. Nach langer Pause nahm Bustos 1967 die Feder wieder auf und brachte seine »Chroniken« heraus. Sie bestehen aus Aufsätzen über erdachte, übertrieben moderne Künstler - Architekten, Bildhauer, Maler, Chefköche, Dichter, Romanschriftsteller, Couturiers - geschrieben von einem hingebungsvoll modernen Kritiker. Aber alle, der Autor wie seine Personen, sind Narren, und es ist schwer zu unterscheiden, wer wen auf den Arm nimmt. Das Buch trägt die Widmung: »Den drei vergessenen Großen - Picasso, Joyce, Le Corbusier«. Selbst der Stil ist parodistisch. Bustos schreibt literarischen Journalismus, wimmelnd von Neologismen, latinisiertem Vokabular, Klischees, zweifelhaften Metaphern, Fehlschlüssen und Schwulst.

Ich bin oft gefragt worden, wie solch eine Zusammenarbeit möglich ist. Ich glaube, sie erfordert die gemeinsame Aufgabe des Ich, der Eitelkeit und wohl auch der allgemeinen Höflichkeit. Die Zusammenarbeitenden sollten sich vergessen und nur im Rahmen der Aufgabe denken. Tatsächlich, wenn jemand mich fragte, ob dieser oder jener Scherz oder ein Epitheton von meiner Seite des Tisches oder von Bioy stammt, so kann ich es ihm wahrhaftig nicht sagen. Ich habe versucht, mit anderen Freunden zusammenzuarbeiten - darunter mit sehr nahestehenden -, aber ihr Unvermögen, einerseits freimütig zu sein und andererseits dickhäutig, ließ diese Methode scheitern. Was die Chroniken des Bustos Domecq angeht, so halte ich sie für gelungener als alles, was ich unter eigenem Namen veröffentlicht habe, und fast so gut wie alles, was Bioy selbst geschrieben hat.

Jorge Luis Borges: Autobiographischer Essay. Aus: Jorge Luis Borges: Borges über Borges. Gesammelte Werke, Band 9, Carl Hanser Verlag, 1980, ISBN 3-446-13000-4 (Zitiert wurde Seite 50 bis 52)

Adolfo Bioy-Casares

Chroniken von Bustos Domecq

Im Klappentext von Obras completas en colaboración stellt Borges fest, die Kunst der literarischen Zusammenarbeit sei eine Umkehr des Falles von Doktor Jekyll und Mister Hyde: nicht aus einer Person zwei, sondern aus zwei Personen eine machen. Dieser »aristotelische Dritte« pflege dann von seinen Komponenten abzuweichen und werde von ihnen geschmäht. So liege auch der traurige Fall des Erzählers Bustos Domecq, den Bioy und Borges verleumdeten und dem sie seine barocke Vulgarität vorwürfen.

Sicher hätten Borges und Bioy Casares bissige, sprühende Satiren über alle möglichen Verirrungen der modernen Kunst abfassen können; statt dessen haben sie Bustos Domecq, der alles liebt, solange es nur ausreichend modern und unsinnig ist, tumbe Lobreden absondern lassen. So sind die Chroniken von Bustos Domecq nicht nur maskierte Satiren auf gewisse »moderne Phänomene«, sondern gleichzeitig hämische Spiele: mit den Autoren, Köchen, Malern, Architekten, Dichtern, die Unsinn produzieren, mit dem Publikum, das den Unsinn schluckt, mit den Kritikern, die für jeden Unsinn noch eine hochtrabende Begründung erfinden. Vor allem mit dem (nicht nur argentinischen) Provinzler, der all das großartig findet.

Das Spiel geht bis in die letzten Einzelheiten der »barock vulgären« Sprache, der Bustos Domecq sich angestrengt befleißigt. Sätze wie »Der erste Name, der uns ... die Hand reicht, ist der von Lambkin Formento« oder »... der heute an der Schwelle zur Namhaftigkeit steht, war 1938 nahezu unbekannt« (in Naturalismus à la mode), »Ich schlüpfte in meine Brille« (in Auf der Suche nach dem Absoluten) und jener Mensch, der »von der kleinsten Übelkeit betrunken« wird (in Der Sohn seines Freundes) stehen so im Original und sind keine Übersetzungs-Blüten.

Manche Passagen muß man wohl mehrfach lesen, um Bustos Domecqs Verdrehungen und niederträchtige Sinnlosigkeiten zu sehen. »... daß erstere der obengenannten Vokabeln ihre angemessenste Anwendung im Bereich des Romans findet, wogegen die zweite sich auf eine ganze Reihe verschiedener Gebiete zu beschränken hat« (in Naturalismus à la mode) oder zwei Stellen aus Der Gremialist, wo es heißt, etwas sei »der Fels, der sich der Lava der Anarchie in den Weg stellt«, und wo Bustos Domecq einen Autor namens Cattaneo bezichtigt, ein Buch nicht gelesen zu haben und den Verfasser Baralt mit einem Pornographen namens Cottone zu verwechseln, während tatsächlich Bustos Domecq keines der betreffenden Bücher (außer vielleicht dem pornographischen Kurzroman) gelesen hat und Cattaneo mit Cottone verwechselt - dies alles sind glänzende Fehlleistungen, die die Weltliteraten Borges und Bioy dem Provinzliteraten Bustos unterschieben.

Gisbert Haefs, im Nachwort zu den Chroniken

Die Auszüge aus den Chroniken stammen aus: Jorge Luis Borges - Adolfo Bioy Casares: Gemeinsame Werke, Band 2; herausgegeben und übersetzt von Gisbert Haefs, Carl Hanser Verlag, 1985, ISBN 3-446-13891-9.

Das selektive Auge

Das Echo, das ein gewisser, von der S.A.D.A. (Sociedad Argentina de Arquitectos[Argentinische Architektenvereinigung]) mit Trommeln und Fanfaren geführter Nervenkrieg, verschärft durch finstere Machenschaften des technischen Direktors der Plaza Garay, in der Boulevardpresse fand, wirft ein übergrelles Licht, ohne Schirm und chinesischen Paravent, auf die übergangene Arbeit und die geschätzte Persönlichkeit des unbestechlichsten unserer Bildhauer: Antártido A. Garay.

Das weckt im Gedächtnis, welches so sehr der Amnesie zuneigt, bedeutende Erinnerungen an jenen unvergeßlichen Königsfisch mit Kartoffeln, benetzt von einem Rheinwein, den wir um 1929 in einem Hinterzimmer bei Loomis genossen. Alles, was in der damaligen, nunmehr verwichenen Generation - literarischen Aspekts, versteht sich - Rang und Namen hatte, war an jenem Abend zur Beschwörung des Schmauses und der Musen in die Calle Parera geeilt. Der letzte Trinkspruch mittels Champagner ging zu Lasten der behandschuhten Rechten des Doktors Gervasio Montenegro. Allenthalben sprühten Epigramme auf. Mein Nachbar am Tisch - an einer Ecke desselben, wo dieser befrackte Tantalus von einem ausländischen Kellner uns bei der Nachspeise überging - war ein junger Mann aus der Provinz, ganz Bescheidenheit und Klugheit, der mir nicht ein einziges Mal ins Wort fiel, während ich mich ausführlichst über die darstellenden Künste verbreitete. Man muß also zumindest anerkennen, daß mein Tischgenosse voll und ganz auf der Höhe meiner reichlich strömenden Rede war; beim Milchkaffee, den wir in der Kneipe Zu Den Fünf Straßenecken zu uns nahmen, teilte er mir gewissermaßen am Ende meines analytischen Dithyrambus über den Brunnen von Lola Mora mit, er sei Bildhauer, und lud mich mittels einer Karte zu der Ausstellung seiner Werke ein, die für seine Freunde und andere geneigte Personen im Salon der Freunde der Kunst, vormals Van Riel, stattfinden sollte. Bevor ich ihm mein Kommen zusagte, gestattete ich ihm, die Rechnung zu begleichen - eine Handlung, zu der er sich erst entschließen konnte, als die Straßenbahn 38 die ersten Arbeiter zur Frühschicht gebracht hatte.

Am Tag der Vernissage war ich persönlich anwesend. Am ersten Nachmittag herrschte Hochbetrieb in der Ausstellung; danach beruhigte sich der Markt, ohne daß jedoch ein einziges Stück verkauft worden wäre. Die Kärtchen, auf denen »Verkauft« stand, konnten niemanden täuschen. Allerdings versüßte die Zeitungskritik die Pille, so gut es ging; man spielte auf Henry Moore an und gab sich redliche Mühe, Lob zu äußern. Ich selbst veröffentlichte, um mich für den Kaffee zu revanchieren, in der Revue de l'Amérique Latine eine kleine lobende Notiz, wenn auch camouflé unter dem Pseudonym »Kürzel«.

Die Ausstellung zerbrach keine alten Gußformen; sie bestand im Gegenteil aus Gipsabgüssen der Sorte, wie Kunstlehrerinnen in der Grundschule sie vorführen; sie standen zu zweit oder zu dritt einander gegenüber und stellten Blätter, Füße und Früchte dar. Antártido A. Garay erschloß uns den Zugang, indem er erläuterte, man solle sich nicht um die Blätter kümmern noch um die Füße oder Früchte; wichtig sei vielmehr der Raum bzw. die Luft zwischen den Abgüssen; es handle sich nämlich um etwas, das er - wie mir viel später dank der französischen Ausgabe seiner Erläuterungen klar wurde - Konkavskulptur nannte.

Der Erfolg, den die erste Ausstellung erreichte, sollte sich später mit der zweiten wiederholen. Diese fand in einem Lokal des malerischen Viertels Caballito statt und bestand schlicht aus ambiente, wobei nichts zu erblicken war als vier nackte Wände, einige Simse oder Leisten an der Decke sowie ein halbes Dutzend Schutthäufchen, verteilt auf den Fliesen des Parketts. »All das«, so erleuchtete ich am Schalter, wo ich mit Eintrittskarten zu nullfünfundvierzig meinen Rebbach machte, die Unwissenden, »hat nicht den geringsten Wert; für den verfeinerten Geschmack zählt nur der Wandelraum zwischen den Leisten und dem Schutt.« Die Kritik, die nicht über ihre eigene Nasenspitze hinauszuschauen vermag, begriff die überzeugende Evolution nicht, die sich im Zwischenraum abspielte, und beschränkte sich darauf, das Fehlen von Blättern, Früchten und Füßen zu beklagen. Die Ergebnisse dieser Kampagne, die als unklug zu bezeichnen ich nicht zögere, ließen nicht lange auf sich warten. Das anfänglich zu Scherzen aufgelegte, gutmütige Publikum wurde nach und nach übellaunig, und schließlich steckte man die Ausstellung in Brand, ausgerechnet am Vorabend des Geburtstags des Bildhauers, und dieser erlitt durch das Auftreffen der Schuttbrocken in jener Region, die man vulgär die Hintere heißt, erhebliche Quetschungen. Was den Kartenverkäufer betrifft - Ihren Diener -, so hatte dieser die kommenden Ereignisse gewittert, und um nicht auch noch im Wespennest herumzustochern, zog er sich beizeiten zurück, wobei er den eingenommenen Betrag in einem Pappkoffer rettete.

Mein Weg war vorgezeichnet: Einen Unterschlupf, ein Nest, ein schwierig aufzufindendes Refugium suchen, um im Dunkel zu verweilen, während die Kurpfuscher vom Hospital Durand sich des Gequetschten annahmen. Auf Anraten eines schwarzen Kochs ließ ich mich im Neuen Unparteiischen nieder, einem Hotel in der Nähe des Once-Bahnhofs, wo ich das Material für meine detektivische Studie Das Opfer des Tadeo Limardo* sammelte, und wo ich mir auch einige nähere Begegnungen mit Juana Musante nicht verkniff.

Viele Jahre später, in der Western Bar, wo ich vor einem Milchkaffee und Croissants saß, überraschte mich Antártido. Er hatte sich längst von seinen Verletzungen erholt, und indem er keine Anspielung auf das Pappköfferchen machte, bewies er Feingefühl. Wir erneuerten alsbald unsere alte Freundschaft mittels der Wärme eines zweiten Milchkaffees, den er, wie jenen ersten, aus seiner Tasche bezahlte.

Aber wozu ist es gut, der Vergangenheit nachzusinnen, wenn die Gegenwart in Kraft tritt? Wie auch der Begriffsstutzigste kapiert haben sollte, spreche ich von der prächtigen Ausstellung an der Plaza Garay, die die besessene Arbeit und das schöpferische Genie unseres so arg gebeutelten champions gekrönt hat. Alles wurde sotto voce in der Western Bar geplant. Bier und Kaffee wechselten sich ab; ohne uns der Vertilgung dieser Flüssigkeiten bewußt zu werden, plauderten wir freundschaftlich weiter. Dabei flüsterte er mir Genaueres über sein neues Projekt zu, das bei Licht besehen nur aus einem Plakat mit der Aufschrift Ausstellung von Skulpturen von Antártido A. Garay bestand, das wir, wenn wir es an zwei Holzstangen befestigt hätten, an einer gut einsehbaren Stelle anbringen wollten, so daß die aus der Avenida Entre Rios kommenden Passanten es sehen müßten. Zu Beginn focht ich für Frakturschrift, doch einigten wir uns schließlich auf weiße Lettern auf rotem Grund. Da uns jegliche städtische Erlaubnis fehlte, nutzten wir die tiefe Nacht, in der der Nachtwächter schläft, um bei strömendem Regen, der unser beider Köpfe netzte, das Plakat anzubringen. Nach vollzogener Tat brachen wir in verschiedene Richtungen auf, um nicht den Sbirren in die Hände zu fallen. Mein derzeitiges Domizil ist ganz in der Nähe, Calle Pozos; der Künstler mußte zu Fuß bis zum Wohnviertel an der Plaza de Flores gelangen.

Am folgenden Morgen tauchte ich - getrieben von lauterer Habgier, und um dem Freund zuvorzukommen - auf dem grünen Geviert der Plaza auf, mit der rosenfingrigen Morgenröte, als der Regen über dem Plakat bereits aufgehört hatte und die Vögelchen mich begrüßten. Eine schlichte Kappe mit Wachstuchschirm und ein Bäckerkittel mit Perlmuttknöpfen verliehen mir Autorität. Was Eintrittskarten angeht, so hatte ich die Voraussicht gehabt, in meinem Archiv die vom letzten Mal übriggebliebenen aufzubewahren. Welch ein Unterschied zwischen den schlichten, wenn man so will zufälligen Passanten, die ohne zu murren den sonst für ihr Exemplar von La Nación bestimmten halben Peso entrichteten, und dem Haufen eingetragener Architekten, die uns drei Tage später den Prozeß machten! Trotz allem, was die Rechtsverdreher sagen mögen, ist die Sache doch eindeutig klar. Dies hat schließlich sogar in seiner inzwischen historischen Kanzlei in der Calle Pasteur unser Anwalt, Doktor Savigny, begriffen. Der Richter, den wir in letzter Instanz mit einem Bruchteil der eingenommenen Eintrittsgelder bestechen werden, hat das letzte Wort. Ich bin darauf vorbereitet, am Schluß als Letzter zu lachen. Hiermit sei allen kundgetan, daß das bildhauerische Werk von Garay, ausgestellt auf dem gleichnamigen Platz, aus dem Raum besteht, der zwischen den Gebäuden an der Kreuzung Solis und Pavón liegt und bis in den Himmel reicht, ohne natürlich die Bäume, die Bänke, den Bach und die Bewohner, die vorbeikommen, zu vergessen. Das selektive Auge setzt sich durch!

PS: Garays Pläne werden immer gewaltiger. Der Ausgang des Prozesses läßt ihn kalt; er träumt heute von einer Ausstellung, Nummer Vier, die das ganze Núñez-Viertel einschließen soll. Vielleicht wird schon morgen, wer weiß, sein meisterhaftes und und so argentinisches Werk allen Luftraum annektieren, den es zwischen den Pyramiden und der Sphinx gibt.

* Wichtige Mitteilung. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, den Käufern den sofortigen Erwerb von Sechs Probleme für Don Isidro Parodi von H. Bustos Domecq nahezulegen. (Anmerkung von H. B. D.)

Quelle: Seite 61-65

Eine Kunst blüht auf

Es ist nicht zu glauben, aber die Formel »funktionale Architektur«, die die Leute vom Fach nicht ohne ein mitleidiges Lächeln aussprechen, betört die breite Öffentlichkeit noch immer. In der Hoffnung, den Begriff zu erklären, wollen wir in groben Umrissen ein knappes Panorama der zur Zeit en vogue befindlichen architektonischen Strömungen entwerfen.

Die Ursprünge liegen zwar noch sehr nahe, doch verschwimmen sie in polemischen Wolken. Zwei Namen machen einander den Vortritt streitig: Adam Quincey, der 1937 in Edinburgh eine seltsame Broschüre drucken ließ, auf deren Titelblatt man Für eine Architektur ohne Zugeständnisse lesen konnte, und Alessandro Piranesi aus Pisa, der nur wenige Jahre später auf eigene Kosten das erste Chaotikum der Geschichte errichtete, das erst kürzlich wieder aufgebaut wurde. Unwissende Massen, getrieben von der unsinnigen Lust, in das Gebäude einzudringen, steckten es mehrmals in Brand, bis in der Nacht von Sankt Johannes auf Sankt Peter nichts als ein wenig Asche übrigblieb. Inzwischen war Piranesi gestorben, doch machten Photographien und ein Entwurf den Wiederaufbau möglich, dessen Ergebnis - man kann es heute bewundern - allem Anschein nach den ursprünglichen Richtlinien gehorcht.

Im kalten Licht der augenblicklichen Perspektiven abermals gelesen bietet die kurze und schlecht gedruckte Broschüre von Adam Quincey dem Neuheitssüchtigen nur karge Kost. Wir wollen dennoch einen bestimmten Absatz hervorheben. Im betreffenden Abschnitt heißt es: »Emerson, dessen Gedächtnis erfindungsreich zu sein pflegte, weist Goethe die Formulierung zu, Architektur sei erstarrte Musik. Diese Sentenz und unsere persönliche Unzufriedenheit angesichts der Werke brachten uns gelegentlich dazu, von einer Architektur zu träumen, die wie die Musik unmittelbarer Ausdruck des Empfindens wäre, den Anforderungen an eine Behausung oder einen Versammlungsort nicht unterworfen.« Weiter unten lesen wir: »Le Corbusier hält das Haus für eine Lebensmaschine - eine Definition, die sich weniger auf das Taj Mahal als auf eine Eiche oder einen Fisch anwenden ließe.« Solche Behauptungen, die heute Axiome oder Binsenweisheiten sind, provozierten damals zerschmetternde Blitze von Gropius und Wright, die sich im tiefsten Kern ihrer Arbeit getroffen fühlten; außerdem verblüfften sie viele Leute. Der Rest der Broschüre attackiert Die sieben Leuchter der Baukunst von Ruskin - eine Debatte, die uns heute langweilt.

Es ist von geringer oder gar keiner Bedeutung, ob Piranesi die erwähnte Broschüre kannte oder nicht; unbestreitbar ist jedoch, daß er auf bis dahin sumpfigem Gelände an der Via Pestifera, mit Hilfe von Maurern und fanatischen Greisen, das Große Chaotikum von Rom errichtete. Dies edle Bauwerk, das einige für eine Kugel, andere für eine Art Ei und die Reaktionäre für eine formlose Masse halten, und dessen Materialien die ganze Breite zwischen Marmor und Mist umfassen, Guano eingeschlossen, bestand im wesentlichen aus Wendeltreppen, die den Zugang zu undurchdringlichen Wänden ermöglichten, außerdem aus abgeschnittenen Brücken, aus Balkonen, die man nicht betreten konnte, aus Türen, die sich zu Brunnen oder gar zu engen, hohen Wohnräumen öffneten, von deren Decken umgedreht bequeme Betten oder Sessel herabhingen. Auch der Konkavspiegel glänzte mitnichten durch Abwesenheit. In einem Anflug von Begeisterung begrüßte die Zeitschrift The Tatler das Werk als erstes konkretes Beispiel des neuen architektonischen Bewußtseins. Wer hätte damals wohl geglaubt, daß man in einer nicht allzu fernen Zukunft das Chaotikum zaghafter Rückschrittlichkeit zeihen würde!

Wir denken nicht daran, auch nur einen Tropfen Tinte und eine Minute Zeit zu vergeuden, indem wir beschreiben (und schmähen), was da an plumpen Imitationen dem Publikum (!) dargeboten wurde, sei es im Luna-Park der Ewigen Stadt oder auf den angesehensten Ausstellungen der Stadt des Lichts.

Unserer Aufmerksamkeit würdig, wiewohl eklektisch, ist der Synkretismus von Otto Julius Manntoifel, dessen Sanktuarium der Vielen Musen zu Postdam Wohnhaus, Drehbühne, Wanderbibliothek, Wintergarten, makellose Skulpturengruppe, evangelische Kapelle, buddhistisches Tempelchen, Eislaufbahn, Wandfresko, polyphone Orgel, Wechselstube, Pissoir, türkisches Bad und Sahnetorte vereinigte. Die kostspielige Unterhaltung dieses vielgestaltigen Bauwerks führte zur Zwangsversteigerung und zum Abriß, der die Feierlichkeiten, die den Tag seiner Eröffnung gekrönt hatten, unmittelbar fortsetzte. Wir wollen das Datum nicht vergessen! 23. oder 24. April 1941!

Es ist nicht zu vermeiden, daß wir nun auf eine Figur von noch größerer Gewichtigkeit zu sprechen kommen, den Maestro Verdussen aus Utrecht. Dieser Mann des konsularischen Corps schrieb und machte Geschichte; 1949 veröffentlichte er das Buch, das er Organum Architecturae Recentis betitelte; 1952 eröffnete er unter der Schirmherrschaft des Prinzen Bernhardt sein Haus Der Türen Und Fenster, wie die ganze niederländische Nation es liebevoll taufte. Fassen wir seine These zusammen: Wand, Fenster, Tür, Boden und Dach stellen zweifellos die grundlegenden Elemente des habitat des modernen Menschen dar. Nicht die frivolste Comtesse in ihrem boudoir noch der traurigste Zeitgenosse, der in seiner Zelle des Tageslichts harrt, nach dessen Erstrahlen man ihm seinen Platz auf dem elektrischen Stuhl zuweisen wird, entgehen diesem Gesetz. Die petite histoire flüstert uns ins Ohr, ein Vorschlag Seiner Königlichen Hoheit habe genügt, um Verdussen zur Einbeziehung zweier weiterer Elemente zu bewegen: Schwelle und Treppe. Das Bauwerk, darin diese Gesetze illustriert sind, bedeckt eine rechteckige Bodenfläche, die sechs Meter breit und etwas weniger als achtzehn Meter tief ist. Jede der sechs Türen, die die Fassade des Erdgeschosses ausmachen, führt nach neunzig Zentimetern zu einer weiteren gleichen, einflügeligen Tür und so immer fort, bis man nach siebzehn Türen zur rückwärtigen Wand gelangt. Schlichte Zwischenwände trennen die sechs parallelen Systeme, in denen sich insgesamt einhundertundzwei Türen finden. Von den Balkonen des gegenüberliegenden Hauses kann der Wißbegierige feststellen, daß im ersten Stockwerk ein Überfluß an sechsstufigen Treppen herrscht, die im Zickzack auf- und absteigen; das zweite Stockwerk besteht ausschließlich aus Fenstern; das dritte aus Schwellen; das vierte und letzte aus Fußböden und Dächern. Das Bauwerk ist aus Glas; diese Eigenschaft erleichtert entschieden eine Untersuchung von den Nachbarhäusern aus. Dies Juwel ist von einer solchen Vollkommenheit, daß niemand gewagt hat, es zu imitieren.

Bis hierher haben wir grosso modo die morphologische Entwicklung der Unbewohnbaren nachgezeichnet, heftiger und erfrischender Böen der Kunst, die dem Utilitarismus auch nicht den kleinsten Tribut zollen: niemand betritt sie, niemand verläßt sie, niemand sitzt in ihnen; niemand verbirgt sich in den Höhlungen, niemand grüßt mit der Hand vom unzugänglichen Balkon, niemand winkt mit dem Taschentuch, niemand stürzt sich aus dem Fenster. Le tout n'est qu'ordre et beauté.

PS: Die Fahnen des vorstehenden Panoramas sind bereits korrigiert, und nun informiert man uns durch ein Kabeltelegramm, daß ausgerechnet in Tasmanien eine neue Knospe aufgegangen ist. Hotchkis de Estephano, der bis zum heutigen Tage mit den orthodoxesten Strömungen der nichtbewohnbaren Architektonik schwamm, hat ein Ich klage an ausgestoßen, das selbst dem bislang verehrten Verdussen den Boden unter den Füßen wegziehen soll. Hotchkis führt an, Wände, Böden, Dächer, Türen, Bullaugen, Fenster, wie unbenutzbar auch immer, seien doch nur veraltete, fossile Elemente eines funktionalen Traditionalismus, den man glaube, verworfen zu haben, und der sich durch die Hintertür wieder einschleiche. Mit Pauken und Trompeten kündigt er ein neues Unbewohnbares an, das auf derlei Antiquiertheiten verzichtet, ohne jedoch zur schieren Masse zu verkommen. Mit dem lebhaftesten Interesse harren wir der Modelle, Pläne und Photographien dieser neuesten Expression.

Quelle: Seite 51-55

CD Info and Scans (Tracklist, Covers, Booklet, Music Samples, Pictures) 22 MB
rapidgator --- embedupload --- Filepost --- Depositfile --- uploadable

Unpack x136.rar and read the file "Download Links.txt" for links to the Flac+Cue+Log Files [47:41] 3 parts 199 MB

Reposted on December 6, 2014

Top 20 blogs of Classical Music News

50 Other Classical Music News

Klassische Musik - Nachrichten

Noticias de música clásica

Musique classique nouvelles

Notizie di musica classica

Blog-Labels

13ettina (1) A New York City Freelance Orchestra (1) A New York City Freelance Quartet (1) Abbado Claudio (2) Abel Carl Friedrich (1) Academy of St Martin in the Fields (1) Academy of St Martin in the Fields' Chamber Ensemble (1) Achron Isidor (2) Adkins Darret (1) Admonter Riesenbibel (1) Adorno Theodor W (3) Afrikanische Kunst (1) Ägyptische Kunst (1) Akkordeon (1) Alberni Quartet (1) Albert Schweitzer Quintett (1) Albus Anita (2) Alessandrini Rinaldo (1) Alewyn Richard (1) Alma Mahler Sinfonietta (1) Alt Jakob (2) Alt Rudolf von (1) Altdorfer Albrecht (2) Alte Musik (77) Altenberg Trio Wien (1) Altmeyer Theo (1) Aly Götz (1) Amadeus Quartet (3) Amati String Trio (1) Ambrosian Chorus (1) Ameling Elly (2) Amps Kym (2) Anagrammatik (1) Anders Hendrik (1) Andersen Stig (1) Angeles Victoria de las (1) Ank Matthias (1) Anthem (1) Antiphon (1) Antoni Carmen-Maja (1) Antunes Jorge (1) Aperto Piano Quartet (1) Aradia Ensemble (1) ARC Ensemble (Artists of The Royal Conservatory) (1) Archäologie (2) Arditti String Quartet (6) Arenski Anton Stepanowitsch (1) Argerich Martha (1) Arie (1) Ariès Philippe (2) Ariosto Ludovico (1) Arnold Schoenberg Chor (1) Aron Raymond (1) Aronowitz Cecil (1) Arrau Claudio (2) Ars Antiqua Austria (2) Asch David van (2) Ashkenazy Vladimir (3) Ashkenazy Vovka (1) Assenbaum Aloysia (1) Ast Balthasar van der (1) Aubert François (1) Aubigné Agrippa d' (1) Auer Quartet (1) Auerbach Erich (3) Aurora String Quartet (1) Auryn Quartett (2) Austbø Håkon (1) Austen Jane (1) Avery James (1) Babbage Charles (1) Bach C.P.E. (2) Bach J.S. (25) Bachmann Ingeborg (1) Bagatelle (2) Bailly David (1) Baldassari Maria Luisa (1) Baldwin Dalton (1) Ball Andrew (1) Ballade (1) Ballet de cour (1) Balthus (1) Bamberger Streichquartett (1) Banchini Chiara (4) Barca Calderón de la (1) Barenboim Daniel (5) Barnes Julian (1) Barolsky Paul (1) Baroncini Simone (1) Bartholomée Pierre (1) Bartok Bela (3) Bartoli Pietro Sante (1) Batoni Pompeo (1) Batz Eugen (1) Baudelaire Charles (3) Baumann Eric (1) Bauni Axel (1) Bay Emanuel (1) Bayeux Teppich von (1) Beauséjour Luc (1) Beaux Arts Trio (3) Beda Venerabilis (1) Beer Johannes (1) Beethoven Academie (1) Beethoven Ludwig van (20) Beethoven Trio Ravensburg (2) Beglau Bibiana (1) Belli Massimo (1) Bellini Giovanni (2) Bellman Carl Michael (1) Bellotto Bernardo (2) Ben Omar Maurizio (1) Benda Franz (1) Benjamin Walter (2) Bennett Charles (1) Bennett William (1) Berberian Cathy (1) Berg Alban (3) Berganza Teresa (1) Berger John (1) Bergeron Sylvain (1) Berio Luciano (2) Berkeley Lennox (1) Berkeley Michael (1) Berkes Kálmán (1) Berliner Oktett (1) Berliner Philharmoniker (2) Berliner Philharmonisches Oktett (1) Berliner Symphoniker (1) Berner Streichquartett (2) Bernhardt Sarah (1) Bernstein Walter Heinz (1) Bertali Antonio (2) Berwald Franz (3) Best Martin (1) Besucherflagge (1) Bethge Hans (1) Bettelheim Dolf (1) Beyer Achim (1) Biber Heinrich Ignaz Franz (4) BibliOdyssey (5) Bibliophilie (5) Bierce Ambrose (1) Binkley Thomas (1) Biografie (1) Bioy-Casares Adolfo (1) Blacher Boris (3) Blacher Kolja (2) Blair String Quartet (1) Blake William (2) Bläser (3) Bläserquintett (7) Blasmusik (1) Blau Christopher (1) Bleckmann Theo (1) Bloch Ernst (1) Blochwitz Hans Peter (1) Blom Philipp (1) Blumenberg Hans (1) Blumenthal Daniel (1) Blutmond (1) Boccherini Luigi (4) Boccioni Umberto (1) Böcklin Arnold (3) Bode Wilhelm von (1) Boeckl Herbert (1) Boehlich Walter (1) Böhm Karl (1) Böll Heinrich (1) Bonifaz VIII (1) Bonnard Pierre (1) Bonnet Jacques (1) Bonucci Rodolfo (1) Borchert Wilhelm (1) Bordoni Paolo (1) Borg Kim (1) Borges Jorge Luis (1) Borodin Alexander (1) Borodin Quartet (2) Borst Arno (2) Bortolotti Werner Amadeus (1) Bosch Hieronymus (1) Boskovsky Willi (1) Boston Symphony Orchestra (1) Bottesini Giovanni (1) Botticelli Sandro (1) Bouguereau William (1) Boulanger Lili (1) Boulez Pierre (3) Bouscarrut Katia (1) Bouts Dieric the Elder (2) Bovary Emma (1) Brahms Johannes (15) Brain Dennis (1) Brandis-Quartett (1) Brant Sebastian (1) Brassai (1) Braunfels Walter (2) Brecht Bertolt (4) Breitwieser Wolfgang (1) Brendel Alfred (1) Breton André (1) Britten Benjamin (3) Brizzi Aldo (1) Brown Donna (1) Brown Ford Madox (1) Brown Stephanie (1) Bruch Max (2) Bruckner Anton (1) Bruckner Pascal (1) Bruegel Pieter (der Ältere) (3) Brunel Isambard Kingdom (1) Brunelleschi Filippo (1) Brunnert Christian (1) Bruno Giordano (1) Bruns Martin (1) Bruns Peter (2) Brusatin Manlio (2) Bücherwurm (1) Buchmalerei (3) Budapester Streichquartett (1) Bunia Remigius (1) Bunuel Luis (1) Burashko Andrew (1) Burger Rudolf (1) Burgos Rafael Frühbeck de (1) Burkhardt Jacob (1) Burne-Jones Edward (2) Burns Thomas (1) Burnside Iain (1) Busch Adolf (2) Busch Wilhelm (2) Busch-Quartett (2) Busoni Ferruccio (3) Bussotti Sylvano (1) Byrd William (1) Byron George Gordon (1) Caccini Francesca (1) Caccini Giulio (1) Cage John (4) Calame Alexandre (1) Campagnola Giulio (1) Campin Robert (3) Campra André (2) Camus Albert (1) Canzone (1) Canzonetta (1) Capa Robert (1) Capella Fidicinia (1) Capella Lipsiensis (3) Capella Sansevero (1) Capriccio (2) Cara Marchetto (1) Caravaggio (4) Carmina Burana (2) Caron Firminus (1) Carroll Thomas (1) Cartari Vincenzo (1) Carter Elliott (1) Cartier-Bresson Henri (1) Casals Pablo (2) Casarramona Michel (1) Castaldi Bellerofonte (1) Caussé Gérard (1) Cavalcanti Guido (2) Cavallini Pietro (1) Cavina Claudio (2) Celan Paul (2) Cellokonzert (2) Cellosonate (22) Cembalo (3) Cervantes Miguel de (1) Cézanne Paul (1) Chagall Marc (1) Chamber Orchestra of Europe (1) Chanson (7) Charpentier Marc-Antoine (2) Chausson Ernest (1) Chavannes Puvis de (1) Cherubini Luigi (2) Chilingirian Quartet (1) Chirico Giorgio de (1) Choi Jennifer (1) Choir of Winchester Cathedral (1) Chopin Frédéric (6) Chor St.Hedwigs-Kathedrale Berlin (1) Choralvorspiel (1) Chormusik (2) Christ Wolfram (1) Christie William (1) Christophers Harry (1) Ciconia Johannes (2) Cimabue (1) Cittadini Pierfrancesco (1) City of London Sinfonia (1) Clancy Robert (1) Claudius Matthias (3) Clemencic Consort (1) Clemencic René (1) Cluytens André (1) Coburg Hermann (1) Cölestin V (1) Collard Jean-Philippe (1) Collegium Aureum (1) Collegium Vocale Köln (1) Concentus musicus Wien (1) Concerto (2) Concerto grosso (2) Concerto Italiano (1) Concerto Vocale (1) Concilium musicum (1) Consortium Classicum (3) Constable John (2) Continuum (3) Cornelius Peter von (1) Corot Jean-Baptiste Camille (1) Correggio (1) Cortot Alfred (2) Courbet Gustave (2) Couture Thomas (1) Cowell Henry (1) Cozzolino Luigi (1) Crawford Seeger Ruth (1) Creed Marcus (1) Crees Eric (1) Cruz Juan de la (1) Curtius Ernst Robert (2) Cusack Cyril (1) Cusanus Nicolaus (1) Cziffra Georges (1) Cziffra György Jr (1) d'India Sigismondo (1) Dalberto Michel (1) Dalí Salvador (1) Damore Robin (1) Dante Alighieri (1) Danzi-Bläserquintett Berlin (1) Dart Thurston (1) Daumier Honoré (1) David Jacques-Louis (4) Debussy Claude (4) Degas Edgar (1) Dehmel Richard (2) Delacroix Eugène (1) Demus Jörg (3) Der Spiegel (1) Derrida Jacques (1) Desmarest Henry (1) Desprez Josquin (2) Detmolder Bläser (1) Diabolus in Musica (1) Diana und Aktäon (1) Dickinson Emily (1) Die 12 Cellisten (1) Die Kunst der Fuge (5) Diem Peter (2) Dietrich Albert (1) Dietrich Marlene (1) Diophant (1) Dixit Dominus (1) Dobrowen Issay (1) Dohnányi Christoph von (1) Domus (1) Donizetti Gaetano (1) Donne John (1) Doppelquartett (1) Doré Gustave (1) Dossi Dosso (1) Double Edge (1) Doufexis Stella (2) Dráfi Kálmán (1) Dramatik (3) Drobinsky Mark (1) Duchable François-René (1) Duchamp Marcel (1) Dufay Guillaume (1) Duis Thomas (1) Duo (19) Duparc Henri (1) Durand Auguste (1) Dürer Albrecht (8) Dussek Jan Ladislav (1) Dvorak Antonin (5) Dyck Anthony van (2) Eberl Anton (1) Eberle-Wesser Rita (1) Eco Umberto (3) Edouard Odile (1) Eichelberger Freddy (1) Eichendorff Joseph von (1) Eickhorst Konstanze (1) Eisenlohr Ulrich (2) Eisler Hanns (3) Elektronische Musik (2) Elias Norbert (1) Eliot T. S. (3) Elsner Christian (1) Elson Steve (1) Emerson String Quartett (2) Endymion (1) Enescu George (2) Engel Karl (1) English Chamber Orchestra (1) Ensemble 415 (4) Ensemble Aurora (1) Ensemble Claude Goudimel (1) Ensemble Clematis (1) Ensemble Clément Janequin (3) Ensemble Concercant Frankfurt (1) Ensemble Dulce Melos (2) Ensemble Hypothesis (1) ensemble KONTRASTE (1) Ensemble Les Eléments (1) Ensemble Les Nations (1) Ensemble Musique Oblique (1) Ensemble Organum (1) Ensemble Unicorn (1) Ensemble Villa Musica (1) Ensemble Wien-Berlin (1) Enso Quartet (1) Enzensberger Hans Magnus (2) Epoca Barocca (1) Erben Frank-Michael (1) Erben Friedrich-Carl (1) Erhardt Heinz (1) Erler David (1) Ernst Max (2) Eschenbach Christoph (2) Evangelisti Franco (2) Exaudi (1) Eyck Jacob van (1) Eyck Jan van (3) Fantasie (4) Fantin-Latour Henri (2) Farina Carlo (1) Fauré Gabriel (5) Faust (1) Febvre Lucien (2) Fedele David (1) Fedotov Maxim (1) Feldman Morton (2) Fermat Pierre de (1) Ferneley John E + John jun. + Claude Lorraine + Sarah (1) Ferrabosco Alfonso I (1) Ferrabosco Alfonso II (1) Fessard Jean-Marc (1) Février Jacques (1) Figueras Montserrat (2) Firkusny Rudolf (1) Firtl Mátyás (1) Fischer Edwin (1) Fischer-Dieskau Dietrich (15) Fischer-Dieskau Manuel (1) Flasch Kurt (1) Flaubert Gustave (2) Flémalle Meister von (1) Flohwalzer (1) Flora Paul (1) Florenzia Ghirardellus de (1) Flötensonate (4) Flötentrio (1) Flury Dieter (1) Foley Timothy W (1) Fontana Gabriele (1) Fontana Giovanni Battista (1) Fontane Theodor (2) Forqueray Jean-Baptiste-Antoine (1) Forster Karl (1) Fortner Wolfgang (1) Foster Jenkins Florence (1) Fouquet Jean (1) Fournier Carmen (1) Fournier Pierre (2) Fournier Suzanne (1) Fragonard Jean Honore (1) Françaix Jean (2) Francesco d'Assisi (1) Franck César (2) Frankfurter Schule (3) Frantz Justus (1) Französische Kantate (1) Frescobaldi Girolamo (2) Freud Sigmund (2) Friedrich Caspar David (4) Friedrich Hugo (1) Frisch Céline (1) Froissart Jean (1) Frottola (2) Fuchs Robert (2) Fuge (3) Fuhrmann Horst (2) Funck David (1) Fux Johann Joseph (3) Gabrieli Consort (1) Gabrieli Giovanni (1) Gaede Daniel (1) Gaede David (1) Gaertner Eduard (2) Gainsborough Thomas (2) Galgenberg (1) Gallo Domenico (1) Gambensonate (1) Gambensuite (3) Ganger Theodore (1) Garben Cord (1) Garbo Greta (1) García Lorca Federico (1) Gärten (1) Gatti Enrico (3) Gazzeloni Severino (1) Geistliches Konzert (1) Gendron Maurice (1) George Stefan (1) Gérard François (1) Gernhardt Robert (1) Gershwin George (1) Gerstl Richard (1) Geschichte (21) Gesualdo Don Carlo (1) Gewandhaus-Quartett (1) Ghiberti Lorenzo (1) Ghirlandaio Domenico (1) Giacometti Alberto (2) Gibbons Orlando (1) Gide André (1) Gigliotti Anthony (1) Ginastera Alberto (1) Ginzburg Carlo (1) Giorgione (2) Giottino (1) Giotto di Bondone (3) Gitarrenquintett (1) Glaetzner Burkhard (1) Glasharmonika (2) Glikman Gabriel (1) Glinka Michail (1) Göbel Horst (2) Goebel Reinhard (2) Goethe Johann Wolfgang (3) Goldammer Karl (1) Goldbergvariationen (3) Goloubitskaja Alexandra (1) Gombrich Sir Ernst H (1) Gondko Michal (1) Góngora Luis (1) Goodman Benny (1) Goodman Roy (1) Goosens Leon (1) Gordon Judith (1) Goritzki Ingo (1) Gotik (3) Goudimel Claude (1) Gould Glenn (5) Goya Francisco de (5) Gracián Baltasar (2) Graduale (1) Grainger Percy (1) Gramatica Antiveduto (1) Grand Motet (2) Grandville J. J. (1) Grebanier Michael (1) Greco El (3) Gregg Smith Singers (1) Griechische Kunst (4) Grieg Edvard (2) Grimm Jacob und Wilhelm (1) Grimmer Walter (1) Groethuysen Andreas (1) Grosz George (1) Groves Paul (1) Grumiaux Arthur (1) Grumiaux Trio (1) Grünbein Durs (1) Gründgens Gustaf (1) Grüß Hans (1) Gryphius Andreas (1) Guardi Francesco (1) Guarini Battista (4) Guerber Antoine (1) Guggenheim Janet (1) Guibert Maurice (1) Guinizelli Guido (1) Gulda Friedrich (1) Gumbrecht Hans Ulrich (1) Gurker Dom (1) Haarkötter Hektor (1) Haas Ernst (1) Haas Werner (1) Hadzigeorgieva Ljupka (1) Haebler Ingrid (1) Haeflinger Ernst (1) Haefs Gisbert (1) Hakhnazaryan Mikayel (1) Halvorsen Johan (1) Händel Georg Friedrich (2) Harfe (1) Harmonium (1) Harnett William Michael (1) Harnoncourt Alice (1) Harnoncourt Nikolaus (5) Harrell Lynn (3) Hartmann Karl Amadeus (2) Hašek Jaroslav (1) Haskil Clara (1) Hasse Johann Adolph (1) Haßler Hans Leo (1) Hausmusik London (1) Haydn Joseph (8) Haydn Philharmonia Soloists (1) Haydn Quartet Budapest (1) Hayman Richard (1) Heemskerk Marten van (1) Heide Daniel (1) Heidegger Martin (2) Heidenreich Gert (1) Heifetz Jascha (4) Heine Heinrich (2) Heinichen Johann David (2) Heinrich IV. (1) Helffer Claude (1) Hell Josef (1) Henkis Jonathan (1) Heraldik (1) Herreweghe Philippe (2) Herzmanovsky-Orlando Fritz von (1) Herzog Samuel (1) Hespèrion XX (1) Heym Georg (1) Hill David (1) Hill Martyn (1) Hillier Paul (1) Hilz Christian (1) Hindemith Paul (5) Hinterleithner Ferdinand Ignaz (1) Hirayama Michiko (2) Hiroshige Utagawa (1) Historische Aufnahme (62) Hoddis Jakob van (1) Hodler Ferdinand (2) Hoelscher Ludwig (1) Hoffmann Bruno (1) Hoffmann E T A (1) Hoffmann Hubert (1) Hoffnung Gerard (1) Hofmann Josef (2) Hofmann Werner (1) Hofmannsthal Hugo von (3) Hogarth William (2) Hokanson Leonard (1) Holbein Hans der Jüngere (3) Hölderlin Friedrich (2) Holliger Heinz (2) Holloway John (4) Holm Richard (1) Holman Peter (1) Holmes Sherlock (1) Hölzel Adolf (1) Honegger Arthur (1) Hood Robin (1) Hoogstraten Samuel van (1) Hörbuch (17) Hornkonzert (1) Hornsonate (1) Horsley Colin (1) Howlett Robert (1) Hubeau Jean (1) Hugo Victor (1) Huizinga Johan (1) Hummel Johann Nepomuk (1) Hummel Martin (2) Humor (1) Humphreys John (1) Hunstein Stefan (1) Hünten Franz (1) Huttenbacher Philippe (1) Huvé Cyril (1) Hyla Lee (1) Ibarra Susie (1) Iberer Gerhard (1) Icarus Ensemble (1) Ideengeschichte (1) Ikonografie (4) Il Furioso (1) Il Viaggio Musicale (1) Improvisation (2) In Nomine (3) Informel (1) Ingres Jean-Auguste-Dominique (1) Insterburg Ingo (1) Interpretatio Christiana (1) Inui Madoka (3) Isaac Heinrich (1) Israel Piano Trio (1) Ives Charles (6) Jaccottet Christiane (1) Jackson Christine (1) Jacobs René (1) Jacques Emmanuel (1) Jakulow Georges (1) Jandó Jenö (3) Janequin Clément (2) Jánoska Aládár (1) Janowitz Gundula (1) Javier López Armando (1) Jazz (2) Jess Trio Wien (1) Joachim Joseph (1) Jochum Eugen (1) Johnson Graham (1) Jolles André (1) Jones Mason (1) Jordan Armin (1) Juilliard Ensemble (1) Juilliard String Quartet (3) Jünger Ernst (1) Juon Paul (2) Kaddish (1) Kaléko Mascha (1) Kammerkonzert (1) Kammermusik (207) Kanka Michal (1) Kanon (1) Kantate (1) Kantorowicz Ernst H (1) Kanzone (1) Kapell William (1) Karajan Herbert von (1) Katchen Julius (1) Katzenmalerei (1) Kavina Lydia (1) Kayaleh Laurence (1) Keesmat Amanda (1) Kemp Wolfgang (1) Kempff Wilhelm (3) Kempis Nicolaus à (1) Kermani Navid (3) Kersting Georg Friedrich (3) Kertész György (1) Kessel Jan van (1) Keuschnig Rainer (1) Keynesianismus (1) Khnopff Fernand (1) Kiebler Sven Thomas (1) Kinski Klaus (1) Kirchschlager Angelika (1) Kiss András (1) Klarinettenkonzert (2) Klarinettenquartett (1) Klarinettenquintett (7) Klarinettentrio (6) Klassik (65) Klaußner Burghart (1) Klavier (53) Klavierduo (6) Klavierkonzert (10) Klavierlied (35) Klavierquartett (14) Klavierquintett (14) Klaviersextett (1) Klaviersonate (19) Klavierstück (24) Klaviersuite (3) Klaviertranskription (1) Klaviertrio (32) Klee Paul (2) Klein Yves (2) Klemperer Otto (1) Klemperer Victor (1) Klengel Julius (1) Klepac Jaromir (1) Kliegel Maria (2) Klimt Gustav (5) Klinger Max (1) Klöcker Dieter (2) Klodt Nikolaj (1) Kloeber August von (1) Klosterneuburger Altar (2) Klucevsek Guy (1) Klust Hertha (1) Kniep Johann (1) Knothe Dietrich (3) Koch Ulrich (1) Koch Wolfgang (1) Koch Wolfram (1) Kocian Quartet (2) Kodály Quartet (2) Kodály Zoltán (2) Koehlen Benedikt (1) Koenig Gottfried Michael (1) Köhler Markus (1) Köhler Matthias (1) Kohnen Robert (1) Kokoschka Oskar (2) Kolisch Rudolf (1) Koll Heinrich (1) Komarov Vladimir (1) Komputistik (2) Koninck Servaes de (1) Konsistorum Natascha (1) Kontarsky Alfons (1) Kontrabass (1) Kontrapunkt (6) Konzertstück (2) Kooning Willem de (1) Koriolov Evgeni (1) Korowin Konstantin Alexejewitsch (1) Köster Roman (1) Kovacic Tomaz (1) Kozeluch Leopold Anton (1) Kracke Helmut (1) Krajný Boris (1) Kraus Karl (1) Krauss Werner (1) Kreisler Fritz (1) Kreisler Fritz (K) (1) Kremer Gidon (1) Krenek Ernst (4) Kreutzer Conradin (1) Krosnick Joel (1) Kühmeier Genia (1) Kuijken Wieland (1) Kulturgeschichte (1) Kulturkritik (1) Kunstgewerbe (2) Kunstszene (2) Kupka Frantiček (1) Kvapil Radoslav (1) L'Aura Soave (1) L'Ecole d'Orphée (1) La Bruyère Jean de (1) La Capella Ducale (1) La Chapelle Royale (1) La Morra (1) La Rochefoucauld Antoine de (1) La Rue Pierre de (1) La Stagione (1) La Venexiana (4) Lachner Franz (1) Laci Albana (1) Lada Josef (1) Lai (1) Lakatos Alexander (1) Lallinger Dieter (1) Lalo Edouard (1) Lamartine Alphonse de (1) Lamentation (2) Lampedusa Giuseppe Tomasi di (1) Lancie John de (1) Landauer Bernhard (1) Landini Francesco (1) Landowska Wanda (1) Laokoon (2) Laredo Jaime (1) Larkin Philip (1) Lartigue Jacques-Henri (1) LaSalle Quartet (2) Laske Oskar (1) Lassus Orlandus (1) Laute (1) Lautner Karl Heinz (1) Le Concert Spirituel (1) Le Sidaner Henri (1) Leclair Jean-Marie (1) Ledoux Claude-Nicolas (1) Legrand Michel (1) Legrenzi Giovanni (1) Lehrer Tom (1) Leibl Wilhelm (1) Leibniz Gottfried Wilhelm (1) Lelkes Anna (1) Lem Stanisław (2) Lempicka Tamara (1) Leonardo (1) Leonhardt Gustav (1) Leopardi Giacomo (1) Les Amis de Philippe (1) Les Arts Florissants (1) Les Menestrels (1) Leslie George Dunlop (1) Lessing Gotthold Ephraim (1) Lethiec Michel (1) Letzbor Gunar (2) Levine James (1) Levitan Isaac (1) Lewon Marc (2) Leyden Aertgen Claesz. van (1) Lichtenberg Georg Christoph (3) Liebermann Max (3) Lied (8) Liederhandschrift (4) Ligeti György (1) Limburg Brüder von (1) Lincoln Christopher (1) Linden Jaap ter (1) Linos-Ensemble (2) Lipatti Dinu (1) Lippi Filippo (1) Lippold Richard (1) Liszt Franz (5) Literaturgeschichte (11) Literaturnobelpreis (2) Literaturwissenschaft (8) Litwin Stefan (1) Liu Xiao Ming (1) Lloyd Frank (1) Loewenguth Quartet (1) Logau Friedrich von (1) Loh Ferdinand (1) London Baroque (4) London Sinfonietta (1) London Symphony Orchestra Brass (1) Longhi Pietro (1) Loreggian Roberto (1) Lorenzetti Ambrogio (1) Loriod Yvonne (3) Lotto Lorenzo (1) Lucier Alvin (1) Lukas Ralf (1) Lukian (1) Lundin Bengt-Åke (1) Lutyens Elisabeth (1) Lutzenberger Sabine (1) Luzzaschi Luzzasco (1) Lydian String Quartet (1) Lyon Opera Orchestra (1) Lyrik (55) Maar Dora (1) Maar Michael (1) Mach Ernst (1) Machaut Guillaume de (2) MacLiammoir Micheál (1) Madrigal (11) Magnificat (3) Magritte Rene (1) Mahler Gustav (3) Mahler-Werfel Alma (1) Maillol Aristide (1) Malewitsch Kasimir (1) Mallarmé Stéphane (2) Mallon Kevin (1) Mamlok Ursula (1) Manet Edouard (4) Manfredini Francesco (1) Mannheimer Streichquartett (1) Mantovano Rossino (1) Marais Marin (2) Marc Aurel (1) Märchen (1) Marder Marc (1) Marenzio Luca (1) Margarete von Österreich (1) Marian Vasile (1) Marini Biagio (2) Marquard Odo (1) Marriner Neville (2) Marsden Stewart (1) Marti Corina (1) Martin Elias (1) Martin Peter (1) Martin Thomas (1) Martinon Jean (1) Martinu Bohuslav (2) Marx Joseph (2) Marx Wolfgang (1) Masaccio (2) Massys Quentin (1) Masters Robert (1) Mathematik (3) Matisse Henri (3) Mayer Steven (1) McCreesh Paul (1) McKenna Siobhan (1) McSweeney Mark (1) Medlam Charles (1) Mehta Zubin (1) Meister der Notnamen (1) Meister der weiblichen Halbfiguren (1) Mellon Agnès (1) Melos Quartett (3) Mendelssohn Bartholdy Felix (9) Mendelssohn Fanny (1) Menuhin Hephzibah (1) Menuhin Yehudi (4) Menzel Adolph (4) Mercer Shannon (1) Mermoud Philippe (1) Merula Tarquinio (1) Messe (16) Messerschmidt Franz Xaver (1) Messiaen Olivier (3) Metz Volker (1) Mey Guy de (1) Meyer Paul (1) Meyer Wolfgang (2) Meyrink Gustav (1) Michelangelo (3) Milhaud Darius (1) Millais John Everett (2) Minimax (1) Minnesang (1) Miró Joan (2) Modigliani Amedeo (1) Modrian Joszef (1) Moiseiwitsch Benno (1) Molenaer Jan Miense (1) Molique Bernhard (1) Monnier-Koenig Marianne (1) Monodie (1) Monroe Marilyn (1) Monteverdi Claudio (1) Moore Gerald (7) Moras Walter (1) Morel Christine (1) Morelli Giovanni (1) Mori Ikue (1) Mörike Eduard (1) Moroney Davitt (1) Morricone Ennio (1) Mortensen Lars Ulrik (2) Motette (6) Mozart W.A. (17) Mucha Stanislav (1) Muffat Georg (1) Mühe Ulrich (1) Müller Wilhelm (1) Musica Antiqua Köln (2) Musica Fiata (1) Musica Secreta (1) Muti Riccardo (1) Nadar (1) Nagano Kent (1) Nakamura Isao (1) Nancarrow Conlon (2) Napoleon (1) Nash Ensemble (1) Nattier Jean-Marc (1) Naturgeschichte (1) Nehring Karl-Heinz (1) Nerval Gerard de (1) Nestroy Johann (1) Neue Musik (106) New Haydn Quartet Budapest (2) New London Chamber Choir (1) New Philharmonia Orchestra (1) New York 1940s (1) Newman Barnett (1) Newman Marion (1) Nicolosi Francesco (1) Nielsen Quintet (1) Nikolaus von Verdun (2) Ninfa Fiorentina (1) Niquet Hervé (1) Nocturno (1) Noferini Andrea (1) Nofretete (1) Noras Arto (1) Norman Jessye (1) Nuova Consonanza (1) O'Connell Charles (1) O'Keeffe Georgia (1) Ochs Siegfried (1) Ockeghem Johannes (2) Ode (1) Odinius Lothar (1) Ohrenstein Dora (1) Oja Iris (1) Ökologie (1) Oktett (8) Olivier Johann Heinrich Ferdinand (1) Onczay Csaba (1) Onslow Georges (3) Oper (2) Oppenheimer Max (3) Oratorium (2) Orchesterlied (3) Orchestermusik (29) Orchesterstück (5) Orchestre de Paris (1) Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo (1) Orff Carl (1) Organosova Luba (1) Orgel (1) Orgelmesse (1) Ortega y Gasset José (1) Os Jan van (1) Osias Bert der Ältere (1) Ottensamer Ernst (1) Ouvertüre (1) Overbeck Friedrich (1) Ovid (1) Oxford Camerata (2) Pachelbel Johann (1) Pacher Michael (1) Pächt Otto (4) Pädagogik (1) Palmer Todd (1) Pank Siegfried (1) Pannonisches Blasorchester (1) Panofsky Erwin (1) Pape René (1) Parmigianino (1) Parnassi musici (2) Partita (4) Pasquier Bruno (1) Pasquier Régis (1) Patinir Joachim (2) Patzak Julius (1) Paul Jean (1) Paz Octavio (1) Pecha Peter (1) Pélassy Frédéric (1) Pellegrini-Quartett (1) Penderecki Krzysztof (1) Pennac Daniel (1) Pérès Marcel (1) Perlman Itzhak (3) Perugino Pietro (1) Peter Richard sen. (1) Petersen Quartett (1) Petrarca Francesco (4) Petronius Titus (1) Petrova Galina (1) Peyer Gervase de (1) Philharmonia Orchestra (3) Philharmonisches Oktett Berlin (1) Phillipps Thomas (1) Phillips Peter (1) Philosophie (21) Picasso Pablo (3) Pierce Joshua (1) Piero della Francesca (2) Pillney Karl Hermann (1) Pinterest (1) Piranesi (2) Pisano Andrea (1) Pitzinger Gertrude (1) Platen August von (1) Platschek Hans (1) Pleyel Ignaz (1) Pollack Jackson (1) Pollini Maurizio (1) Polyphonie (11) Pomian Krzysztof (1) Pöntinen Roland (1) Poppen Christoph (1) Posch Michael (1) Poulenc Francis (1) Pousseur Henri (1) Poussin Nicolas (1) Prague Piano Duo (1) Präludium (4) Prazak Quartet (1) Pré Jacqueline du (1) Prechtl Michael Mathias (1) Prendergast Maurice (1) Preucil William (1) Prey Hermann (1) Price Margaret (2) Pro Cantione Antiqua (1) Prokofjew Sergei (4) Prosa (30) Proust Marcel (1) Prunyi Ilona (1) Psalm (2) Psychologie (1) Purcell Henry (4) Quarrington Joel (1) Quartett (2) Quartetto Stauffer (1) Quator Calvet (2) Quator Pro Arte (3) Quevedo Francisco de (1) Quintana Juan Manuel (1) Quintett (1) Quintetto Arnold (1) Quintetto Fauré di Roma (1) Rachmaninow Sergei (2) Radio Baiern (1) Radio Beromünster (1) Raff Joachim (1) Raffael (1) Rameau Jean-Philippe (1) Ramm Andrea von (1) Rannou Blandine (1) Ravel Maurice (1) Ray Man (2) Recital (1) Reclams Universal-Bibliothek (1) Reger Max (5) Reicha Anton (1) Reichholf Josef Helmut (1) Reichow Jan Marc (1) Reimann Aribert (5) Reinecke Carl (2) Reiner Fritz (1) Reinhardt Ad (1) Reiser Hans (1) Reizenstein Franz (1) Reklame (2) Rembrandt (4) Remmert Birgit (2) Rémy Ludger (1) Renaissance (1) Repin Ilja Jefimowitsch (2) Requiem (5) Reyes Eliane (1) Rhodes Samuel (1) RIAS-Kammerchor (1) Ricardo David (1) Ricercar (1) Richter Karl (1) Richter Ludwig (1) Richter Swjatoslaw (2) Rider Rhonda (1) Rieger Christian (1) Riegl Alois (1) Riehn Rainer (1) Ries Ferdinand (2) Rihm Wolfgang (1) Rilke R M (2) Rimbaud Arthur (1) Ring Around Quartet & Consort (1) Rinuccini Ottavio (1) Rizzoli Achilles (1) Robert Hubert (1) Rodin Auguste (2) Rohbock Ludwig (1) Roloff Helmut (1) Romantik (148) Romanze (2) Romero Pepe (1) Rondeau (1) Rondo (2) Ronsard Pierre de (1) Rops Felicien (1) Rorty Richard (1) Rosbaud Hans (1) Rose Consort of Viols (1) Rösel Peter (1) Rossetti Dante Gabriel (1) Rossi Salomone (1) Rossini Gioachino (1) Rostropowitsch Mstislaw (3) Rothko Mark (2) Rousseau Henri (1) Rousseau Jean-Jacques (2) Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam (1) Rubens Peter Paul (1) Rubenstein Matthew (1) Rubinstein Anton (2) Rubinstein Artur (2) Rubio Quartet (1) Rudolf von Rheinfelden (1) Rundfunkchor Leipzig (1) Russ Leander (1) Russian Philharmonic Orchestra (1) Rychner Max (2) Rzewski Frederick (3) Sachs Joel (3) Saint-Exupéry Antoine de (1) Saint-Saëns Camille (1) Sainte-Beuve (1) Salve Regina (1) Sandburg Carl (1) Sander August (1) Sanderling Kurt (1) Santiago Enrique (1) Saraceni Carlo (2) Saranceva Ekaterina (1) Sarasate Pablo de (2) Sartre Jean-Paul (1) Satie Erik (1) Savall Jordi (2) Savery Roelant (1) Sawallisch Wolfgang (1) Scarlatti Domenico (2) Scelsi Giacinto (3) Sceve Maurice (1) Schadow Friedrich Wilhelm (1) Schadow Johann Gottfried (1) Schalansky Judith (1) Schall Johanna (1) Scharinger Anton (1) Schedel'sche Weltchronik (1) Scheidt Samuel (1) Scherbakow Konstantin (1) Scherchen Hermann (1) Schiff András (1) Schiller Alan (1) Schiller Friedrich (3) Schillinger Joseph (1) Schindler Xenia (1) Schlichtig Hariolf (2) Schlüter Wolfgang (3) Schmelzer Johann Heinrich (1) Schmidt Franz (3) Schmidt Heinrich (1) Schmitt-Leonardy Wolfram (1) Schmitz Rainer (1) Schnabel Artur (6) Schnabel Artur (K) (3) Schnädelbach Herbert (1) Schneider Alexander (1) Schneider Gottfried (1) Schneider Manfred (1) Schnurre Wolfdietrich (1) Schobert Johann (1) Schoenbach Sol (1) Schola Cantorum Stuttgart (1) Schola Hungarica (1) Schönberg Arnold (9) Schop Johann (1) Schopenhauer Arthur (2) Schostakowitsch Dmitri (4) Schreckenbach Gabriele (1) Schröder Felix (1) Schröder Wolfgang (1) Schubert Franz (22) Schubert Peter (1) Schulkowsky Robyn (1) Schulz Robert (1) Schumann Clara (3) Schumann Robert (15) Schütz Heinrich (2) Schwannberger Sven (1) Schwartz Felix (1) Schwarzkopf Elisabeth (4) Schweitzer Albert (1) Seefried Irmgard (1) Segantini Giovanni (2) Seltzer Cheryl (3) Semiotik (1) Semperconsort (1) Senallié le Fils Jean-Baptiste (1) Septett (7) Serkin Rudolf (2) Sermisy Claudin de (1) Serow Valentin Alexandrowitsch (1) Seurat Georges (1) Seuse Heinrich (1) Sextett (4) Sgrizzi Luciano (1) Shakespeare William (3) Shelton Lucy (1) Sherman Cindy (1) Shulman Nora (1) Sibelius Jean (1) Sicinski Adam (1) Silvestri Constantin (1) Simpson David (1) Simpson Derek (1) Sinopoli Giuseppe (1) Sitkovetsky Dmitri (1) Sitwell Dame Edith (1) Skordatur (1) Skrjabin Alexander (2) Skrowaczewski Stanislaw (1) Slávik Ján (1) Smith Fenwick (1) Smith Hopkinson (2) Smith Logan Pearsall (1) Smith Tim (1) Smullyan Raymond (1) Sobeck Johann (1) Soentgen Jens (1) Solo (4) Solomon (1) Sommer Andreas Urs (2) Sonar String Quartet (1) Sonare-Quartett (1) Sonate (9) Song (5) Sönstevold Knut (1) Souzay Gérard (1) Soziologie (2) Spengler Oswald (1) Spiri Anthony (1) Spitzer Leo (1) Spitzweg Carl (1) Spohr Louis (5) Staatskapelle Dresden (3) Stabat Mater (1) Stallmeister Britta (1) Stamitz Quartet (2) Stampa Gaspara (1) Stamper Richard (1) Starke Gerhard (1) Starker Janos (1) Stasny Leopold (1) Steck Anton (1) Stein Leonard (1) Stern Bert (1) Sternberg Josef von (1) Stewart Paul (1) Still Clyfford (1) Stöhr Adolf (1) Stosskopff Sébastien (1) Strauss Johann jr (1) Strauss Richard (2) Strawinsky Igor (1) Streichquartett (50) Streichquintett (11) Streichsextett (8) Streichtrio (12) Stuck Franz von (1) Studio der Frühen Musik (1) Suite (4) Suitner Otmar (1) Suk Josef (1) Sullivan Arthur (1) Summerly Jeremy (2) Sunkist (1) Suske Conrad (1) Sweelinck Jan Pieterszoon (1) SWF Symphony Orchestra (1) Swift Jonathan (1) Symphonie (2) Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (1) Szedlak Bela (1) Szell George (1) Szeryng Henryk (2) Szigeti Joseph (1) Szymanowski Karol (1) Taborn Craig (1) Tacchino Gabriel (1) Tachezi Herbert (1) Takahashi Yuji (1) Tal Yaara (1) Tallis Thomas (1) Tanguy Yves (1) Tanz (1) Tapisserie (1) Tarrete Virginie (1) Tasso Torquato (1) Taverner John (1) Te Deum (1) Technikgeschichte (3) Telemann G P (1) Teniers David d.J. (2) Terekiev Victoria (1) The Academy of St Martin-in-the-Fields Chamber Ensemble (1) The Ames Piano Quartet (2) The Danish Quartet (1) The Dartington Piano Trio (1) The Hilliard Ensemble (1) The Parley of Instruments (1) The President's Own United States Marine Band (1) The Scholars Baroque Ensemble (2) The Sixteen (1) The Solomon Trio (1) The Sound and the Fury (1) The Tallis Scholars (1) The William Byrd Choir (1) Theaterwissenschaft (1) Theodizee (1) Theologie (2) Theremin (1) Thibaud Jacques (1) Thoma Hans (1) Thomas Dylan (1) Thomas von Aquin (1) Thompson Curt (1) Tieck Ludwig (1) Tiedemann Rolf (1) Tietze Heinrich (1) Timm Jürnjakob (1) Tinguely Jean (1) Tintoretto (1) Tizian (3) Tobey Mark (1) Toccata (2) Tölzer Knabenchor (1) Tomböck Johannes (1) Tomböck Wolfgang (1) Torberg Friedrich (1) Toulouse-Lautrec Henri de (2) Tour George de la (3) Tragicomedia (1) Trakl Georg (1) Triendl Oliver (2) Trio (6) Trio 1790 (2) Trio Bell'Arte (1) Trio Cascades (1) Trio Opus 8 (1) Trio Recherche (1) Triosonate (14) Triple Helix (1) Tromboncino Bartolomeo (2) Tschaikowski Pjotr Iljitsch (6) Tudor David (1) Turina Joaquín (1) Turina-Trio (1) Turing Alan (1) Turner Bruno (1) Turner Gavin (1) Turner William (3) Uccello Paolo (1) Uemura Kaori (1) Uhde Fritz von (1) Uhland Ludwig (1) Ullmann Viktor (1) Umweltpolitik (1) Uppsala Chamber Soloists (1) Ut Musica Poesis (1) Valadon Suzanne (1) Valéry Paul (2) Van Swieten Trio (1) Variation (11) Vasari Giorgio (1) Vega Lope de (1) Veit Philipp (1) Velázquez Diego (3) Verdi Giuseppe (2) Vergilius Vaticanus (1) Vermeer Jan (3) Vermillion Iris (1) Verse Anthem (1) Vico Giambattista (1) Victor Symphony Orchestra (1) Video (1) Vignoles Roger (2) Villancico (1) Violakonzert (1) Violasonate (2) Violenconsort (1) Violinkonzert (3) Violinsonate (32) Visse Dominique (3) Vitali Giovanni Battista (1) VivaVoce (1) Vokal (109) Volkmann Robert (1) Volkswirtschaft (2) Voltaire (1) Voorhees Donald (1) Vossler Karl (2) Vouet Simon (1) Vuataz Roger (1) Wabo Keisuke (1) Wächter Peter (1) Wagner Jan (1) Wagner Otto (1) Waldmüller Ferdinand Georg (1) Wallenstein Alfred (1) Wallfisch Ernst (1) Wallin Ulf (1) Wallisch Leonhard (1) Walter Bruno (Komponist) (1) Walzer (3) Warburg Aby (1) Waters Rodney (1) Weber Andreas Paul (1) Weber Carl Maria von (1) Webern Anton (9) Weeks James (1) Weibel Peter (1) Weigle Sebastian (1) Weill Kurt (3) Weissenberg Alexis (1) Weißenborn Günther (1) Welser-Möst Franz (1) Wengoborski-Sohni Eva (1) Werner Oskar (1) Wert Giaches de (1) Westphal Gert (2) Westphal-Quartett (1) Weyden Goswin van der (1) Weyden Rogier van der (3) Whicher Monica (1) Whistler James McNeill (1) Whitman Quartet (1) Widmung: Anchusa (1) Widmung: Dmitry (1) Widmung: Edmond (1) Widmung: Horacio (1) Widmung: Mastranto (1) Widmung: Sankanab (1) Wieman Mathias (1) Wiener Horn (1) Wiener Oktett (1) Wiener Philharmoniker (1) Wiener Streichtrio (1) Wilckens Friedrich (1) Wilhelm Gerhard (1) Wilhelm von Ockham (1) Wille Friedrich (1) Wille Oliver (1) Williams Jenny (1) Williams Roderick (1) Wilson Edmund (1) Wilson Roland (1) Winckelmann Johann Joachim (1) Winter Susanne (1) Winterhalter Franz Xaver (1) Wittgenstein Ludwig (2) Witz Konrad (1) Wohltemperiertes Klavier (2) Wolf Hugo (3) Wölfel Martin (1) Wolff Christian (1) Wolkenstein Oswald von (1) Wood James (1) Wood Jasper (1) Wordsworth William (1) Worringer Wilhelm (1) Wrubel Michail (1) Wuorinen Charles (1) Xenakis Iannis (1) Yablonsky Dmitry (1) Yeats William Butler (2) Yim Jay Alan (1) Young La Monte (1) Zelenka Jan Dismas (1) Zemlinsky Alexander (1) Zemlinsky Quintett Wien (1) Zender Hans (1) Ziesak Ruth (2) Zilcher Hermann (1) Zimansky Robert (1) Zimmermann Tabea (1) Zischler Hanns (2) Zlotnikov Kyril (1) Znaider Nikolaj (1) Zoologie (1) Zukerman Pinchas (1) Zukofsky Paul (2) Zutphen Wim van (1)