
"Graf Ferdinand Troyer, ein Oberkämmerer im Dienste des ehemaligen Beethoven-Schülers Erzherzog Rudolf und selbst Klarinettist und Komponist, hatte Anfang 1824 bei Schubert ein Stück bestellt, das "genauso wie Beethovens Septett" sein sollte. Schubert entsprach diesem Wunsch, obwohl er dem Ensemble eine zweite Violine hinzugab, um einen reicheren Klang zu erzielen, und sein Oktett verlängerte - mit allen Reprisen erstreckt es sich über mehr als eine Stunde. Die Länge von Schuberts Oktett war dessen erstem Verleger 1853 zuviel, und der vierte und fünfte Satz wurden ausgelassen; das Werk erschien erst wieder in kompletter Form, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine vollständige Schubert-Ausgabe veröffentlicht wurde." (Tully Potter, im Booklet).
"Das zu Recht so beliebte und berühmte Oktett vereinigt in sich auf glückliche Weise serenadenhafte, kammermusikalische und sinfonische Elemente. Schubert selbst betrachtete das Werk als eine Art Vorstudie "zur großen Sinfonie", und manche Elemente deuten in der Tat auf sinfonischen Anspruch und Ernst. Serenadenhaft dagegen sind vor allem das duftige Klanggewand der farbenreichen Instrumentalbesetzung, der vorherrschende unbeschwerte Tonfall melodischer Eingebung, aber auch die Anzahl der Sätze. Ungewöhnlich und reizvoll zugleich ist die stark ausgeweitete kammermusikalische Besetzung, die bisweilen an die Grenzen der Gattung stößt." (Arnold Werner-Jensen, in: Reclams Kammermusikführer, 13. Auflage, Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010576-5, Seite 569)
Zu den Komponisten, die sich Beethovens "Septett-Trend" anschlossen, gehörte auch Louis Spohr. Sein Oktett op 32 zeichnet sich durch den schwierigen ersten Violinpart aus (den er für sich selbst geschrieben hatte) und verarbeitet Händels bekannte Melodie aus dem "Harmonious Blacksmith" für den Variationssatz. "Trotz der Farbigkeit der Besetzung, in der Violine, Klarinette und die beiden Hörner dominieren, während den dunklen Streichern mehr Begleitfunktion zukommt, scheint insgesamt im Oktett das Vorbild Mendelssohn stark durch." (Gerhard Wienke, in: Reclams Kammermusikführer, 13. Auflage, Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010576-5, Seite 532)
Die hier vorgestellten historischen Aufnahmen stammen aus den Jahren 1958/59 und wurden vom Wiener Oktett aufgeführt, einer Gründung Willi Boskovskys aus dem Jahre 1947. Willi Boskovsky (1909-91) war lange Jahre Konzermeister der Wiener Philharmoniker und über drei Jahrzehnte einer der bedeutendsten Geiger Wiens, als solcher eine Verkörperung des "Wiener Stils" schlechthin.
TRACKLIST
Legends - Schubert/Spohr: Octets (Wiener Oktett)
FRANZ SCHUBERT (1797-1828)
Octet in F major, D803, Op. 166
fa majeur - F-Dur
Composed 1824
[01] I. Adagio - Allegro 11:57
[02] II. Adagio 9:54
[03] III. Allegro vivace 5:57
[04] IV. Andante 11:23
[05] V. Menuetto: Allegretto 5:31
[06] VI. Andante molto - Allegro 8:25
Wiener Oktett
Willi Boskovsky violin I - Philipp Matheis violin II
Günther Breitenbach viola - Nikolaus Hübner cello
Johann Krump double bass - Alfred Boskovsky clarinet
Josef Veleba horn - Rudolf Hanzl bassoon
Recorded: March 1958, Sofiensaal, Vienna
Producers: Erik Smith, John Culshaw
LUDWIG SPOHR (1784-1859)
Octet in E major, 0p.32
mi majeur - E-Dur
Composed 1814
[07] I. Adagio - Allegro 6:22
[08] II. Menuetto: Allegro 5:21
[09] III. Andante con variazioni: Thema di Händel 7:25
[10] IV. Finale: Allegretto 5:48
Wiener Oktett
Willi Boskovsky violin - Günther Breitenbach viola I
Philipp Matheis viola II - Nikolaus Hübner cello
Johann Krump double bass - Alfred Boskovsky clarinet
Josef Veleba horn I - Otto Nitsch horn II
Recorded: March 1959, Sofiensaal, Vienna
Producer: Erik Smith
TOTAL TIMING 78:11
(P) 1958, 1960
(C) 2000,
Auf dem Cover der Ausgabe von 1990 von links nach rechts: Willi Boskovsky, Philip Matheis, Nikolaus Hübner, Rudolf Hanzl, Johann Krump, Josef Veleba, Günther Breitenbach, Alfred Boskovsky.


3 Kommentare:
Hi there!
Thanks for a great upload!
Allow me to supplement with a couple of more scans for this recording I downloaded from... well I forgot from where. :-)
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Regards... Sankerib
Hi
Thankyou for these Octets by Schubert & Spohr in performances of Boskovsky and friends. Good luck with your site, many happy returns!
odysseus
I would like to add my thank you to the others. I have always preferred orchestral music to chamber music, but listening to such exquisitely played music may well help expand my musical tastes.
ezpz
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